Silber Preis: Sechstes Defizitjahr in Folge

Silber leidet unter geplatzter Iran-Waffenruhe und steigenden Zinserwartungen. Trotz Angebotsdefizit fällt der Kurs auf 60 Dollar.

Die Kernpunkte:
  • Waffenruhe zwischen USA und Iran geplatzt
  • Fed signalisiert weitere Zinserhöhungen
  • Silberkurs fällt auf 60,26 US-Dollar
  • Angebotsdefizit bremst Abwärtstrend nicht

Silber steckt zwischen zwei Fronten fest. Auf der einen Seite ein geplatzter Waffenstillstand im Nahen Osten, auf der anderen eine Notenbank, die stur an hohen Zinsen festhält. Der Markt reagiert nervös – trotz eines strukturellen Angebotsdefizits, das eigentlich für steigende Preise sprechen würde.

Am Freitag schloss Silber bei 60,26 US-Dollar je Feinunze. Das ist ein Rückgang von 0,21 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,93 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 5,11 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Edelmetall bereits 16,62 Prozent verloren.

Vom Rekordhoch bei 121,78 US-Dollar aus dem Januar trennen den Kurs mittlerweile 50,52 Prozent. Zum Jahrestief von 45,51 US-Dollar aus dem Oktober 2025 beträgt der Abstand dagegen noch 32,40 Prozent.

Iran-USA: Waffenruhe vorbei, Gespräche laufen weiter

Die Unsicherheit im Nahen Osten drückt auf den Silbermarkt. US-Präsident Donald Trump erklärte die im Juni vereinbarte Waffenruhe mit dem Iran für „BEENDET“. Es folgten neue militärische Auseinandersetzungen, darunter US-Luftschläge als Reaktion auf iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus am 6. und 7. Juli.

Trotz der geplatzten Waffenruhe zeigen sich beide Seiten gesprächsbereit. Trump gab bekannt, die USA hätten einer iranischen Bitte um Fortführung der Gespräche zugestimmt. Katar vermittelt weiter, „technische Gespräche“ laufen laut Insidern im Hintergrund.

Eine neue Verhandlungsrunde wird für die kommende Woche erwartet, möglicherweise in der Schweiz oder im Oman. Der iranische Außenminister bestritt zwar, um Gespräche gebeten zu haben. Einem Besuch katarischer Mediatoren stimmte er dennoch zu. Diese fortgesetzten Kanäle bieten einen Kontrast zum vollständigen Abbruch – und könnten die Risikoprämien am Rohstoffmarkt dämpfen.

Fed bremst die Zinssenkungsfantasie

Ein zweiter Belastungsfaktor kommt aus Washington. Das jüngste Fed-Protokoll zeigt wachsende Sorge der Notenbanker über die Inflationsaussichten. Die Fed hob ihre Prognose für die Kerninflation 2026 auf 3,3 Prozent an.

Die Märkte preisen inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 62 bis 66 Prozent eine weitere Zinserhöhung bis September 2026 ein. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh stellte klar: Die Rückführung der Inflation auf das Zwei-Prozent-Ziel hat oberste Priorität.

Für Silber ist das ein Problem. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab, höhere Zinsen machen zinstragende Alternativen attraktiver. Ein starker Dollar, der in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen gilt, verschärft den Druck zusätzlich – er macht Silber für Käufer außerhalb des Dollar-Raums teurer.

Strukturelles Defizit trotz schwacher Kurse

Das fundamentale Bild passt nicht zur aktuellen Kursschwäche. Der globale Silbermarkt steuert auf das sechste Defizitjahr in Folge zu. Für 2026 rechnen Analysten mit einer Angebotslücke von etwa 46,3 Millionen Feinunzen, einige Schätzungen gehen sogar von bis zu 67 Millionen Unzen aus.

Die industrielle Nachfrage zeigt sich gespalten. Die Photovoltaik-Industrie reduziert durch Effizienzgewinne den Silbereinsatz pro Solarzelle. Sektoren wie Elektromobilität, Batterietechnik und Künstliche Intelligenz treiben den Bedarf dagegen weiter nach oben.

Auch die physische Investmentnachfrage bleibt robust. Laut Silver Institute stieg sie um 20 Prozent auf ein Dreijahreshoch von 227 Millionen Unzen.

Charttechnik zeigt klare Schwäche

Der Kurs notiert deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 70,30 US-Dollar, ein Abstand von 14,29 Prozent. Auch der 100-Tage-Schnitt bei 74,40 US-Dollar und der 200-Tage-Durchschnitt bei 73,36 US-Dollar liegen klar darüber, der Abstand zum längerfristigen Trend beträgt 17,86 Prozent.

Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 40,6 Punkten – neutral bis leicht überverkauft. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei hohen 51,13 Prozent und spiegelt die Nervosität rund um die Nahost-Gespräche wider.

Die kommende Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran dürfte kurzfristig die Richtung vorgeben. Bleibt die politische Lage angespannt, könnte die Risikoprämie am Silbermarkt weiter unter Druck stehen – trotz des strukturellen Angebotsdefizits im Hintergrund.

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