Silber Preis: Shanghai-Prämie bei 16,62 Prozent
Der Silberpreis fällt im Westen, während in Shanghai hohe Aufschläge gezahlt werden. Geopolitische Spannungen und Zinssorgen belasten zusätzlich.

- Westlicher Silberpreis fällt deutlich
- China zahlt hohe Prämie für Silber
- Nahost-Konflikt belastet den Kurs
- Inflationsdaten dämpfen Zinserwartungen
Silber verliert an westlichen Börsen deutlich an Wert. Gleichzeitig zahlen Käufer in Schanghai einen Aufschlag, der immer größer wird. Diese Zweiteilung des globalen Marktes wirft die Frage auf, wie lange sich Papierpreis und physischer Markt noch auseinanderbewegen können.
Am Freitag schloss Silber bei 55,77 US-Dollar je Feinunze, ein Tagesminus von 4,04 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Verlust von 17,99 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 33,3 Punkten und signalisiert damit einen überverkauften Markt.
Schanghai zahlt kräftigen Aufschlag
Während der US-Spotpreis zuletzt bei 55,48 Dollar lag, notierte Silber an der Shanghai Gold Exchange bei 64,70 Dollar. Das entspricht einer Prämie von 16,62 Prozent. Andere Datenanbieter melden für den jüngsten SGE-Handelstag am 15. Juli einen Aufschlag von 12,5 Prozent im Morgen-Fixing und 11,5 Prozent am Nachmittag.
Die Differenz gilt als Gradmesser für die physische Knappheit im chinesischen Markt. Die SGE steht unter Aufsicht der People’s Bank of China und ist die größte physische Edelmetallbörse der Welt. Importquoten der Notenbank begrenzen das Angebot, während Schmuckindustrie und Solarhersteller die Nachfrage treiben.
Hinzu kommt eine steuerliche Hürde. Auf Silberimporte nach China fällt eine Mehrwertsteuer von 13 Prozent an. Die tatsächlichen Einfuhrkosten liegen dadurch oft 15 bis 20 Prozent über dem globalen Spotpreis vor Steuern.
Nahost-Eskalation drückt den Kurs
Der Kursrutsch der vergangenen Woche hat einen konkreten Auslöser. US-Präsident Trump erklärte gegenüber dem Kongress, der Waffenstillstand mit dem Iran sei beendet. Die USA seien in den Krieg zurückgekehrt.
Die iranischen Revolutionsgarden kündigten als Reaktion an, regionale Infrastruktur anzugreifen. Der Iran bat zudem seine Verbündeten im Jemen, die Houthi, im Ernstfall die Rote-Meer-Route für Öltanker zu schließen. Der gleitende Durchschnitt der Rohölströme durch die Straße von Hormus ging in der Folge deutlich zurück.
Ein stärkerer Dollar verstärkte den Abwärtsdruck zusätzlich. Anleger befürchteten parallel eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank. Beide Faktoren zusammen erklären einen Großteil der jüngsten Talfahrt.
Inflationsdaten bringen kurze Verschnaufpause
Etwas Entlastung kam von der Konjunkturfront. Die Erzeugerpreise stiegen im Juni nur noch um 5,5 Prozent zum Vorjahr, nach 6,0 Prozent im Mai. Das lag unter der Markterwartung von 6,2 Prozent.
Auch die Verbraucherpreise blieben unter der Prognose von 3,8 Prozent. Die Marktteilnehmer senkten daraufhin ihre Erwartung an eine Zinserhöhung im September auf rund 44 Prozent, einen Tag zuvor lag der Wert noch bei 50 Prozent.
Die Entspannung bleibt jedoch fragil. Das CME FedWatch-Tool preist weiterhin nennenswerte Chancen für einen Zinsschritt im September ein. Die Inflationsdaten aus dem Juni spiegeln zudem die jüngste Eskalation im Nahen Osten noch gar nicht wider.
Zwei Märkte, zwei Preise
Die Kluft zwischen den Handelsplätzen zeigt ein strukturelles Problem. An der COMEX dominieren Futures-Kontrakte, von denen weniger als ein Prozent tatsächlich zur physischen Lieferung führen. Die SGE dagegen ist auf physische Abwicklung ausgelegt und spiegelt damit die reale Angebots- und Nachfragesituation.
Straffere Importquoten der PBOC treiben die Shanghai-Prämie nach oben, eine Lockerung würde den Abstand verringern. Solange sich die Lage im Nahen Osten nicht beruhigt und die Fed keine klaren Signale sendet, dürfte die Spanne zwischen Papier- und Physisch-Preis bestehen bleiben.
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