Silber Preis: Short-Squeeze in Sicht?

Hohe Nachfrage nach Schutz und geballte Verkaufswetten prägen den Silbermarkt; eine Erholung hängt von einem möglichen Auslöser ab.

Die Kernpunkte:
  • Dreimonatige Silber-Puts stark nachgefragt
  • COMEX-Silber verlor binnen sieben Tagen 5,6 Prozent
  • Ölpreisanstieg schürt Inflations- und Zinssorgen
  • Unterstützung bei 53,08 US-Dollar im Fokus

Absicherungen gegen fallende Silberpreise sind laut einem heute veröffentlichten Bericht so teuer wie seit Anfang Juli nicht mehr. The Kobeissi Letter sieht zugleich eine überfüllte Positionierung auf der Verkaufsseite. Das verschärft den Gegensatz am Silbermarkt: Die Stimmung ist deutlich negativ. Gerade die geballten Wetten auf weitere Verluste könnten bei einem Auslöser aber eine kräftige Gegenbewegung begünstigen.

Optionsmarkt signalisiert ausgeprägte Skepsis

Im Mittelpunkt steht die Preisrelation zwischen Verkaufs- und Kaufoptionen auf Silber mit dreimonatiger Laufzeit. Nach Einschätzung von The Kobeissi Letter zeigt diese eine besonders hohe Nachfrage nach Schutz gegen weitere Kursverluste. Die Absicherung ist damit selbst zu einem wichtigen Signal für die Nervosität der Anleger geworden.

Eine überfüllte Short-Positionierung ist allerdings kein Beleg für eine bevorstehende Trendwende. The Kobeissi Letter nennt vielmehr ein bedingtes Szenario: Ein geeigneter Auslöser könnte Leerverkäufer zur Eindeckung bewegen. Ein solcher Rückkaufdruck könnte sowohl Silber als auch Minenaktien erfassen. Ein konkreter Auslöser wird dabei nicht benannt.

Die jüngste Preisentwicklung erklärt den Absicherungsbedarf: Der COMEX-Front-Month schloss gestern bei 53,96 USD je Feinunze. Die Siebentagesveränderung von -5,6% unterstreicht den Verkaufsdruck hinter der pessimistischen Positionierung.

Öl verteuert sich, Silber gerät unter Druck

Die Belastung kommt nicht allein aus dem Silbermarkt. Saxo-Analyst Ole Hansen verweist auf Inflationsdruck durch steigende Ölpreise. Damit liefert der Energiemarkt eine Erklärung dafür, weshalb die Eskalation im Nahen Osten den Edelmetallen zuletzt keine Unterstützung gab.

Brent stieg gestern nach der Eskalation und Angriffen auf saudische Ölanlagen auf über 115 US-Dollar je Barrel. Medienberichte nennen daraus folgende Inflations- und Zinserhöhungserwartungen als Belastung für Silber.

Daneben stehen liquiditätsbedingte Verkäufe als mögliche Erklärung im Raum. Demnach könnten Anleger angesichts fallender Technologieaktien und schwächerer US-Aktienindizes auch Edelmetallpositionen verkauft haben. Das bleibt eine Erklärung für den Verkaufsdruck, keine bestätigte Ursache sämtlicher Abgaben.

Gegenbewegung bleibt ein bedingtes Szenario

Auch charttechnisch überwiegen die Warnsignale. Eine heute veröffentlichte technische Einschätzung nennt 53,08 US-Dollar je Feinunze als kritische Unterstützung. Erst bei einem Bruch dieser Marke könnte der Preis dem Szenario zufolge schrittweise bis 50 US-Dollar fallen.

Für Anleger ergibt sich daraus kein eindeutiges Kaufsignal. Teure Abwärtsabsicherungen und überfüllte Verkaufswetten können eine Erholung begünstigen, beenden den Abwärtstrend aber nicht automatisch. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen dem bestehenden Verkaufsdruck und dem bislang nur möglichen Rückkaufdruck der Leerverkäufer.

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