Silber Preis: Solarnachfrage fällt um 19 Prozent

Silber konsolidiert vor Fed-Meeting, während die Solarbranche als größter Abnehmer den Silberverbrauch drastisch reduziert.

Die Kernpunkte:
  • Fed-Zinsentscheid ohne Überraschung erwartet
  • Dot Plot als entscheidender Kurstreiber
  • Solarindustrie senkt Silberbedarf massiv
  • Sechstes Angebotsdefizit in Folge prognostiziert

Silber startet in eine entscheidende Woche. Während der Kurs nach einer zweitägigen Rallye auf rund 70,55 US-Dollar konsolidiert, treffen zwei gegenläufige Kräfte aufeinander: ein Fed-Meeting mit neuem Chef und ein struktureller Wandel in der Solarbranche, dem größten Industrieabnehmer des Metalls.

Warsh vor seinem ersten Zinsentscheid

Kevin Warsh leitet heute und morgen sein erstes FOMC-Meeting. Eine Zinspause bei 3,50 bis 3,75 Prozent gilt mit 97,4-prozentiger Wahrscheinlichkeit als gesetzt — das ist keine Überraschung mehr.

Entscheidend wird der Dot Plot. Zeigt der Median-Dot noch einen Zinsschritt bis Dezember 2026, oder signalisiert Warsh eine längere Pause? Außerdem beobachten Händler, ob er die Energieinflation als geopolitisches Phänomen einordnet — und damit als vorübergehend. Die US-Inflation stieg im Mai auf 4,2 Prozent, getrieben von einem Energiepreisanstieg von 23,5 Prozent infolge des Iran-Konflikts. Die Kerninflation lag deutlich niedriger bei 2,9 Prozent.

Bewertet Warsh den Preisschub als extern und nicht zinssensitiv, sinken die Realzinsen — und Silber gewinnt.

Solar-Industrie dreht den Rücken

Parallel dazu verändert sich die Nachfragestruktur des Silbermarktes. Der Photovoltaiksektor war jahrelang ein Wachstumstreiber. Das kippt gerade.

Laut World Silver Survey 2026 sank der Silberbedarf der Solarbranche 2025 um sechs Prozent auf 186,6 Millionen Unzen. Für 2026 erwarten Analysten einen weiteren Rückgang um 19 Prozent auf rund 151 Millionen Unzen. Der Grund: Silber macht inzwischen bis zu 29 Prozent der Modulkosten aus. Das macht Alternativen attraktiv.

LONGi Green Energy plant Rückkontaktzellen mit Kupfer statt Silber — die Massenproduktion war für das zweite Quartal 2026 geplant. Jinko Solar skaliert kupferbasierte Panels hoch. Shanghai Aiko Solar verkauft bereits silberfreie Zellen.

Angebotsdefizit gibt Unterstützung

Trotzdem bleibt das fundamentale Bild für Silber nicht schwach. Rund 70 Prozent der weltweiten Förderung entstehen als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle. Höhere Preise lösen also keine automatische Produktionsausweitung aus.

Das Silver Institute prognostiziert für 2026 das sechste Angebotsdefizit in Folge — rund 46 Millionen Unzen. Die COMEX-Bestände fielen von 531 Millionen Unzen im Oktober 2025 auf rund 315 Millionen Unzen. Kumuliert haben sich seit 2021 Lagerentnahmen von fast 762 Millionen Unzen aufgestaut.

Silber hat seit seinem Allzeithoch von 121,62 US-Dollar im Januar 2026 rund 42 Prozent verloren. Die LBMA-Analysten erwarten für das Gesamtjahr einen Durchschnittspreis von 79,57 US-Dollar — nennen aber eine Handelsspanne von 42 bis 165 US-Dollar. Diese Bandbreite zeigt, wie viel von Warsh, dem Iran-Waffenstillstand und dem Tempo der Solar-Substitution abhängt. Die Pressekonferenz am 17. Juni liefert die nächste Wegmarke.

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