Silber Preis: Sprung auf 63,79 Dollar
Silber schließt mit kräftigem Tagesgewinn bei 63,79 US-Dollar. Schwache US-Arbeitsmarktdaten und ein strukturelles Angebotsdefizit stützen die Erholung.

- Silberpreis steigt um 3,25 Prozent
- US-Arbeitsmarkt enttäuscht deutlich
- Angebotsdefizit bleibt strukturelle Stütze
- Erholung nach Monaten extremer Schwankungen
Der Silberpreis hat am Freitag kräftig zugelegt und schloss bei 63,79 US-Dollar, ein Plus von 3,25 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht summiert sich die Erholung auf 10,41 Prozent. Die Rally kommt nach Monaten extremer Schwankungen, die das Edelmetall von einem Rekordhoch bis in tiefe Korrekturzonen und wieder zurück geführt haben.
Ein Jahr der Extreme
Der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Im Januar hatte der Silberpreis mit rund 121 US-Dollar pro Unze ein Rekordhoch markiert, bevor eine heftige Korrektur einsetzte. Bereits Mitte Mai lag das Metall nach einem Rücksetzer von über neun Prozent binnen eines Handelstages fast ein Drittel unter diesem Hoch. Die Bank UBS reagierte auf die Turbulenzen und senkte ihr Kursziel für Ende 2026 auf 80 US-Dollar. Im Juni verschärfte sich die Lage weiter: Der Preis fiel unter die Marke von 62 US-Dollar, was mehrere chinesische Banken zu drastischen Reaktionen zwang. Die Guangfa Bank erhöhte ihre Margenanforderung für Silbergeschäfte auf 140 Prozent, die Bank of China zog auf knapp 120 Prozent nach – ein Zeichen dafür, wie nervös Institute auf die Volatilität des Edelmetalls reagierten.
Auslöser vieler dieser Ausschläge war zeitweise ein drohender Angebotsschock: Peru hatte wegen einer Energiekrise einen Notstand ausgerufen, der die dortige Silberproduktion zu beeinträchtigen drohte. Solche Meldungen trieben den Preis binnen einzelner Handelstage um mehrere Prozentpunkte in beide Richtungen.
Strukturelles Angebotsdefizit stützt die Story
Unter der kurzfristigen Nervosität liegt ein Trend, der Silber-Anlegern seit Jahren Rückenwind gibt. Der Silver Institute rechnet für 2026 mit dem sechsten aufeinanderfolgenden Jahr eines globalen Angebotsdefizits, wobei sich die Lücke um 15 Prozent ausweiten soll. Die Bank HSBC bezifferte das erwartete Versorgungsdefizit für 2026 auf 73 Millionen Unzen. Im Mai war zudem das Gold-Silber-Ratio unter die Marke von 55 gefallen – ein Signal, dass Silber im Vergleich zu Gold an relativer Stärke gewinnt, wenn spekulatives Kapital in Industriemetalle mit begrenztem Angebot fließt.
Diese strukturelle Knappheit erklärt, warum institutionelle Häuser trotz der scharfen Korrekturen an mittelfristig steigenden Preisen festhalten, auch wenn kurzfristige Volatilität Anleger immer wieder verschreckt hat.
Schwache US-Jobdaten als jüngster Impuls
Den aktuellen Schub erhielt der Silberpreis von der amerikanischen Konjunktur. Der US-Arbeitsmarktbericht für Juli enttäuschte deutlich: Die Wirtschaft verlor überraschend 23.000 Stellen, während Ökonomen ein Plus erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 Prozent, getrieben auch von einer sinkenden Erwerbsbeteiligung. Am Markt wurden Erwartungen auf eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank daraufhin zurückgenommen, der Blick richtet sich nun auf die Inflationsdaten der kommenden Woche.
Schwächere Wachstumssignale und eine zurückhaltendere Fed-Politik gelten traditionell als günstig für zinslose Anlagen wie Silber, weil die Opportunitätskosten des Haltens sinken. Genau dieser Mechanismus dürfte hinter der jüngsten Erholung stehen.
Für Anleger bleibt das Bild zweigeteilt: Die kurzfristige Erholung ist real und spürbar, doch die Erinnerung an die Verwerfungen der vergangenen Monate – Margenanhebungen, Angebotsschocks und ein Kurssturz von mehr als 40 US-Dollar seit Jahresbeginn – dürfte die Nervosität am Markt vorerst nicht verschwinden lassen.
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