Silber Preis: Über 4 Prozent auf 62,03 Dollar
Silber steigt auf 62,03 US-Dollar, obwohl Anleger ETF-Anteile abstoßen. Schwache US-Daten und geopolitische Entspannung treiben den Preis.

- Silberpreis steigt um vier Prozent
- ETF-Abflüsse seit fünf Tagen
- US-Arbeitsmarktdaten schwächen Dollar
- Angebotslücke bleibt strukturell bestehen
Große Anleger verkaufen Silber. Der Preis steigt trotzdem. Diese Divergenz prägt den Handel am Mittwoch, dem 5. August 2026.
Silber legt um über 4 Prozent zu und erreicht rund 62,03 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit sechs Wochen. Der Sprung über die Marke von 60 US-Dollar fällt in eine Phase, in der institutionelle Investoren ihre ETF-Bestände abbauen – während schwache US-Daten und geopolitische Entspannung den Kurs treiben.
ETFs verkaufen, der Preis steigt trotzdem
Silber-ETFs verzeichnen bereits den fünften Tag in Folge Abflüsse. Allein in der jüngsten Sitzung fließen rund 5,1 Millionen Feinunzen ab. Seit Jahresbeginn 2026 summieren sich die Nettoverkäufe auf fast 29 Millionen Unzen.
Marktbeobachter erklären das mit Gewinnmitnahmen großer Adressen. Im Januar hatte Silber ein Rekordhoch von über 121 US-Dollar markiert – die aktuellen Verkäufe folgen auf diese Rallye.
Die private Nachfrage zeigt ein anderes Bild. Der Kauf von Münzen und Barren steigt laut Branchendaten um etwa 18 Prozent. Zusammen mit spekulativen Käufen erzeugt das den Aufwärtsdruck, der den Kurs über die 60-Dollar-Marke hebt.
Zwei Nachrichten treiben den Kurs
Zwei Entwicklungen aus den letzten 48 Stunden bewegen den Silberpreis unmittelbar. Die USA melden schwächer als erwartete Arbeitsmarktdaten. Das dämpft Inflationssorgen und nährt Spekulationen auf eine lockerere Fed-Politik. Der US-Dollar gerät unter Druck, Edelmetalle profitieren.
Parallel dazu senden Signale aus dem Konflikt um die Straße von Hormus Entspannung. Eine mögliche Wiedereröffnung dieser wichtigen Schifffahrtsroute drückt die Risikoaufschläge bei Öl. Silber fungiert sowohl als Inflationsschutz als auch als Industriemetall. Es profitiert daher gleich doppelt von der Beruhigung an den Rohstoffmärkten.
Das strukturelle Defizit bleibt
Kurzfristige Schwankungen ändern nichts an der angespannten Versorgungslage. Für 2026 erwarten Experten das sechste globale Marktdefizit in Folge. Die Angebotslücke liegt aktuell bei rund 46,3 Millionen Unzen – niedriger als ursprünglich befürchtete 67 Millionen Unzen, aber weiterhin real.
Das Angebot kann kaum auf Preisanstiege reagieren. Der Grund: Rund 74 Prozent des weltweiten Silbers fallen als Nebenprodukt bei der Förderung von Kupfer, Blei, Zink und Gold an. Minenbetreiber steuern die Produktion also nicht primär über den Silberpreis.
Auf der Nachfrageseite dominiert die Industrie mit einem Anteil von 57 bis 59 Prozent am Gesamtverbrauch. Elektromobilität, KI-Hardware und Solartechnik treiben den Verbrauch. Die Solarindustrie versucht zwar, den Silberanteil in Zellen zu senken – bislang ohne den Gesamtbedarf zu bremsen.
Was die Ratio und die Charttechnik zeigen
Die Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei etwa 68 bis 70. Der langfristige historische Durchschnitt liegt bei rund 60. Einige Marktteilnehmer lesen daraus eine relative Unterbewertung von Silber gegenüber Gold.
Charttechnisch notiert der RSI bei etwa 55 Punkten – neutral bis leicht bullisch. Kurzfristige Oszillatoren zeigten in den Tagen zuvor einen überverkauften Zustand. Das begünstigte die aktuelle Erholung.
Der nächste Widerstand liegt bei 63,10 US-Dollar. Ob der Kurs diese Marke überwindet, hängt maßgeblich davon ab, ob die physische Nachfrage die ETF-Abflüsse weiter kompensieren kann.
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