Silber Preis: Warsh-Rede drückt Silber

Silber gibt nach einer restriktiven Fed-Rede deutlich nach. Höhere US-Zinserwartungen belasten das Edelmetall trotz geopolitischer Spannungen.

Die Kernpunkte:
  • Silber verliert 4,2 Prozent
  • September-Zinserhöhung fast 60 Prozent wahrscheinlich
  • Iran-Konflikt stützt Edelmetalle grundsätzlich
  • Abstand zum 52-Wochen-Hoch bleibt groß

Silber schließt am Freitag bei 67,09 US-Dollar je Feinunze und verliert damit 4,2 Prozent an einem einzigen Handelstag. Auslöser ist eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh, der signalisiert, die Notenbank müsse bei der Inflationsbekämpfung nachlegen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September springt in der Folge von rund 30 auf fast 60 Prozent.

Zinserwartungen drehen den Markt

Warsh begründet seine restriktive Haltung mit einer PCE-Inflation von 3,7 Prozent bei einem Notenbankziel von 2 Prozent. Der Sechs-Monats-Durchschnitt liegt laut Fed-Vertreter Waller sogar bei 4,1 Prozent.

Für zinslose Anlagen wie Silber und Gold ist das Gift: Je höher die erwartete Rendite von Anleihen, desto unattraktiver werden Edelmetalle im Vergleich. Der Dollar profitiert von der neuen Zinsfantasie und nähert sich einem Zwei-Wochen-Hoch, was Silber zusätzlich unter Druck setzt.

Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die die Markterwartung für übertrieben halten. Analysten verweisen darauf, dass die tatsächliche Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei rund 58 statt der zunächstpreiseingepreisten 90 Prozent liege – der sogenannte Debasement-Trade, also die Flucht in reale Werte angesichts einer expandierenden Geldbasis, bleibe intakt. Das würde für eine Gegenbewegung sprechen, sobald sich die Zinserwartungen wieder normalisieren.

Geopolitik als Gegengewicht

Parallel zur Zinsdebatte sorgt die Eskalation zwischen den USA und dem Iran für Nervosität an den Rohstoffmärkten. Nach einem US-Angriff auf iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak reagiert Teheran mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien.

Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus ist auf nur noch fünf Frachter pro Tag gesunken, US-Finanzminister Bessent kündigt wöchentlich neue Sekundärsanktionen gegen iranische Banken an. Der Brent-Ölpreis durchbricht in der Folge die Marke von 90 US-Dollar.

Diese geopolitische Risikoprämie stützt Edelmetalle grundsätzlich als Absicherung, kann den Abwärtsdruck durch die Zinsdebatte aber am Freitag nicht ausgleichen. Für Silber ergibt sich damit ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite treibt die Nahost-Krise sichere Häfen an, auf der anderen Seite drückt die Aussicht auf höhere US-Zinsen die Attraktivität zinsloser Anlagen.

Charttechnisches Bild bleibt angespannt

Trotz des Rücksetzers notiert Silber noch immer 65 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 40,55 US-Dollar, das Anfang September vergangenen Jahres markiert wurde. Zum 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar aus dem Januar besteht dagegen ein Abstand von 45 Prozent – die jüngste Korrektur hat also deutliche Spuren hinterlassen, ohne den langfristigen Aufwärtstrend seit dem Tief komplett zu kippen.

Für die kommenden Handelstage dürfte entscheidend sein, ob sich die Zinserwartungen für September weiter verfestigen oder ob die Fed-kritischen Stimmen recht behalten, die von einer überzogenen Markterwartung sprechen. Bis zur nächsten geldpolitischen Entscheidung bleibt Silber damit ein Spielball zwischen Zinsangst und geopolitischer Risikoprämie.

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