Silber Preis: Widerstand bei 70,02 Dollar
Silber nähert sich der kritischen Marke von 70 US-Dollar. Analysten sehen bei einem Ausbruch Kurspotenzial, während die Prognosen stark divergieren.

- Silberkurs steigt auf 69 Dollar
- Widerstandszone bei 70 Dollar
- Prognosen zwischen 63 und 100 Dollar
- Solarnachfrage sinkt um 19 Prozent
Silber steht kurz vor einer wichtigen charttechnischen Marke. Am Freitag schloss der Preis bei 69,01 US-Dollar, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Über sieben Tage summiert sich der Anstieg auf 6,5 Prozent, über 30 Tage auf 15 Prozent. Damit bewegt sich das Edelmetall exakt in jener Zone, die Analysten als entscheidend für den weiteren Kursverlauf einstufen.
Ausbruch über 70 Dollar als Schlüsselmarke
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern verläuft der zentrale Widerstand zwischen 69,98 und 70,02 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Zone würde den Weg zu weiteren Kurszielen bei 72,50, 75 und schließlich 76,95 US-Dollar öffnen. Genau an dieser Schwelle bewegt sich der Silberpreis derzeit, was die kommenden Handelstage zu einem wichtigen Test macht.
Die Bandbreite der Prognosen unter den großen Häusern fällt ungewöhnlich weit auseinander. Citi sieht binnen sechs bis zwölf Monaten ein Kursziel von 90 US-Dollar, während J.P. Morgan für das vierte Quartal 2026 lediglich 63 US-Dollar erwartet.
Dazwischen liegen Commerzbank mit 67 US-Dollar bis Jahresende, UBS mit 80 US-Dollar und Bank of America, die kurzfristig 75 US-Dollar für möglich hält und ein Szenario bis 100 US-Dollar nicht ausschließt. Der Median der von Reuters befragten Analysten liegt für 2026 bei 71,90 US-Dollar.
Angebotsdefizit trifft auf schwächere Solar-Nachfrage
Fundamental bleibt die Angebotslage angespannt. Für 2026 wird ein Defizit von 46,3 Millionen Unzen erwartet, während die Recyclingmengen auf über 200 Millionen Unzen steigen sollen. Die industrielle Nachfrage lag 2025 bei 657,4 Millionen Unzen.
Bemerkenswert ist ein Rückgang der Solarnachfrage für 2026 auf 151 Millionen Unzen, ein Minus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr — ein Kontrapunkt zur sonst dominierenden Erzählung eines strukturellen Nachfrageüberhangs aus der Photovoltaik-Industrie.
Getrieben wird die aktuelle Kursstärke maßgeblich von geldpolitischen Faktoren. Das US-Finanzministerium hat sein Rückkaufvolumen für langlaufende Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen zehn und 30 Jahren auf mindestens vier Milliarden US-Dollar pro Transaktion verdoppelt, zusätzlich zu 14 Milliarden US-Dollar im laufenden Quartal.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinssenkung im September wird derzeit auf 36 Prozent taxiert. Diese Kombination aus steigender Liquidität und potenziell sinkenden Zinsen gilt als klassischer Rückenwind für zinslose Anlagen wie Edelmetalle.
Charttechnisches Bild bleibt konstruktiv
Aus technischer Sicht notiert der Silberpreis derzeit 13 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 60,81 US-Dollar, was die kurzfristige Aufwärtsdynamik unterstreicht. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 121,78 US-Dollar, erreicht Ende Januar, fehlen jedoch weiterhin 43 Prozent — ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Rally noch erheblicher Spielraum zu früheren Höchstständen besteht.
Die Streuung der Kursziele zwischen 63 und 100 US-Dollar zeigt, wie unterschiedlich die großen Häuser das Zusammenspiel aus geldpolitischen Impulsen, physischem Angebotsdefizit und schwankender Industrienachfrage gewichten. Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob der Widerstand um 70 US-Dollar in den kommenden Tagen fällt oder den Vormarsch vorerst stoppt.
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