Silber Preis: Zinsfantasie bremst weiter?

Restriktive US-Zinserwartungen belasten Silber, während UBS und Industriebedarf mittelfristig für Unterstützung sprechen.

Die Kernpunkte:
  • Silber notiert 53 Prozent unter dem Hoch
  • UBS prognostiziert 70 Dollar für Dezember 2026
  • Industrie verbraucht rund die Hälfte des Silbers
  • Russland plant Edelmetallkäufe für Reserven

Straffere Geldpolitik dämpft Anlegerinteresse

Die Aussicht auf eine anhaltend restriktive US-Geldpolitik lastet schwer auf dem Edelmetallsektor.

Während für den laufenden Monat an den Märkten überwiegend mit einer Zinspause gerechnet wird, trüben die Zinsaussichten für das Jahresende das Marktumfeld ein. Am Freitag ging der Silberpreis bei 57,13 USD je Feinunze aus dem Handel.

Höhere Leitzinsen stärken typischerweise die Renditen festverzinslicher Wertpapiere und erhöhen damit die Opportunitätskosten für das Halten unverzinslicher Rohstoffe. Zudem verleiht die straffe geldpolitische Linie dem US-Dollar anhaltenden Auftrieb, was in US-Dollar denominierte Edelmetalle für internationale Investoren zusätzlich verteuert.

Deutlicher Rücksetzer nach Rekordlauf

Mit der jüngsten Schwächephase setzt sich die Konsolidierung beim weißen Metall fort. Ausgehend vom 52-Wochen-Hoch bei 121,78 USD verzeichnet Silber mittlerweile einen Abstand von minus 53 Prozent. Der Einbruch gegenüber den Spitzenwerten spiegelt den Stimmungsumschwung an den Terminmärkten wider, nachdem spekulatives Momentum den Kurs Anfang des Jahres auf ein Rekordniveau getrieben hatte.

Ole Hansen, Strategiechef der Saxo Bank, sieht Gold und Silber kurzfristig in einem schwierigen Umfeld gefangen. Er verweist auf den Gegenwind durch die Zinsfantasie sowie auf anhaltende Mittelabflüsse aus börsengehandelten Fonds. Nach Hansens Einschätzung dürfte die Schwächephase anhalten, bis der Zinsdruck spürbar nachlässt, wenngleich sich bei einzelnen Belastungsfaktoren bereits erste Entspannungstendenzen abzeichnen.

Langfristige Kursziele und physische Nachfrage

Mittelfristig rechnen einige Marktbeobachter dennoch mit einer Trendwende. Die Analysten der UBS halten an konstruktiven Szenarien fest und prognostizieren für Dezember 2026 einen Silberpreis von 70 US-Dollar je Unze. Für das Jahr 2027 erwartet die Schweizer Großbank weitere Zuwächse auf 75 US-Dollar im ersten Halbjahr sowie 80 US-Dollar im September.

Gestützt wird diese Erwartung durch die Verfassung des physischen Marktes, in dem gewerbliche Verbraucher das Fundament bilden. Rund die Hälfte des weltweiten Silberbedarfs entfällt auf die verarbeitende Industrie, was dem Metall im Vergleich zu rein monetären Wertaufbewahrungsmitteln eine eigenständige Stütze verleiht.

Zusätzliche Impulse könnten von staatlicher Seite ausgehen. Russland signalisierte in seinen Haushaltsplanungen für die Jahre 2025 bis 2027 Absichten, Silber und weitere Edelmetalle im Gesamtwert von knapp 535 Millionen US-Dollar für staatliche Reserven zu erwerben. Parallel dazu prognostiziert das Silver Institute für 2026 eine weltweite Nachfrage von rund 1,11 Milliarden Unzen, womit der Markt weiterhin vor einem Angebotsdefizit steht.

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