Silber: Survey enthüllt sechstes Defizitjahr

Der Silbermarkt verzeichnet laut World Silver Survey 2026 das sechste Defizitjahr in Folge. Geopolitische Verhandlungen und eine schwächelnde Industrienachfrage bei starkem Anlegerinteresse prägen die Lage.

Die Kernpunkte:
  • Sechstes strukturelles Marktdefizit in Folge
  • Industrienachfrage sinkt, physische Anlegerkäufe steigen
  • Geopolitische Verhandlungen beeinflussen Kursschwankungen
  • Silberpreis zeigt starkes Plus auf Jahressicht

Silber erholt sich am Mittwoch über 79 US-Dollar je Feinunze — und das nach einem Anstieg von mehr als 5 Prozent am Vortag. Hinter der Bewegung stecken zwei Kräfte, die sich heute überlagern: geopolitische Hoffnung und ein strukturelles Marktdefizit, das sich hartnäckig fortsetzt.

Diplomatie bewegt den Preis

Washington und Teheran arbeiten an einem zweiten Verhandlungstermin. Die erste Gesprächsrunde in Islamabad war nach 21 Stunden gescheitert — und hatte den Silberpreis prompt unter Druck gesetzt. Investoren flohen in den US-Dollar. Jetzt dreht sich die Stimmung: Iran erwägt eine vorübergehende Aussetzung der Hormuz-Durchfahrt, um ein Abkommen zu ermöglichen.

Das Ergebnis ist ein schwächerer Dollar. Der Dollar-Index fiel auf ein Sechswochentief. Rohöl rutschte unter 90 US-Dollar je Barrel. Beides stärkt Edelmetalle — Silber reagiert auf diesen Mechanismus besonders sensibel.

World Silver Survey: Defizit bleibt, Nachfrage verschiebt sich

Das Silver Institute veröffentlicht heute seinen World Silver Survey 2026. Das Fazit: Der Markt steuert auf sein sechstes Defizitjahr in Folge zu. Oberirdische Lagerbestände müssen erneut abgebaut werden, um die Lücke zu schließen.

Die Nachfrage zeigt dabei eine klare Zweiteilung:

  • Industrielle Verarbeitung: sinkt um 2 Prozent auf rund 650 Millionen Unzen — ein Vierjahrestief, geprägt durch den Photovoltaiksektor
  • Barren und Münzen: steigen um 20 Prozent auf 227 Millionen Unzen — ein Dreijahreshoch, getrieben von westlichen Anlegern
  • Minenproduktion: wächst um 1 Prozent auf 820 Millionen Unzen, die Gesamtproduktion erreicht 1,05 Milliarden Unzen — den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt

Das Angebot wächst also, reicht aber nicht aus. Das Defizit bleibt.

Jahresbilanz trotz Rücksetzer beeindruckend

Im vergangenen Monat verlor Silber rund 1,6 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von rund 142 Prozent. Das Allzeithoch von 121,64 US-Dollar datiert vom 29. Januar 2026.

Seitdem bestimmt ein Dreigestirn den Takt: geopolitische Signale, Fed-Erwartungen und physische Marktknappheit. Ob die Hormuz-Verhandlungen in den nächsten Tagen zu einer konkreten Einigung führen, entscheidet kurzfristig darüber, ob der Silberpreis die 80-Dollar-Marke zurückerobert oder erneut nachgibt.

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