Silber: UBS senkt Defizitprognose um 77 Prozent

Geopolitische Spannungen und Zinserwartungen halten den Silberpreis in der Schwebe. UBS senkt Prognose für das Angebotsdefizit deutlich.

Die Kernpunkte:
  • Diplomatie um Hormus als Preistreiber
  • Fed-Zinserwartungen belasten das Edelmetall
  • UBS korrigiert Defizitprognose nach unten
  • US-Arbeitsmarktbericht als nächster Impulsgeber

Über 117 Prozent Jahresplus — und trotzdem hält sich Silber nur knapp über der 75-Dollar-Marke. Der Grund: Geopolitik und Fed-Erwartungen ziehen das Metall in entgegengesetzte Richtungen.

Hormuz als Schlüsselfaktor

Die Straße von Hormuz bleibt das zentrale Thema. Washington und Teheran tauschten über das Wochenende Entwürfe für eine verlängerte Waffenruhe aus. Ob eine Einigung greifbar ist, blieb unklar. US-Präsident Trump besteht auf einem Ende des iranischen Nuklearprogramms und der vollständigen Öffnung der Meerenge.

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Israel marschiert derweil weiter in den Libanon — trotz einer vor mehr als sechs Wochen angekündigten Waffenruhe. Der Vorstoß belastet frühere diplomatische Fortschritte spürbar.

Berichten zufolge zeigte sich der Iran bereit, maritime Minen innerhalb von 30 Tagen nach einer Waffenruhe zu räumen. Das würde den Schiffsverkehr durch Hormuz erleichtern. Niedrigere Energiepreise könnten die Inflationssorgen dämpfen — und damit die Erwartungen an eine lockerere Fed stützen.

Fed und Inflation als Gegenwind

Genau hier liegt das Dilemma. Die US-Inflationsdaten für April zeigten den stärksten Anstieg seit drei Jahren. Das festigt die Erwartung, dass die Fed die Zinsen bis weit ins Jahr 2027 nicht senkt.

Silber wirft keine Zinsen ab. Steigen die Zinserwartungen, wird das Halten des Metalls relativ teurer. Gleichzeitig stützt Nachfrage nach sicheren Häfen den Preis. Beide Kräfte halten sich derzeit die Waage — kein Wunder, dass der Markt kaum vom Fleck kommt.

UBS senkt Defizit-Prognose deutlich

UBS hat seine Prognose für das Silber-Angebotsdefizit von 300 Millionen Unzen auf 60 bis 70 Millionen Unzen gekürzt. Die erwartete Investitionsnachfrage für das Gesamtjahr sank von über 400 Millionen auf 300 Millionen Unzen.

Das ist eine erhebliche Korrektur. Sie zeigt, dass das bullische Fundament, auf dem der Jahresanstieg aufbaute, fragiler geworden ist.

Jobsdaten als nächster Impuls

Den kurzfristigen Takt gibt nun der US-Arbeitsmarktbericht vor, der diese Woche erscheint. Starke Beschäftigungszahlen würden den Dollar stützen und Silber belasten. Schwache Zahlen könnten Erholungsspielraum öffnen.

Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 59 — erholt von einem Tief bei 43. Marktbeobachter ordnen diesen Bereich als neutral bis leicht silberfavorisierend ein. Ob das reicht, um nach dem Jobsbericht neue Impulse zu setzen, hängt stark davon ab, wie sich die Hormuz-Verhandlungen bis Freitag entwickeln.

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