Siltronic: Schiesst die Rallye über das Ziel hinaus?

Der Kursaufschwung von Siltronic scheint kein Limit zu kennen. Seit dem Sommer letzten Jahres steigt die Aktie des Wafer-Produzenten nahezu unaufhörlich und konnte in diesem Zeitraum ihren Wert mehr als verdreifachen. Stellt die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann.

© Siltronic

Dass die Wacker-Chemie-Tochter Siltronic derart von den Anlegern hofiert wird, liegt besonders an zwei Aspekten. Zum einen konnte das Unternehmen mit kräftigen Wachstumsraten im operativen Geschäft glänzen. So hatte man erst kürzlich bekannt gegeben, dass der operative Gewinn (EBIT) im vergangenen Jahr von zuvor 3 Millionen Euro auf 27 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Allein im letzten Quartal 2016 konnte die operative Marge auf 20 % verdoppelt werden.

Bleibt Siltronic tatsächlich ein Übernahmeziel?

Zum anderen treibt eine dauerhafte Übernahmespekulation den Kurs. Stichwortgeber hier der Noch-Großaktionär Wacker Chemie, der 58 % hält. Das Unternehmen hatte bereits mehrfach darüber gesprochen, Anteile abgeben zu wollen und nur noch eine Minderheit-Beteiligung anzustreben. Als Wunsch-Ziel eines möglichen Verkaufs gilt dabei China.

Doch nach den Bewertungsaufschlägen des letzten halben Jahres muss die Frage gestellt werden, ob chinesische Unternehmen überhaupt noch interessiert sein könnten. Denn mit einem geschätzten KGV von 24 für dieses Jahr bietet Siltronic gegenüber seiner Peer Group keinen Bewertungsvorteil mehr. Allenfalls beim Kurs-Cashflow-Verhältnis liefert das Unternehmen bessere Zahlen als der Durchschnitt (9 versus 26) ab.

Risiko Amerika

Aber bei einer Übernahmespekulation ginge es nicht nur allein um Bewertungsfragen. Denn im Fall eines Übernahmeangebotes dürfte wohl erneut Amerika querschießen. Denn vom Ansatz her ist Siltronic durchaus mit Thematiken wie Aixtron oder Infineon vergleichbar. Das wissen auch die chinesischen Investoren, die sich erkennbar aus Technologiebereichen zurückziehen und lieber in anderen Sektoren, wie z. B. die Finanzbranche, stärker investieren.

Und auch bei der Wachstumsfantasie von Siltronic muss man wohl Augenmaß behalten. Denn nach den starken Zahlen des letzten Jahres ist zwar eine weiterhin positive Entwicklung zu erwarten, die aber womöglich nicht mehr ganz so dynamisch auftritt. Das könnte am Ende bei vielen Anlegern die Einsicht bringen, dass die positiven Perspektiven dieses Jahres bereits ausreichend in der Aktie eingepreist wurden.

Unter dem Strich wächst also das Risiko mindestens einer Zwischenkorrektur, wobei wir aus charttechnischer Sicht erneut die 50-Tage-Linie als Referenzpunkt ansehen. Vom aktuellen Kursstand aus wäre dies immerhin ein Rückschlagspotenzial von derzeit fast 20 %.

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