Sivers: 6,6 Millionen für EW-STAR-Projekt

Ein neuer Auftrag für ein Verteidigungsprojekt beschert Sivers Semiconductors einen Kurssprung, während Bilanzkorrekturen und eine Insider-Ermittlung die Euphorie dämpfen.

Die Kernpunkte:
  • Fast 50 Prozent Kursplus in zwei Tagen
  • 6,6 Millionen Dollar für EW-STAR-Projekt
  • Bilanzkorrekturen für US-Listing
  • Insider-Ermittlung belastet Stimmung

Rüstungsfantasie treibt Sivers Semiconductors an — und das in einem Moment, in dem der Konzern auch heikle Themen auf dem Tisch hat. Die Aktie legte früher in dieser Woche innerhalb von zwei Handelstagen um fast 50 Prozent zu. Auslöser ist eine neue Finanzierung für ein Verteidigungsprojekt. Hinter der Rally stehen aber auch Bilanzkorrekturen und eine laufende Insider-Ermittlung.

Verteidigungsauftrag befeuert die Aktie

Sivers Semiconductors erhält für das zweite Jahr seines EW-STAR-Projekts eine Verlängerung über 6,6 Millionen US-Dollar. Die Mittel kommen vom Northeast Microelectronics Coalition Hub im Rahmen des Microelectronics-Commons-Programms.

Das Projekt zielt auf breitbandige Antennenarray-Technologien. Sie sollen gleichzeitiges Senden und Empfangen ermöglichen — ein zentraler Baustein für elektronische Kriegsführung, Kommunikation und Radar. Genau diese Schnittstelle macht die Nachricht für den Markt interessant.

Sivers arbeitet dabei nicht allein. Zu den Partnern zählen BAE Systems, das MIT Lincoln Laboratory und die Columbia University. Das erhöht die Sichtbarkeit des Projekts und stärkt die Rolle des Unternehmens in sicherheitsrelevanten Mikroelektronik-Anwendungen.

Hinzu kommt ein zweiter Aspekt: Die Technologie ist nicht auf den militärischen Bereich beschränkt. Auch kommerzielle Anwendungen sind möglich. Damit passt das Projekt zu Sivers’ breiterem Profil in Photonik, mmWave-Technologie, Satellitenkommunikation und Anwendungen für KI-Rechenzentren.

Bilanzkorrekturen bremsen die Euphorie

Der Kurssprung fällt in eine Phase, in der Sivers seine Zahlen neu geordnet hat. Im Geschäftsbericht für 2025 wurden zuvor gemeldete Finanzwerte für 2024 und 2025 angepasst. Ziel ist die Ausrichtung der Konzernabschlüsse an den Standards des US Public Company Accounting Oversight Board.

Dieser Schritt hängt mit der Prüfung eines möglichen Zweitlistings an der Nasdaq in New York zusammen. Für ein kleineres Technologieunternehmen kann ein solcher Schritt neue Investorenkreise erschließen. Er bringt aber auch höhere Transparenzanforderungen und mehr Prüfungsaufwand.

Die Anpassungen fallen spürbar aus. Der Nettoverlust für 2025 wurde auf rund 222,6 Millionen schwedische Kronen ausgeweitet, zuvor waren etwa 186,5 Millionen Kronen gemeldet worden. Das operative Ergebnis verschlechterte sich ebenfalls.

Hier stieg der Verlust auf rund 178 Millionen schwedische Kronen, nach zuvor etwa 141 Millionen Kronen. Der Umsatz lag bei rund 307 Millionen Kronen. Das zeigt: Die Technologie-Story ist intakt, die Profitabilität bleibt aber ein offenes Thema.

Nasdaq-Pläne unter Beobachtung

Zusätzliche Brisanz bringt eine Untersuchung in Schweden. Die schwedische Behörde für Wirtschaftskriminalität prüft möglichen Insiderhandel im Zusammenhang mit der vorzeitigen Bekanntmachung der Nasdaq-Pläne.

Im Zentrum steht ein anonymer Social-Media-Beitrag, der rund 48 Stunden vor der offiziellen Mitteilung aufgetaucht sein soll. Für den Kapitalmarkt ist das sensibel. Gerade bei kleineren Wachstumswerten können solche Hinweise starke Kursbewegungen auslösen.

Auch der Finanzkalender verschiebt sich. Sivers hat die Veröffentlichung des Zwischenberichts für das erste Quartal 2026 auf den 29. Mai 2026 verlegt. Als Grund nennt das Unternehmen laufende Prüfungsarbeiten im Zusammenhang mit dem möglichen Nasdaq-Listing.

Damit bleibt die Aktie kurzfristig von zwei Kräften geprägt: Die neue Verteidigungsfinanzierung liefert operativen Rückenwind, die Bilanzanpassungen und die Untersuchung sorgen für Unsicherheit. Am 29. Mai rücken die frischen Quartalszahlen in den Vordergrund — dann zeigt sich, wie viel Substanz hinter dem jüngsten Kurssprung steckt.

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