Sivers Semiconductors Aktie: 11-Prozent-Sturz nach Q2-Zahlen

Sivers Semiconductors verzeichnet im zweiten Quartal weniger Umsatz und einen höheren Verlust, während Produktgeschäft und Pipeline zulegen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert elf Prozent
  • Umsatz sinkt auf 53,8 Millionen Kronen
  • Produktumsätze steigen um 18 Prozent
  • Wandeldarlehen wird zu Eigenkapital

Sivers Semiconductors hat am heutigen Donnerstag Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt – und der Markt reagiert mit deutlichem Ausverkauf. Die Aktie fällt um 11 Prozent und notiert bei 2,97 Euro, nach einem Schlusskurs von 3,35 Euro am Vortag. Damit hat sich der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 4,07 Euro auf minus 27 Prozent ausgeweitet.

Umsatzrückgang und ausgeweiteter Verlust belasten

Der Nettoumsatz sank im zweiten Quartal um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 53,8 Millionen schwedische Kronen. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 35,5 Millionen Kronen, der Verlust je Aktie lag bei minus 0,38 Kronen.

Noch deutlicher fiel der operative Verlust aus: Das EBIT verschlechterte sich von minus 40,3 Millionen Kronen im Vorjahresquartal auf minus 116,9 Millionen Kronen. Ein Teil dieser Verschlechterung ist auf eine nicht zahlungswirksame Sonderbuchung für Sozialabgaben in Höhe von 42,9 Millionen Kronen zurückzuführen, die aus dem starken Kursanstieg der Aktie im Quartal resultierte.

Das Unternehmen begründet die schwächeren Zahlen mit einer bewussten Umschichtung der Ressourcen: Statt kundenspezifischer Entwicklungsaufträge (NRE-Aktivitäten) fließen Mittel verstärkt in die Vorbereitung kommender Produktanläufe. Diese Umstellung soll sich laut Unternehmensangaben ab dem vierten Quartal 2026 in den Zahlen niederschlagen und sich 2027 beschleunigen, wenn mehrere Programme in die Serienproduktion übergehen.

Wachstum im Produktgeschäft und wachsende Pipeline

Gegen den negativen Trend bei den Gesamtzahlen steht ein deutliches Plus im Produktgeschäft: Die Produktumsätze legten im Jahresvergleich um 18 Prozent zu.

Zudem wuchs die Auftrags- und Chancenpipeline des Unternehmens auf 1,2 Milliarden US-Dollar im Juli – ein Anstieg von 268 Prozent gegenüber Dezember 2025. Diese Kennzahl dürfte Anlegern als wichtigster Beleg dafür dienen, dass die aktuelle Schwäche strategisch begründet und nicht struktureller Natur ist.

Mehrere operative Meldungen unterstreichen die Fortschritte im Kerngeschäft. Sivers erhielt von ALL.SPACE einen Produktionsauftrag über 8,2 Millionen US-Dollar für Ka-Band-Beamforming-Chips, der einen Produktionshochlauf für 2027 stützt.

Bereits am 13. August hatte das Unternehmen ein Programm mit SemiNex über rund 3,4 Millionen US-Dollar für InP-Lichtquellen der nächsten Generation bekanntgegeben, die für die Verkabelung von KI-Rechenzentren benötigt werden. Ergänzend kündigte Sivers eine strategische Zusammenarbeit mit GlobalFoundries zur Entwicklung von Silizium-Photonik-Lösungen für die KI-Infrastruktur an.

Wandeldarlehen wird in Kapital umgewandelt

Parallel zu den Quartalszahlen teilte Sivers mit, dass der Kreditgeber Bootstrap Europe sein Wandlungsrecht aus dem bestehenden Wandeldarlehen ausgeübt hat. Der Kredit über 12 Millionen US-Dollar wird dadurch in Eigenkapital umgewandelt – eine Maßnahme, die die Bilanzstruktur verändert, ohne dass frisches Fremdkapital zurückgezahlt werden muss.

Auf Insiderseite zeigte sich zuletzt ein gemischtes Bild: CEO Vickram Vathulya hatte im Juli 70.000 weitere Aktien erworben und hält damit gut 4,5 Millionen Anteile. Verwaltungsratsvorsitzender Bami Bastani hatte im selben Zeitraum 275.000 Aktien verkauft sowie weitere Stücke verschenkt und gespendet.

Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob die strategische Umschichtung der Ressourcen die kurzfristige Schwäche rechtfertigt. Die stark gewachsene Auftragspipeline und die neuen Produktionsverträge liefern dafür Argumente – die Kursreaktion vom heutigen Tag zeigt jedoch, dass der Markt zunächst die schwächeren Ist-Zahlen stärker gewichtet als die in Aussicht gestellten Effekte für 2027.

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