Sivers Semiconductors Aktie: 18,34 Prozent Rebound

Sivers Semiconductors schließt Kapitalerhöhung ab und erhält Kurszielanhebungen. Analysten loben die Konditionen, während der Aktienkurs weiter schwankt.

Die Kernpunkte:
  • Kapitalerhöhung bringt 700 Millionen Kronen
  • Redeye hebt Kursziel und Rating an
  • Insider durch Lock-up bis Juli gebunden
  • Hohe Volatilität bleibt bestehen

Ein Kursplus von über 18 Prozent an einem einzigen Tag – und trotzdem steht am Ende der Woche ein sattes Minus. Bei Sivers Semiconductors zeigt sich gerade, wie weit Analystenmeinung und Marktrealität auseinanderklaffen können. Die schwedische Photonik- und mmWave-Chipschmiede schloss am Freitag bei 5,20 Euro, ein Plus von 18,34 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht bleibt trotzdem ein Rückgang von 11,86 Prozent, auf Monatssicht sogar von 37,72 Prozent.

Der Auslöser für den Freitagssprung: eine erfolgreich abgeschlossene Kapitalerhöhung und eine kräftige Kurszielanhebung durch das Analysehaus Redeye.

Kapitalerhöhung mit moderater Verwässerung

Sivers hat am 1. Juli eine gerichtete Aktienplatzierung abgeschlossen. Der Verwaltungsrat gab 12.280.701 neue Stammaktien aus und nahm damit rund 700 Millionen schwedische Kronen ein. Der Zeichnungspreis lag bei 57 Kronen je Aktie, platziert über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren.

Die Nachfrage übertraf das Angebot deutlich. Sowohl neue als auch bestehende institutionelle Investoren aus Schweden und dem Ausland beteiligten sich an der Platzierung. Nach dem Closing lag die Gesamtzahl der Aktien bei 319.953.572 – identisch mit der Stimmenzahl.

Laut Berechnungen von Redeye beträgt die Verwässerung aus dieser Runde nur rund 3 Prozent. Im Vergleich zur April-Platzierung ist das ein moderater Wert.

Redeye lobt Kapitaldisziplin, Kurs fällt trotzdem

Redeye reagierte auf die Platzierung mit einer Anhebung der Bewertung. Das Analysehaus hob sein Basisszenario für die Aktie von 6,2 auf 6,8 Kronen an. Gleichzeitig stufte Redeye das Finanzrating des Unternehmens von 2 auf 3 hoch.

Die Begründung: Die Emission sei zu günstigen Konditionen erfolgt, mit einer Verwässerung von lediglich 3,3 Prozent. Das stärke die Bilanz und beseitige das kurzfristige Finanzierungsrisiko praktisch vollständig. Redeye wird deutlich: Das Management habe dies außergewöhnlich gut umgesetzt. 700 Millionen Kronen einzusammeln – vor dem Hintergrund eines deutlichen Kursanstiegs, mit moderater Verwässerung und einem überzeichneten Orderbuch – sei ein Beleg für disziplinierte Kapitalallokation.

Die Analysten senkten zudem ihre geforderte Rendite von 13 auf 12 Prozent. Sie begründen das damit, dass die Kapitalerhöhung wertschaffend für bestehende Aktionäre sei. Auch Northland Capital Markets zieht mit: Die Bank hob ihr Kursziel von 6 auf 8 Kronen an und bestätigte die Einstufung „Outperform“.

Insider bleiben außen vor, Zweifel bleiben bestehen

Trotz der positiven Analystenstimmung rutschte die Aktie in den Wochen zuvor deutlich ab. Von einem möglichen kurzfristigen Rebound können Insider derzeit nicht profitieren. Die Lock-up-Vereinbarungen aus der April-Platzierung laufen noch bis zum 16. Juli.

Betroffen sind Verwaltungsratsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard. Für die neuen Aktien aus der Juli-Runde gelten keine zusätzlichen Sperrfristen.

Marktbeobachter verweisen zudem auf ein ungewöhnliches Risiko jenseits der Finanzierung selbst: Mehrere behördliche Untersuchungen sollen gegen das Unternehmen laufen, Details dazu bleiben unklar. Dieser Unsicherheitsfaktor konnte von der optimistischen Analystenlinie bislang nicht ausgeräumt werden.

CEO Vathulya erklärte, wofür das frische Kapital konkret eingesetzt werden soll. Sivers will proaktiv in Fertigungskapazitäten für Indiumphosphid investieren – notwendig wegen langer Lieferzeiten bei Produktionsanlagen für die Photonik-Sparte. Zusätzlich plant das Unternehmen, seine Feldpräsenz auszubauen, um die wachsende Kundenbasis zu bedienen und Entwicklungszyklen zu verkürzen.

Extreme Schwankungsbreite bleibt bestehen

Der aktuelle Kurs liegt 15,58 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,16 Euro. Gleichzeitig notiert die Aktie weit über ihrem 100-Tage-Durchschnitt von 3,54 Euro – ein Beleg für die extremen Schwankungen der letzten Monate. Das 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro wurde erst am 3. Juni erreicht, das Tief von 0,27 Euro Anfang März.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 213,56 Prozent. Damit zählt Sivers weiterhin zu den schwankungsstärksten Werten im nordischen Small-Cap-Halbleitersegment.

Der nächste Termin mit Signalwirkung: der Quartalsbericht im August. Er wird zeigen, ob das frische Kapital tatsächlich zu schnellerer Umsatzkonversion aus der Auftragspipeline führt. Bis dahin dürfte die Kluft zwischen Redeyes optimistischem Ausblick und der skeptischen Marktbewertung bestehen bleiben.

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