Sivers Semiconductors Aktie: 33 Prozent in sieben Tagen

Ermittlungen, Bilanzrevision und geplatztes Nasdaq-Listing belasten die Sivers-Aktie massiv. Der Kurs verlor über 33 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert über 33 Prozent in sieben Tagen
  • Nasdaq-Listing überraschend zurückgezogen
  • Behörden ermitteln wegen möglichem Insiderhandel
  • Bilanz für 2024 und 2025 revidiert

Innerhalb von sieben Handelstagen hat die Sivers-Semiconductors-Aktie mehr als 33 Prozent verloren. Vom Jahreshoch bei 10,23 Euro Anfang Juni sind noch 5,90 Euro übrig. Hinter dem Absturz steckt kein einzelnes Ereignis — sondern ein Zusammentreffen aus Strafverfolgung, Bilanzkorrektur, Shortseller-Attacke und einem geplatzten Börsenprojekt.

Nasdaq-Listing abgeblasen, Kapitalerhöhung trotzdem beschlossen

Der wichtigste Tagesordnungspunkt der Hauptversammlung vom 15. Juni war die Zulassung von bis zu 53,8 Millionen neuen Aktien für ein Zweitlisting an der Nasdaq. Das entspricht einer Verwässerung von rund 15 Prozent. Kurz vor der Abstimmung zog das Unternehmen den Antrag zurück — mit der Begründung, der neu gewählte Vorstand solle zunächst das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm prüfen.

Die Kapitalerhöhung selbst verabschiedeten die Aktionäre trotzdem. Die Erlöse sollen in Künstliche Intelligenz, Photonik und mögliche Akquisitionen fließen. Einen Zeitplan für das US-Listing gibt es nicht.

Behörden ermitteln, US-Anwälte wittern Klagen

Parallel läuft eine Doppeluntersuchung. Die schwedische Wirtschaftsstaatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht prüfen einen mutmaßlichen Informationsleck: Rund 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung des Nasdaq-Listings veröffentlichte ein anonymes Konto präzise Details dazu — ein klarer Insiderhandels-Verdacht.

Aus den USA kommen weitere Signale. Die Kanzleien Rosen Law Firm und Bronstein, Gewirtz & Grossman prüfen mögliche Aktionärsklagen. Der Vorwurf: Sivers habe der Öffentlichkeit wesentlich irreführende Geschäftsinformationen geliefert. Eine Stellungnahme des Unternehmens zu den Ermittlungen fehlt bislang.

Bilanzkorrektur und Zweifel an der Fortführung

Die Lage wird durch erhebliche Bilanzrevisionen verschärft. Im Zuge der Vorbereitung auf das US-Listing stellte Sivers seine Abschlüsse für 2024 und 2025 auf US-PCAOB-Standards um. Dabei wurden Umsätze zwischen Berichtsperioden umgebucht, Lagerbestände neu bewertet und bereits aktivierte Entwicklungskosten abgeschrieben. Der Nettoverlust für 2025 wurde auf rund 222 Millionen schwedische Kronen revidiert.

Die externen Prüfer äußerten „erhebliche Zweifel“ an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens. Shortseller Ningi Research legte nach und behauptete, mindestens 97 Millionen Kronen des prognostizierten 2025-Umsatzes seien fragwürdig — gebunden an nicht existierende Produkte und zweckentfremdete Forschungsfördergelder. Sivers hat diese Vorwürfe nicht öffentlich bestritten.

Pipeline wächst, Quartalsumsatz bricht ein

Das operative Bild ist gespalten. Die Auftragspipeline wuchs seit Ende 2025 um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 sanken die Nettoerlöse jedoch um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Kronen. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen.

Als Ursachen nennt das Unternehmen den US-Regierungsstillstand im vierten Quartal 2025 sowie verzögerte Verteidigungsbudgets und ungünstige Wechselkurse. Hinzu kommt ein im Juni genehmigtes Wandeldarlehen über rund 327.000 US-Dollar mit einem Zinssatz von 10,85 Prozent jährlich und Laufzeit bis Ende 2029.

Am 6. August 2026 legt Sivers den Quartalsbericht für Q2 vor. Es ist der erste Bericht unter dem neu zusammengesetzten Vorstand — und die erste Gelegenheit, mit konkreten Umsatzzahlen auf die Shortseller-Vorwürfe zu antworten.

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