Sivers Semiconductors Aktie: 66-Prozent-Absturz in einem Monat

Trotz eines Kurssturzes von 66 Prozent kaufen Führungskräfte um den CEO eigene Aktien. Bilanzkorrektur und Kapitalerhöhung belasten zusätzlich.

Die Kernpunkte:
  • Fünf Vorstände und CEO kaufen Aktien
  • Aktie verliert 66 Prozent in einem Monat
  • Bilanzkorrektur offenbart höhere Verluste
  • Kapitalerhöhung verwässert bestehende Anteile

Eine Sperrfrist läuft aus, gleichzeitig kaufen fünf Vorstandsmitglieder und der CEO frisches Aktienmaterial. Bei Sivers Semiconductors prallen zwei gegensätzliche Signale aufeinander. Der Kurs bleibt davon unbeeindruckt und stürzt weiter ab.

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 3,07 Euro. Das bedeutet ein Minus von 66,10 Prozent innerhalb eines Monats. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, trennen das Papier mittlerweile rund 70 Prozent.

Sperrfrist endet, Insider kaufen dennoch

Im Zuge einer im April beschlossenen Kapitalerhöhung hatten sich Vorstandsmitglieder und die Konzernspitze verpflichtet, bis zum 16. Juli 2026 keine Aktien zu verkaufen. Diese Sperrfrist lief nun aus. Erstmals seit Monaten könnten Insider ihre bestehenden Anteile abstoßen.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt eines anderen Vorgangs. Am 13. Juli kauften fünf Vorstandsmitglieder Aktien im Rahmen eines von der Hauptversammlung genehmigten Programms. CEO Vickram Vathulya legte zusätzlich eigenes Kapital von umgerechnet rund 950.000 schwedischen Kronen nach.

Alle diese Käufe unterliegen einer einjährigen Haltefrist. Die Insider entschieden sich also nur drei Tage vor Ablauf der Verkaufssperre dafür, neues Geld zu investieren – statt bestehende Bestände zu Geld zu machen. Das lässt sich als Vertrauenssignal lesen, auch wenn der Markt bislang anders reagiert.

Bilanzkorrektur und Verwässerung drücken den Kurs

Der eigentliche Auslöser der Talfahrt liegt woanders. Sivers musste seine Bilanzen überarbeiten, um die Voraussetzungen für ein geplantes US-Listing zu schaffen. Die Korrektur legte höhere Verluste und niedrigere Vorjahresumsätze offen als ursprünglich ausgewiesen.

Hinzu kommt eine Kapitalerhöhung, die bestehende Aktionäre verwässert. Der Vorstand beschloss die Ausgabe von 12.280.701 neuen Aktien zu einem Bezugspreis von 57 schwedischen Kronen. Das entspricht einem Volumen von etwa 700 Millionen Kronen.

Allein am Donnerstag verlor die Aktie 13,48 Prozent. Innerhalb einer Woche schmolz die Marktkapitalisierung um mehr als ein Viertel. Unsicherheit über den Zeitplan des geplanten Nasdaq-Zweitlistings verstärkt den Druck zusätzlich.

Neuer Berichtskalender

Im Zuge der Umstellung auf US-Bilanzierungsstandards nach PCAOB-Vorgaben verschiebt Sivers auch seinen Veröffentlichungsplan. Der eigentlich frühere Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2026 folgt nun erst am 27. August. Die Zahlen zum dritten Quartal sind für den 26. November angesetzt, der Bericht zum vierten Quartal für den 25. Februar 2027.

Diese Verschiebung nährt zusätzliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Finanzberichterstattung – ausgerechnet in einer Phase, in der Anleger nach Orientierung suchen.

Charttechnik zeigt tiefe Übertreibung

Der 14-Tage-RSI notiert bei 33,1 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 153 Prozent – ein Wert, der die Nervosität im Handel unterstreicht. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 6,13 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von fast der Hälfte.

Investoren müssen nun mehrere Signale gegeneinander abwägen: die Insiderkäufe, die verwässernde Kapitalspritze und die korrigierten Zahlen einerseits, das Geschäft in Wachstumsfeldern wie KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation und Verteidigungsphotonik andererseits. Die jüngste Platzierung war bei Institutionellen überzeichnet – zu einem Kurs, der deutlich über dem aktuellen Niveau liegt. Ob sich diese Lücke schließt, hängt maßgeblich davon ab, wie glaubwürdig Sivers die Finanzberichterstattung in den kommenden Quartalen gestaltet.

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