Sivers Semiconductors Aktie: 73-Prozent-Absturz seit Juni-Hoch
Sivers-Aktie verliert seit Juni über 73% an Wert. Schwache Q1-Zahlen und aufgeschobene Umsätze belasten, während die Auftragspipeline deutlich wächst.

- Aktie verliert über 73 Prozent
- Umsatzrückgang von 22 Prozent
- Auftragspipeline wächst um 77 Prozent
- Zwischenbericht Ende August erwartet
Fast die Hälfte des Börsenwerts weg in nur 30 Handelstagen. Sivers Semiconductors durchlebt einen brutalen Ausverkauf, der die Aktie tief in charttechnisch angeschlagenes Terrain treibt. Am Freitag schloss das Papier bei 2,75 Euro, ein Minus von 1,93 Prozent auf Tagesbasis.
Der eigentliche Schock liegt im Monatsrückblick. Seit dem Hoch von 10,23 Euro am 3. Juni 2026 hat die Aktie über 73 Prozent ihres Wertes verloren. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 168 Prozent — ein Wert, der selbst für den ohnehin schwankungsanfälligen Halbleitersektor extrem ist.
Charttechnik zeigt anhaltenden Abwärtsdruck
Der Kurs notiert derzeit rund 52 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 5,70 Euro. Auch der 100-Tage-Durchschnitt von 4,14 Euro liegt deutlich über dem aktuellen Niveau. Der RSI von 37,3 nähert sich einer überverkauften Zone, hat sie aber noch nicht erreicht.
Eine technische Gegenbewegung ist damit möglich, aber nicht garantiert. Der Abstand zum gleitenden Durchschnitt zeigt: Der Abwärtstrend bleibt intakt, solange keine neuen Impulse kommen.
Schwache Zahlen, aufgeschobene Umsätze
Der Kursverfall fällt mit einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung zusammen. Im ersten Quartal 2026 meldete Sivers einen Nettoumsatz von 61,9 Millionen schwedischen Kronen — ein Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA fiel auf minus 13,8 Millionen Kronen, ein Einbruch um 7,8 Millionen Kronen im Jahresvergleich.
Das Management macht dafür externe Faktoren verantwortlich. Der US-Regierungsstillstand im vierten Quartal 2025 verzögerte Verteidigungsbudgets und damit verbundene Aufträge. Hinzu kam ein ungünstiges Währungsumfeld.
CEO Vickram Vathulya sieht die verschobenen Umsätze lediglich zeitlich versetzt. Der Stillstand habe erwartete Erlöse aus dem ersten und zweiten Quartal in die zweite Jahreshälfte gedrückt, so Vathulya. Das Unternehmen bleibe beim Plan für Umsatzwachstum im Gesamtjahr.
Ein Lichtblick in den Zahlen: Die Auftragspipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar. Vathulya spricht von „enormer Dynamik“ in den Kernmärkten Photonik und Funktechnik, mit mehreren Produktionshochläufen, die für 2027 anstehen.
US-Notierung treibt Kosten
Ein Teil der gestiegenen Kostenbasis stammt aus Vorbereitungen für eine mögliche Doppelnotierung in den USA. Sivers baut parallel Vertriebsressourcen für die wachsende Pipeline aus. Beides zusammen belastet die Marge zusätzlich.
Eine Kapitalerhöhung im Mai 2026 soll hier Abhilfe schaffen. Sie brachte laut Unternehmensangaben hochwertige institutionelle Investoren an Bord und verschafft Sivers finanziellen Spielraum für die weiteren Pläne.
Ein offizieller Termin für Q1-Prognosen kursierte bei manchen Datendiensten für Anfang August. Verbindlich ist jedoch nur der Termin im Unternehmenskalender: der nächste Zwischenbericht am 27. August 2026.
Bis dahin dürfte die Aktie stark von der allgemeinen Stimmung im Halbleitersektor sowie von technischer Positionierung getrieben werden. Konkrete unternehmensspezifische Auslöser für die kommenden Handelstage sind derzeit nicht in Sicht. Der Zwischenbericht Ende August wird zeigen, ob die von Vathulya versprochene Erholung in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich eintritt.
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