Sivers Semiconductors Aktie: Ermittlungen durch Staatsanwalt Myrdal
Sivers Semiconductors startet im OMX Stockholm Benchmark Index, während die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde wegen eines möglichen Informationslecks ermittelt.

- Aufnahme in den OMX Stockholm Benchmark Index
- Ermittlungen wegen möglichem Marktmissbrauch
- Jahresplus von über 1.500 Prozent
- Umsatzrückgang im ersten Quartal 2026
Sivers Semiconductors startet in eine entscheidende Woche — mit einem Indexdebüt und einer Behördenermittlung gleichzeitig. Ab Montag, dem 1. Juni 2026, ist der schwedische Halbleiterspezialist im OMX Stockholm Benchmark Index notiert. Was nach einem Meilenstein klingt, wird von einer Untersuchung wegen möglichen Marktmissbrauchs überschattet.
Ermittler prüfen Informationsleck
Die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde unter Staatsanwalt Jonas Myrdal hat eine Untersuchung eingeleitet. Im Mittelpunkt steht ein anonymes Konto auf der Plattform X, das rund 48 Stunden vor der offiziellen Bestätigung Gerüchte über ein geplantes US-Zweitlisting von Sivers Semiconductors verbreitete. Die Folge: deutliche Kursschwankungen und ein sprunghafter Anstieg des Handelsvolumens.
Myrdal hat Nasdaq Stockholm empfohlen, eine formelle Untersuchung auf mögliche Verstöße gegen die EU-Marktmissbrauchsverordnung einzuleiten. Behördenvertreter verglichen das Muster des Lecks mit früheren Pump-and-Dump-Fällen anderer börsennotierter Unternehmen.
Kurs auf Jahressicht: +1.560 Prozent
Zum Wochenschluss am 30. Mai schloss die Aktie bei 68,95 SEK — ein Tagesrückgang von 1,8 Prozent und ein Wochenminus von 5,4 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von rund 1.560 Prozent zu Buche.
Genau diese Kursexplosion sorgt für Skepsis. Fondsmanager von Exelity bezeichneten die Rallye als „Meme-Stock“-Bewegung und sehen eine erhebliche Lücke zwischen Bewertung und tatsächlicher Ertragslage. Auch das Bewertungsmodell von Simply Wall St signalisiert, dass die Aktie gemessen am fairen Wert deutlich zu teuer gehandelt wird.
Schwaches Quartal, wachsende Pipeline
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 fielen durchwachsen aus. Der Umsatz sank um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK, der organische Rückgang lag bei 8 Prozent. Der bereinigte EBITDA-Verlust weitete sich auf 13,8 Millionen SEK aus, nach 6,0 Millionen SEK im Vorjahreszeitraum.
CEO Vickram Vathulya verwies auf Verschiebungen: Ein wesentlicher Teil der Umsätze soll in die zweite Jahreshälfte fallen. Analysten von DNB Carnegie nannten den Bericht einen „gemischten Befund“ — hohe Kosten bei noch überschaubaren Erlösen.
Auf der anderen Seite wuchs die Auftragspipeline um 77 Prozent auf rund 799 Millionen USD. Treiber sind die Finanzierung des Electronic-Warfare-Programms im Rahmen des US-CHIPS-Act, eine Partnerschaft mit Win Semiconductor zur Senkung des Investitionsdrucks sowie bevorstehende Produktanläufe in Satellitenkommunikation, KI-Rechenzentren und Automotive-LiDAR.
Hauptversammlung im Juni
Nach dem Indexdebüt am 1. Juni folgt am 15. Juni die Hauptversammlung. Stichtag für die Stimmrechte ist der 5. Juni. Das Management hat seine Jahresprognose bestätigt — die entscheidende Frage ist, ob die fast 800-Millionen-Dollar-Pipeline im zweiten Halbjahr tatsächlich in Umsatz umgewandelt werden kann. Gelingt das nicht, dürfte die Diskussion über die Bewertung deutlich lauter werden.
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