Sivers Semiconductors Aktie: Hauptversammlung am 15. Juni
Aktionäre stimmen am 15. Juni über neue Aktien und Nasdaq-Pläne ab. Kursverlust von 15,8 Prozent belastet die Stimmung vor dem Votum.

- Hauptversammlung am 15. Juni 2026
- Ermächtigung für bis zu 53,8 Mio. neue Aktien
- Kursrutsch von 15,8 Prozent am Freitag
- Nasdaq-Doppellisting als strategisches Ziel
Sivers Semiconductors steuert auf eine Hauptversammlung mit ungewöhnlich viel Sprengstoff zu. Am 15. Juni stimmen Aktionäre über den Kurs Richtung Nasdaq, neue Aktien und frische Board-Mitglieder ab. Der Termin kommt nach einem heftigen Kursrutsch. Das macht die Abstimmungen noch sensibler.
Die Aktie schloss am Freitag bei 6,70 Euro und verlor 15,79 Prozent. Nur zwei Handelstage zuvor hatte sie mit 10,23 Euro ein neues Jahreshoch erreicht.
Solche Ausschläge sind kein normaler Handel mehr. Sie zeigen, wie stark die Erwartungen rund um die US-Pläne bereits im Kurs stecken. Kein Wunder, dass neue Zweifel sofort Wirkung zeigen.
Trotz des Rückschlags liegt Sivers auf Wochensicht noch 7,98 Prozent im Plus. Im Monatsvergleich beträgt der Zuwachs 43,98 Prozent. Die annualisierte Monatsvolatilität liegt bei extremen 247,13 Prozent.
Aktionäre stimmen über neue Aktien ab
Der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung ist eine Ermächtigung für das Board. Sivers will bis zu 53,8 Millionen neue Stammaktien ausgeben dürfen. Das entspräche einer möglichen Verwässerung von rund 15 Prozent.
Das Geld soll organisches Wachstum, mögliche Akquisitionen und eine Zweitnotiz an der Nasdaq in New York finanzieren. Damit verknüpft das Management die Kapitalfrage direkt mit dem nächsten strategischen Schritt.
Auch ein neues Optionsprogramm steht zur Abstimmung. Es umfasst maximal 7.000.000 neue Aktienoptionen und entspricht rund 2,0 Prozent auf voll verwässerter Basis. Außerdem sollen Helena Svancar und Joakim Nideborn in das Board gewählt werden.
Nasdaq-Plan trifft auf Rechtsrisiken
Der strategische Kern bleibt das geplante Doppellisting in New York. Sivers hatte die Hauptversammlung verschoben, um den Abschluss eines Prüfungs-Upgrades nach PCAOB-Standards abzuwarten. Diese US-Regeln sind für eine Nasdaq-Zweitnotiz wichtig.
Das Unternehmen hat dafür die Konzernabschlüsse für 2024 und 2025 angepasst. Betroffen waren unter anderem Umsatzzurechnungen, Lagerbewertungen, Bewertungsannahmen für aktienbasierte Vergütung und Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten.
Der Weg an die Wall Street läuft aber nicht ohne Schatten. Schwedische Behörden untersuchen einen möglichen Informationsabfluss vor der offiziellen Ankündigung der Nasdaq-Pläne. Ein anonymer X-Account hatte rund 48 Stunden vorher genaue Details veröffentlicht.
Staatsanwalt Jonas Myrdal nannte Timing und Handelsmuster „auffällig“. Er verwies zudem auf Merkmale, die an frühere Pump-and-Dump-Fälle erinnern. Die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde prüft, ob ein Verstoß gegen die EU-Marktmissbrauchsverordnung vorliegt.
Kritik kommt von mehreren Seiten
Der Kursdruck hat auch mit neuen Angriffen auf die Investmentstory zu tun. Ningi Research stellte in einem Shortseller-Bericht die Umsatzrealisierung und die Substanz von Kundenverträgen infrage. Die US-Kanzlei Rosen Law Firm prüft zudem mögliche irreführende Geschäftsinformationen.
Am Freitag verstärkte ein TV-Auftritt den Druck. Richard Bråse, Portfoliomanager beim Protean Aktiesparfond Norden, kritisierte das Management bei Di TV scharf. Er nannte es sinngemäß „völlig unseriös“ und warf dem Unternehmen unrealistische Pressemitteilungen zur Kursbeeinflussung vor.
Pipeline gegen schwache Zahlen
Operativ steht der Börsenplan auf einer noch wackligen Basis. Im ersten Quartal sank der Umsatz um 22 Prozent auf 61,9 Millionen schwedische Kronen. Sivers verweist auf verzögerte US-Verteidigungsbudgets und Währungseffekte.
Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen Kronen. Der operative Cashflow fiel mit minus 49,2 Millionen Kronen ebenfalls klar negativ aus.
Dem hält das Management eine stark wachsende Pipeline entgegen. Seit Jahresbeginn sei die Opportunity-Pipeline um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar gestiegen, gemessen am Stand Ende 2025.
Die Botschaft dahinter: Der schwache aktuelle Umsatz soll nicht das langfristige Potenzial spiegeln. Das Management hält am Wachstumsplan für 2026 fest und erwartet den größeren Schub in der zweiten Jahreshälfte. Ab 2027 peilt Sivers langfristig ein jährliches Umsatzwachstum von 25 bis 30 Prozent an.
Am 6. August folgt der nächste Zwischenbericht. Dann liegt das Votum der Hauptversammlung hinter dem Unternehmen, und der Markt bekommt den ersten operativen Abgleich nach den strategischen Beschlüssen. Bis dahin bleibt die Aktie stark von Vertrauen, Verwässerungsangst und dem Nasdaq-Zeitplan getrieben.
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