Sivers Semiconductors Aktie: Kapitalerhöhung am 30. Juni

Sivers Semiconductors sammelt 600 Mio. SEK ein, während Ermittlungen und Bilanzrevisionen den Kurs belasten. Die Aktienplatzierung erfolgt ohne Bezugsrecht.

Die Kernpunkte:
  • Kapitalerhöhung über 600 Millionen SEK
  • Mittel für KI-Rechenzentren und LiDAR
  • Ermittlungen wegen Informationsleck
  • Nettoverlust 2025 auf 222 Mio. SEK gestiegen

Sivers Semiconductors sammelt frisches Kapital ein — und das in einem denkbar schwierigen Moment. Der schwedische Hersteller von Photonik- und Funkchips startete am 30. Juni 2026 eine Kapitalerhöhung über rund 600 Millionen SEK. Es ist die größte Eigenkapitalmaßnahme der jüngeren Unternehmensgeschichte, und sie trifft auf ein Umfeld voller offener Fragen.

Wohin das Geld fließt

Das Kapital hat klare Ziele. Sivers will die Fertigungskapazitäten für InP-Laser und optische Verstärker ausbauen, um die wachsende Nachfrage aus KI-Rechenzentren und dem Automotive-LiDAR-Markt zu bedienen. Hinzu kommen Investitionen in Kundensupport und Forschung, um neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen.

Die neuen Aktien gehen ohne Bezugsrecht an schwedische und internationale institutionelle Investoren — sowohl neue als auch bestehende Aktionäre. Den Ausgabepreis und die genaue Aktienzahl legte Pareto Securities im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens fest. Das Ergebnis stand vor Handelsbeginn an der Nasdaq Stockholm am 1. Juli 2026 fest.

Zweite Kapitalrunde in einem Jahr

Dies ist bereits die zweite größere Aktienplatzierung in 2026. Am 16. April hatte Sivers eine ähnliche Transaktion durchgeführt und sich dabei verpflichtet, 180 Tage lang keine weiteren Aktien auszugeben. Pareto Securities hat diese Sperrfrist nun aufgehoben, um die aktuelle Transaktion zu ermöglichen.

Die Insider-Lockups aus der April-Platzierung laufen noch bis zum 16. Juli 2026. Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard dürfen bis dahin keine Aktien verkaufen. Nach Abschluss der neuen Platzierung gilt eine frische Sperrfrist von 120 Tagen für weitere Aktienemissionen.

Ermittlungen und Bilanzkorrekturen belasten

Die Kapitalerhöhung fällt in ein schwieriges Fahrwasser. Die schwedische Wirtschaftskriminalitätsbehörde und die Finanzaufsicht ermitteln wegen eines mutmaßlichen Lecks vertraulicher Informationen rund um die geplante Nasdaq-Notierung. Zwei US-Anwaltskanzleien prüfen mögliche Wertpapierklagen — ausgelöst durch einen kritischen Bericht des Leerverkäufers Ningi Research vom 1. Juni 2026.

Obendrein hat Sivers seine Jahresabschlüsse für 2024 und 2025 nach US-PCAOB-Standards neu aufgestellt. Das Ergebnis: Der Nettoverlust für 2025 stieg von 186,5 Millionen SEK auf rund 222 Millionen SEK. Umsätze wurden zwischen Perioden umgebucht, Vorräte neu bewertet und aktivierte Entwicklungskosten abgeschrieben.

Trotz dieser Belastungen wächst die Auftragspipeline rasant. Seit Jahresbeginn legte sie um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar zu — getrieben von KI-Netzwerktechnik und Satellitenkommunikation.

Schwacher Jahresstart, Q2-Bericht als Prüfstein

Das erste Quartal 2026 war ernüchternd. Der Umsatz fiel um 22 Prozent auf 61,9 Millionen SEK. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen SEK. Management verwies auf den US-Regierungsstillstand Ende 2025, verzögerte Verteidigungsbudgets und ungünstige Wechselkurse.

Am 6. August 2026 legt Sivers den Q2-Bericht vor. Dann wird sich zeigen, ob die Kapitalerhöhung auf einem stabiler werdenden Fundament steht — oder ob Ermittlungen, Bilanzkorrekturen und schwache Umsätze das Vertrauen der neuen Investoren bereits belasten.

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