SK Hynix Aktie: 14,65-Prozent-Crash auf 1.550.000 Won
Schwerer Kurssturz bei SK Hynix nach Krypto-Flash-Crash und China-Sorgen löst achten Handelsstopp des Kospi in diesem Jahr aus.

- Kursrutsch von fast 15 Prozent
- Achter Circuit Breaker im Kospi
- China-Konkurrenz belastet Chipwerte
- US-Notierung fällt unter 130 Dollar
Ein Krypto-Flash-Crash in der Nacht, ein Kursrutsch um fast 15 Prozent am nächsten Tag — und mittendrin ein südkoreanischer Leitindex, der zum achten Mal in diesem Jahr den Handel aussetzen muss. Was am Dienstag an der Börse in Seoul passierte, zeigt, wie nervös der Markt auf jedes Signal zur China-Konkurrenz im Chipgeschäft reagiert.
SK Hynix schloss bei 1.550.000 Won, ein Minus von 14,65 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Kospi brach um 10,84 Prozent auf 6.023,63 Punkte ein und riss zeitweise sogar über 11 Prozent nach unten. Die Börse Korea stoppte den Handel für 20 Minuten — der achte Circuit Breaker des Jahres.
Ausgelöst hatte den Ausverkauf ein Flash-Crash bei Perpetual Futures auf SK Hynix an der Kryptobörse Hyperliquid. Dort brach der Kontrakt binnen einer Minute um rund 20 Prozent ein, bevor er sich rasch wieder erholte. Die Nervosität sprang direkt auf den regulären Aktienmarkt über.
China holt bei Chiptechnologie auf
Der eigentliche Auslöser kam aus einem Fachbericht: Das Portal The Information berichtete, ein chinesisches Unternehmen produziere bereits in Serie DUV-Lithografiemaschinen für die Chipfertigung. Genau in diesem Bereich dominiert bislang der niederländische Ausrüster ASML, dessen Aktie auf die Meldung ebenfalls nachgab.
Parallel wächst die Sorge um den chinesischen Speicherchip-Hersteller ChangXin Memory Technologies (CXMT). Das Unternehmen soll seine Kapazitäten beschleunigt ausbauen und könnte Samsung und SK Hynix im DRAM-Markt künftig stärker unter Druck setzen. Analysten der Seoul Economic Daily schätzen, dass der Rückstand von CXMT bei High-Bandwidth-Memory-Chips auf drei Jahre geschrumpft ist — vor kurzem waren es noch mehr als fünf Jahre.
Das trifft einen wunden Punkt. SK Hynix und Samsung haben milliardenschwere HBM-Lieferverträge mit US-Hyperscalern geschlossen. Schließt China diese Lücke schneller als gedacht, wackelt genau das Argument, das die Aktien zuletzt so teuer gemacht hat.
Der Ausverkauf blieb nicht auf Korea beschränkt. Samsung Electronics verlor mehr als 13 Prozent, Samsung SDI gab 11,37 Prozent ab, LG Innotek stürzte um 16,29 Prozent. In Japan traf es Tokyo Electron mit einem Minus von 10,96 Prozent, Advantest verlor über 10 Prozent, und Speicherchip-Hersteller Kioxia brach um mehr als 18 Prozent ein.
US-Notierung rutscht unter Ausgabepreis
Auch an der Wall Street bekam SK Hynix die Wucht der Verkaufswelle zu spüren. Der Börsengang der US-Notierung war erst kürzlich bei 149 Dollar je Aktie gepreist worden. Am Montag schloss das Papier bereits bei 143 Dollar — unter dem Ausgabekurs.
Am 28. Juli fiel die US-Notierung dann unter die psychologische Marke von 130 Dollar und markierte mit einem Minus von 8,76 Prozent auf 130,49 Dollar ein neues Rekordtief seit dem Listing.
Der Kurs von SK Hynix liegt inzwischen 48,11 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won, erreicht erst Ende Juni. Seit dem Junihoch hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts verloren. Der Relative-Stärke-Index von 36,1 signalisiert eine überverkaufte Lage, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 123 Prozent das Ausmaß der aktuellen Turbulenz unterstreicht.
Regulierer prüfen strengere Regeln
Owen Lamont von Acadian Asset Management ordnet die Lage in einem größeren Rahmen ein. Samsung und SK Hynix zählten zu den weltweit größten Lieferanten für HBM-Chips in KI-Servern, sagte er gegenüber CNBC. Das mache ihre Aktien besonders empfindlich für jede Änderung bei den Investitionsplänen der US-Hyperscaler. „Wir stehen vor unglaublicher Unsicherheit“, so Lamont. „Niemand weiß, wie sich dieser KI-Prozess auf unsere Wirtschaft auswirken wird.“
Südkoreas Finanzaufsicht FSC beobachtet die Entwicklung genau. FSC-Chef Lee Eog-weon kündigte an, die Behörde prüfe strengere Handelsregeln für gehebelte Einzelaktien-ETFs, einschließlich möglicher Investitionsobergrenzen für Privatanleger.
Quartalszahlen als nächster Test
Mitten in diese Turbulenz platzt am Mittwoch, den 29. Juli, der Quartalsbericht von SK Hynix. Vierzehn heimische Broker erwarten im Konsens einen operativen Rekordgewinn von 64,1 Billionen Won bei einem Umsatz von 84,1 Billionen Won für die Monate April bis Juni.
Ob selbst Rekordzahlen die Aktie stabilisieren können, ist unter Marktteilnehmern umstritten. Kim Minji von Must Asset Management sagte gegenüber Bloomberg, die Gewinnzahlen allein dürften kaum als Katalysator wirken. Wichtiger sei, ob das Unternehmen Aktienrückkäufe ankündigt und ob die großen Hyperscaler ihre Investitionsausgaben weiter erhöhen.
Shawn Oh von NH Investment & Securities sieht dagegen einen attraktiven Einstiegspunkt, verweist auf die günstige Bewertung und den Schuldenabbau koreanischer Privatanleger. Gleichzeitig ziehen manche institutionelle Investoren vor der US-Techquartalssaison bereits Kapital ab.
Der Bericht am Mittwoch wird zeigen, ob die Erzählung vom KI-Speicher-Superzyklus nach einem der heftigsten Tageseinbrüche der Firmengeschichte wieder Substanz gewinnt — oder ob die Sorge vor chinesischer Konkurrenz den Kurs weiter drückt.
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