SK Hynix Aktie: 180 Prozent Wachstum bei Halbleiter-Exporten
SK Hynix Aktie steigt um 5,4 Prozent, nachdem der Group-Chef die Speicherpreise als abnormal hoch bezeichnet und vor Nachfrageschwäche warnt.

- Aktie erholt sich nach turbulentem Handelstag
- Group-Chef warnt vor zu hohen Speicherpreisen
- Analysten sehen Ausverkauf als Kaufgelegenheit
- Südkoreas Exporte erreichen Rekordwert im Juli
Nach einem der turbulentesten Handelstage der jüngeren Firmengeschichte hat sich die Aktie von SK Hynix am Dienstag deutlich erholt. Das Papier legte um 5,44 Prozent auf 1.860.000 Won zu, nachdem es am Vortag im Sog eines breiten Ausverkaufs an der Kospi noch auf 1.764.000 Won gefallen war. Der südkoreanische Leitindex hatte am Montag einen Sell-Sidecar ausgelöst und war um 4,46 Prozent auf 6.516,27 Punkte eingebrochen – Samsung Electronics und SK Hynix zählten zu den größten Verlierern und rutschten jeweils um mehr als vier Prozent ab.
Der Rückschlag markierte den vorläufigen Tiefpunkt einer wochenlangen Berg-und-Talfahrt, die den Titel trotz kräftiger Kursgewinne im laufenden Jahr zunehmend nervös macht. Die Volatilität an der Kospi übertraf zeitweise sogar jene von Bitcoin, wobei Samsung und SK Hynix nach Angaben von Bloomberg gemeinsam mehr als die Hälfte des Index ausmachen – ein Konzentrationsrisiko, das Kursschwankungen zusätzlich verstärkt.
Group-Chef nennt Preise „abnormal“, warnt vor Nachfrageschwäche
Auslöser der jüngsten Nervosität war unter anderem eine Aussage von SK-Group-Chairman Chey Tae-won am 20. Juli. Er bezeichnete die aktuellen Speicherpreise als abnormal hoch und forderte, sie müssten sinken – zu hohe Preise würden sonst die Nachfrage der Kunden dämpfen. Gleichzeitig rechnet Chey damit, dass die Nachfrage nach KI-Speicherchips 2027 gegenüber 2026 um 60 bis 100 Prozent zulegen wird, während der breitere Speichermarkt um 50 bis 60 Prozent wachsen dürfte. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage weite sich aus, kaum ein Anbieter baue derzeit neue Kapazitäten auf. Chey warnte zudem, anhaltend hohe Preise könnten neue Wettbewerber und staatliche Eingriffe provozieren.
SK-Hynix-Vorstandschef Kwak Noh-jung geht nach denselben Angaben noch weiter und erwartet für 2027 den bislang schlimmsten Angebotsengpass der Firmengeschichte. Das Unternehmen priorisiert deshalb den Kapazitätsausbau an den Standorten Yongin und Honam sowie in den USA. Die Aussagen wirkten weit über SK Hynix hinaus: Der US-Konkurrent Micron sprang am selben Handelstag um 4,8 Prozent auf rund 890 Dollar und kletterte damit wieder über die Marke von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung, blieb aber weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von etwa 1.255 Dollar.
Analysten sehen Ausverkauf als Kaufgelegenheit
Trotz der Turbulenzen bewerten mehrere Häuser SK Hynix positiv. Barclays hat die Aktie mit Overweight in die Bewertung aufgenommen und verweist auf die Position des Unternehmens als führender Anbieter von High-Bandwidth-Memory-Chips, dessen Marktwert zeitweise über den von Samsung und Micron hinausgewachsen war. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liege mit rund 5,5 unter dem von Micron mit 6,66. Morgan Stanley bezeichnete den jüngsten Rückgang der Kospi als Kaufgelegenheit und erwartet eine Verschärfung des Speicherengpasses; das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtindex liege inzwischen unter dem Sechsfachen. Ausländische Investoren kauften über acht Handelssitzungen hinweg netto 894 Milliarden Won zu.
Gegenläufig positionierte sich Citigroup: Die Bank stufte südkoreanische Aktien herab und chinesische Titel hoch, mit Verweis auf günstigere Bewertungen und KI-Chancen in China – ein Zeichen, dass internationales Kapital zumindest teilweise aus dem überhitzten koreanischen Technologiehandel abwandert.
Gehebelte ETFs und Rekordexporte im Fokus
Der Kurssprung fällt in eine Phase, in der Aufseher die Rolle gehebelter Anlageprodukte genauer prüfen. Der KODEX-SK-Hynix-2x-ETF hatte seit seinem Hoch im Juni rund 70 Prozent seines Werts verloren, nachdem Anleger seit dessen Auflage Ende Mai netto 14 Billionen Won in gehebelte ETFs gesteckt hatten. Zwangsliquidationen von Margin-Positionen erreichten in der Spitze 344,2 Milliarden Won, mehr als eine Million Privatkonten waren betroffen. Die Aufsicht reagierte: Seit dem 16. Juli lässt sie keine neuen einzeltitelbezogenen Hebel-ETFs mehr zu, ab dem 5. August steigt zudem die Mindestmargin auf 30 Millionen Won.
Zusätzlichen Rückhalt lieferten am 21. Juli veröffentlichte Handelszahlen: Laut Korea Customs Service erreichten Südkoreas Exporte in den ersten drei Julitagen bis zum 20. mit 54,9 Milliarden Dollar einen Rekordwert, ein Plus von 52,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Halbleiterausfuhren stiegen dabei auf 22,1 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 180 Prozent – ein Beleg dafür, wie stark der KI-Chip-Boom die Handelsbilanz des Landes inzwischen prägt.
Parallel dazu bleibt die im Juli an der Nasdaq eingeführte Hinterlegungsscheinlinie von SK Hynix im Blick der Anleger. Das ADR-Papier war am 9. Juli zu 149 Dollar ausgegeben worden und markierte mit 26,5 Milliarden Dollar die bislang größte Emission dieser Art für ein ausländisches Unternehmen. Der Aufschlag gegenüber der Notierung in Seoul erreichte Mitte Juli zeitweise 51 Prozent, bevor er sich bis zum 15. Juli auf rund 30,7 Prozent verringerte.
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