SK Hynix Aktie: 9,61-Prozent-Absturz trotz 79,3-Billionen-Umsatz

Trotz Rekordumsatz und -gewinn im zweiten Quartal bricht die SK Hynix Aktie ein. Die hohen Markterwartungen wurden verfehlt, während ein breiter Marktausverkauf den Kurs zusätzlich belastet.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz- und Gewinnrekord im zweiten Quartal
  • Markterwartungen dennoch knapp verfehlt
  • Kursrutsch um fast zehn Prozent
  • Investitionen in HBM4-Fertigung massiv ausgeweitet

SK Hynix hat für das zweite Quartal 2026 die höchsten Zahlen der Unternehmensgeschichte vorgelegt – und wurde dafür an der Börse abgestraft. Der Kurs des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers brach am heutigen Mittwoch um 9,61 Prozent auf 1.401.000 Won ein und liegt damit 53,10 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Der Absturz reiht sich in einen bereits laufenden Ausverkauf ein: Allein in den vergangenen sieben Handelstagen verlor die Aktie 23,44 Prozent an Wert.

Rekordzahlen verfehlen hohe Erwartungen

Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf 79,32 Billionen Won, ein Plus von 256,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Gewinn sprang um 557,2 Prozent auf 60,54 Billionen Won, die operative Marge erreichte 76 Prozent. Der Nettogewinn schoss sogar um 1.242,5 Prozent auf 93,92 Billionen Won nach oben, getrieben auch durch einen Sondereffekt aus dem Verkauf der Kioxia-Beteiligung, der laut Unternehmensangaben rund 63,27 Billionen Won zum Ergebnis beisteuerte.

Trotz dieser Werte verfehlte SK Hynix die Markterwartungen: Analysten hatten im Konsens einen operativen Gewinn von rund 64 Billionen Won und einen Umsatz von etwa 84 Billionen Won veranschlagt. Genau diese Lücke zwischen Rekord und Prognose löste den scharfen Kursrutsch aus. Die DRAM-Durchschnittspreise zogen im Quartalsvergleich um 30 Prozent an, NAND-Preise stiegen um einen mittleren zweistelligen Prozentsatz. Das Unternehmen verwies zudem auf Barmittel von 88 Billionen Won und einen Nettokassenbestand von 69,4 Billionen Won.

Kapex-Offensive und HBM4-Ausbau

Parallel zur Zahlenvorlage kündigte SK Hynix an, seine Investitionen in diesem Jahr auf einen Betrag im hohen Vierzig-Billionen-Won-Bereich anzuheben – umgerechnet rund 31 Milliarden Dollar und damit gut die Hälfte mehr als im Vorjahr. Das Geld fließt in den Ausbau der Werke M15X und in den Yongin-Cluster, wo die Massenfertigung des Speicherchips HBM4 im zweiten Quartal angelaufen ist. Erste Muster des Nachfolgers HBM4E wurden bereits ausgeliefert, die Serienproduktion soll 2027 folgen und unter anderem Nvidia beliefern.

Untermauert wird die Investitionsstrategie durch langfristige Lieferverträge mit rund zehn Kunden über Laufzeiten von drei bis fünf Jahren, die laut Unternehmen die Ergebnisschwankungen künftig glätten sollen. SK Hynix wies zudem auf eine milliardenschwere Partnerschaft der Konzernmutter SK Group mit Nvidia hin, die auf ein Volumen von über 500 Milliarden Dollar taxiert wird. Das Management widersprach ausdrücklich der These, der KI-Chip-Boom habe seinen Höhepunkt bereits überschritten, und rechnet mit anhaltend hohem Bitwachstum in der zweiten Jahreshälfte.

Analysten uneins über weiteren Kurs

Am Markt gehen die Meinungen zur Aktie deutlich auseinander. DS Investment & Securities bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 3,1 Millionen Won und sieht bislang keine Anzeichen für ein Überangebot am Speicherchipmarkt. BNK Investment Securities schlug den gegenteiligen Weg ein und senkte sein Kursziel auf 1,48 Millionen Won, mit Verweis auf Risiken durch ein mögliches Überangebot. Weitere Häuser bewegen sich zwischen diesen Polen, mit gesenkten, aber überwiegend noch deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegenden Zielmarken.

Die technische Lage unterstreicht die Nervosität: Der Relative-Stärke-Index notiert bei 33,2 und signalisiert eine überverkaufte Aktie, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität auf über 123 Prozent geklettert ist. Ungeachtet des jüngsten Absturzes steht die Aktie seit Jahresbeginn noch immer mit 115,64 Prozent im Plus – ein Hinweis darauf, wie stark der vorangegangene Kursanstieg gewesen sein muss, bevor die Korrektur einsetzte.

Kospi-Ausverkauf verschärft die Lage

Der Kurseinbruch bei SK Hynix fiel mit einem historischen Ausverkauf am gesamten südkoreanischen Aktienmarkt zusammen. Der Kospi-Index schloss am heutigen Handelstag 5,98 Prozent tiefer bei 5.663,24 Punkten, nachdem bereits am Dienstag ein Minus von rund elf Prozent zu Buche stand. Zwischenzeitlich wurde ein Handelsabbruch ausgelöst, Finanzminister entschuldigten sich öffentlich für die Rolle gehebelter Einzelaktien-ETFs am Ausverkauf. Auch Samsung Electronics geriet mit einem Minus von 5,23 Prozent unter Druck.

Der Kospi liegt damit 39,7 Prozent unter seinem Hoch vom 19. Juni, der Juli-Einbruch übertrifft nach Angaben von Marktbeobachtern sogar die Verluste während der Asienkrise Ende der 1990er-Jahre. Ausländische Investoren zogen Kapital ab, während einheimische Institutionen zukauften. Für SK Hynix bedeutet das: Selbst ein historischer Rekordgewinn reicht in diesem Umfeld nicht aus, um Anleger zu beruhigen – die Frage, ob die massive Kapitalausweitung für HBM4 sich in den kommenden Quartalen auszahlt, dürfte über die weitere Kursentwicklung entscheiden.

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