SK Hynix Aktie: Kapex-Offensive trotz Ausverkauf

SK Hynix meldet Rekordumsatz und -gewinn, verfehlt aber Analystenerwartungen. Der Aktienkurs bricht ein, während das Unternehmen die Investitionen massiv ausweitet.

Die Kernpunkte:
  • Historisch hoher Quartalsumsatz erzielt
  • Operativer Gewinn steigt rasant an
  • Aktie verliert trotz Rekorden deutlich
  • Investitionsausgaben werden drastisch erhöht

Rekordgewinn, Rekordumsatz – und trotzdem ein Kurssturz, der die eigene Erfolgsgeschichte fast auf den Kopf stellt. SK Hynix hat am Mittwoch gezeigt, wie unerbittlich der Markt mit KI-Werten umgeht, deren Zahlen „nur“ beeindruckend statt überwältigend ausfallen. Der Speicherchip-Hersteller legte das stärkste Quartal seiner Geschichte vor – und wurde dafür mit einem der heftigsten Tagesverluste der jüngeren Firmengeschichte abgestraft.

Rekordzahlen, verfehlte Erwartungen

Im zweiten Quartal setzte SK Hynix 79,32 Billionen Won um, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten hatten allerdings mit rund 84 Billionen Won gerechnet. Der operative Gewinn sprang um 557 Prozent auf 60,5 Billionen Won (umgerechnet rund 36,5 Milliarden Euro) – ebenfalls ein historischer Wert, aber unterhalb der Konsensschätzung von 64 Billionen Won.

Noch spektakulärer fiel der Nettogewinn aus: Er stieg auf 93,92 Billionen Won, mehr als das Dreizehnfache des Vorjahreswertes. Ein wesentlicher Treiber waren außerordentliche Bewertungserträge von über 63 Billionen Won, die im Zusammenhang mit dem Verkauf der Beteiligung am japanischen NAND-Hersteller Kioxia stehen dürften. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte überstieg der Halbjahresumsatz die Marke von 100 Billionen Won.

Warum der Markt trotzdem verkauft

Die Aktie brach im Tagesverlauf zeitweise um bis zu 18 Prozent ein, am Ende stand ein Minus von rund 9,6 Prozent zu Buche. Seit dem Rekordhoch im Juni hat der Titel damit fast 60 Prozent seines Wertes verloren. Als Grund gilt vor allem, dass die neuen HBM4-Speicherchips langsamer als erwartet ausgeliefert wurden – ein Teil des Umsatzes verschob sich dadurch ins laufende Quartal.

Hinzu kommt strukturelle Nervosität: Weil SK Hynix stärker im margenstarken HBM-Segment engagiert ist als viele Konkurrenten, wirkte sich ein schwächerer Preisanstieg bei High-End-Speichern besonders negativ aus. Marktbeobachter verweisen zudem auf eine überhitzte, stark gehebelte Positionierung in koreanischen Technologiewerten, die sich nun entlädt – befeuert von Zweifeln, ob die enormen KI-Investitionen der Branche zeitnah in entsprechende Erträge münden. Der südkoreanische Leitindex Kospi verlor im selben Umfeld zweistellig, Samsung gab vor den eigenen Zahlen ähnlich stark nach, auch Taiwans Taiex und Teile des japanischen Marktes gerieten unter Druck.

Mehr Investitionen als Antwort auf die Zweifel

Statt auf die Skepsis mit Zurückhaltung zu reagieren, kündigte SK Hynix höhere Ausgaben an. Für das Gesamtjahr plant der Konzern Investitionen im hohen 40-Billionen-Won-Bereich, nach 30,2 Billionen Won im Jahr 2025. Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen ein Bitwachstum von rund 10 Prozent im DRAM-Geschäft, im NAND-Bereich einen Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Das Management verweist dabei auf eine Nachfrage, die das verfügbare Angebot weiterhin übersteigt, sowie auf rund zehn Kunden mit langfristigen Lieferverträgen über etwa fünf Jahre, teilweise mit Anzahlungen. Die Massenauslieferung des HBM4 hat im zweiten Quartal begonnen, im zweiten Halbjahr soll die Produktion hochgefahren werden. Über eine mehrjährige Vereinbarung mit Nvidia im Wert von über 500 Milliarden Dollar bleibt der US-Chipkonzern der zentrale Wachstumstreiber. Eine Ausschüttungspolitik prüft das Unternehmen nach eigenen Angaben weiterhin, ohne sich bislang festzulegen.

Am Donnerstag legt mit Samsung Electronics der wichtigste Konkurrent seine eigenen Zahlen vor – ein Termin, der zeigen dürfte, ob die aktuelle Verkaufswelle branchenweite Ursachen hat oder auf SK Hynix begrenzt bleibt. Am Abend steht zusätzlich die Zinsentscheidung der US-Notenbank an, die über die Risikobereitschaft für Technologiewerte insgesamt mitentscheiden dürfte.

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