SoftBank: 10 Milliarden Dollar auf OpenAI-Beteiligung

SoftBank plant größte Retail-Anleihe der Firmengeschichte und erhöht Kreditaufnahme für KI-Investitionen, während der operative Gewinn sinkt.

Die Kernpunkte:
  • Größte Privatanleihe der Firmengeschichte geplant
  • OpenAI-Anteile als Kreditsicherheit verpfändet
  • Operativer Gewinn sinkt um 18 Prozent
  • Aktie verliert 4,9 Prozent am Handelstag

SoftBank Group türmt gerade zwei gewaltige Wetten übereinander: eine Rekordanleihe für Privatanleger und eine noch tiefere Verstrickung in die Infrastruktur der künstlichen Intelligenz. Für mich zeigt sich hier ein Muster, das Anleger nicht ignorieren sollten – Masayoshi Sons Konzern finanziert seine KI-Ambitionen zunehmend über Fremdkapital, während die operativen Ergebnisse gleichzeitig schwächeln.

Die Billionen-Yen-Anleihe als Warnsignal

Reuters berichtete am Mittwoch, SoftBank plane eine Anleihe über rund eine Billion Yen, gerichtet an japanische Privatanleger. Es wäre die größte Retail-Anleihe in der Firmengeschichte.

Bereits am Dienstag hatten Nikkei und Reuters von den Plänen berichtet, die Konditionen sollen Anfang September finalisiert werden. SoftBank selbst erklärte, der Bericht beruhe nicht auf firmeneigenen Angaben – ein Dementi, das eher prozedural wirkt als inhaltlich.

Für mich ist entscheidend, wofür dieses Geld gebraucht wird. Parallel dazu hat SoftBank im August einen Kredit über 10 Milliarden Dollar aufgenommen, besichert mit der eigenen OpenAI-Beteiligung. Wer seine wertvollsten KI-Assets verpfändet, um zusätzliches Fremdkapital am Retail-Markt einzusammeln, sendet aus meiner Sicht ein klares Signal: Der Kapitalbedarf für die KI-Wette wächst schneller, als die eigenen Mittel es hergeben.

Operatives Geschäft hinkt der Erzählung hinterher

Die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026, vorgelegt am 6. August, stützen diese Lesart. Der Nettogewinn fiel um 18 Prozent auf 347,33 Milliarden Yen.

Zwar verbuchte SoftBank einen Bewertungsgewinn von 1,3 Billionen Yen auf die Intel-Beteiligung, doch bei OpenAI gab es keinen Wertzuwachs zu vermelden. Reuters und andere Leitmedien ordneten die Ergebnisse als durch Intel- und ByteDance-Gewinne gestützt ein – operativ blieb der Gewinn dennoch rückläufig.

Bemerkenswert finde ich auch die Portfolio-Umschichtung, die aus SEC-Unterlagen vom 14. August hervorgeht: SoftBank verkaufte 71,5 Prozent seiner Position an Taiwan Semiconductor Manufacturing, immerhin 1,4 Millionen Aktien für 269,8 Millionen Dollar.

Gleichzeitig baute der Konzern neue, deutlich kleinere Positionen bei Capital One und Life360 auf. Das liest sich für mich wie eine Rotation aus etablierten Halbleiterwerten hin zu opportunistischen Einzelwetten – während im Hintergrund die großen Summen in KI-Infrastruktur fließen.

Denn die Dimensionen dort sind kaum vergleichbar. Reuters berichtete, Nvidia werde eine Garantiefinanzierung von bis zu 105 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio bereitstellen, das die SoftBank-Tochter SB Energy entwickelt. Schon im Juni hatte SoftBank beim Choose-France-Gipfel bis zu 75 Milliarden Euro für neue Datenzentren in Aussicht gestellt.

Die Summen, mit denen hier operiert wird, übersteigen die aktuelle Marktkapitalisierung von SoftBank an der Börse um ein Vielfaches – auch wenn es sich bei den Nvidia- und Frankreich-Beträgen um Garantien beziehungsweise Zusagen handelt, nicht um SoftBank-Eigenkapital.

Der Markt reagiert bereits jetzt

Die Kursentwicklung spricht für mich eine deutliche Sprache. Gestern verlor die Aktie 4,9 Prozent und schloss bei 28,68 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 8,1 Prozent, über 30 Tage sind es 12 Prozent. Die annualisierte Volatilität von 74 Prozent zeigt, wie nervös der Markt die Gemengelage aus Anleiheplänen, verpfändeten KI-Beteiligungen und schwächelndem operativem Gewinn bewertet.

Unterm Strich sehe ich SoftBank an einem Punkt, an dem die Erzählung von der KI-Zukunft und die Bilanzrealität auseinanderdriften. Die Rekordanleihe dürfte kurzfristig frisches Kapital bringen, doch sie erhöht die Schuldenlast in einem Moment, in dem der Konzern bereits sein OpenAI-Paket beliehen hat und der operative Gewinn schrumpft.

Die Wette auf KI-Infrastruktur mag langfristig aufgehen – die Risikoverteilung zwischen SoftBank, seinen Gläubigern und den Privatanlegern, die die neue Anleihe zeichnen sollen, verschiebt sich für mich derzeit spürbar zulasten der Letzteren.

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