SoftBank: 32 Prozent in sieben Tagen

SoftBank profitiert von OpenAI- und Arm-Fantasie, finanziert die KI-Strategie aber zugleich mit neuen Anleihen und hoher Verschuldung.

Die Kernpunkte:
  • SoftBank gewinnt binnen sieben Tagen 32 Prozent
  • OpenAI-Nachrichten treiben den Aktienkurs
  • Retail-Anleihe über eine Billion Yen platziert
  • RSI signalisiert überkaufte Marktlage

SoftBank Group ist gerade der heißeste Wert am japanischen Markt – und genau das macht mich vorsichtig. Der Kurs schloss am Dienstag bei 35,92 Euro, ein Plus von 5,1 Prozent an nur einem Tag. Über sieben Tage steht ein Zuwachs von 32 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 20 Prozent. Für mich ist das kein solides Fundament, sondern eine Rally, die auf einem einzigen Narrativ balanciert: OpenAI.

Ein Narrativ trägt die ganze Bewertung

Der Auslöser der Bewegung lässt sich klar benennen. Am 7. September sprang die Aktie um 11,22 Prozent, nachdem OpenAI sein neues Modell „GPT-6 Astra“ vorgestellt hatte – ein Ereignis, das die Erwartungen an den Wert von SoftBanks Beteiligungsportfolio sprunghaft steigen ließ.

Bereits tags zuvor, am 4. September, hatte die Aktie auf ähnlichem Treibstoff um 10,3 Prozent auf 5.515 Yen zugelegt und die Gewinnerliste des Prime Market der Tokioter Börse angeführt. Auch ein Kursplus von 3,3 Prozent bei der Arm-Holdings-ADR, an der SoftBank über seine Tochter beteiligt ist, gab Rückenwind.

Das Muster wiederholt sich fast identisch: eine KI-Schlagzeile, ein zweistelliger Tagessprung, hohes Handelsvolumen. Am 7. September übertraf SoftBank den Nikkei 225, der selbst rund 2,1 Prozent zulegte, um mehr als neun Prozentpunkte – ein Ausschlag, der zeigt, wie stark der Markt SoftBank inzwischen als reinen KI-Proxy handelt, nicht als diversifizierten Beteiligungskonzern.

Der RSI von 69,8 signalisiert dabei bereits eine überkaufte Lage, und die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 68 Prozent unterstreicht, wie nervös dieses Papier mittlerweile gehandelt wird.

Die Kehrseite: Schulden für die Wette

Was mich zusätzlich beschäftigt: Während die Aktie euphorisch nach oben schießt, fährt SoftBank parallel eine massive Fremdkapitalaufnahme. Anfang September platzierte der Konzern eine Retail-Anleihe über eine Billion Yen, umgerechnet 6,3 Milliarden Dollar, mit einem Kupon von 4,75 Prozent – am oberen Ende der zuvor angekündigten Spanne von 4,3 bis 4,9 Prozent.

Und es bleibt nicht dabei: Laut Bloomberg reisen Finanzvorstand Yoshimitsu Goto und weitere Führungskräfte kommende Woche nach New York, um bei Investoren im Citigroup-Büro Interesse an einem möglichen US-Dollar-Junk-Bond auszuloten. Der Konzern presst also weiter Fremdkapital aus dem Markt, um seine KI-Wette zu finanzieren.

Für mich ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: Der Aktienkurs wird von der Fantasie getrieben, dass SoftBanks Beteiligungen – allen voran an OpenAI-nahen Technologien und Arm – im KI-Zeitalter drastisch an Wert gewinnen. Gleichzeitig verschuldet sich der Konzern in einem Tempo, das nur aufgeht, wenn diese Fantasie sich tatsächlich materialisiert.

Die Bewertungsgrundlage bleibt dabei überschaubar konkret: Zum 23. Juni bezifferte SoftBank seinen Nettoinventarwert auf 74 Billionen Yen, entsprechend 13.000 Yen je Aktie. Das ist eine reale Zahl aus dem ersten Geschäftsquartal – doch die aktuelle Kursbewegung hat sich davon längst emanzipiert und lebt von Schlagzeilen, nicht von aktualisierten NAV-Berichten.

Unterm Strich

Ich sehe bei SoftBank zwei Geschichten, die gleichzeitig laufen: eine spekulative Aktienstory, die von jeder neuen KI-Ankündigung befeuert wird, und eine Finanzierungsstrategie, die zunehmend auf Fremdkapital setzt, um genau diese Story zu untermauern.

Die Kombination aus hohem RSI, extremer Volatilität und einer Rally, die fast ausschließlich an fremden Nachrichten – OpenAI, Arm – hängt, spricht für mich gegen die Annahme, dass sich dieses Tempo halten lässt.

Die Neuverschuldung über Milliarden-Bonds zeigt zudem, dass der Konzern selbst offenbar nicht darauf wartet, dass die Kursgewinne allein die nächste Investitionsrunde tragen. Wer diese Aktie hält, sollte sich bewusst sein, dass er derzeit weniger ein Beteiligungsunternehmen bewertet als eine gehebelte Wette auf den nächsten KI-Durchbruch.

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