SoftBank: 6-Milliarden-Übernahme von 1X Technologies

SoftBank verknüpft OpenAI-Finanzierung, Robotikgespräche und SB-Energy-IPO. Die Aktie gibt nach einer starken Rally um 2,8 Prozent nach.

SoftBank kauft sich gerade durch die Zukunft der Technologie – und ich finde, genau das ist unterm Strich die eigentliche Geschichte hinter der aktuellen Kursschwäche, nicht die Anleihe-Roadshow allein.

Während Investoren gestern und heute vor allem auf die geplante Dollar-Junk-Bond-Emission und die Vorfinanzierung der OpenAI-Kreditlinie starrten, verliert eine andere Meldung fast unter, die für mich strategisch mindestens ebenso viel Gewicht trägt: Reuters berichtete am 26. August, dass SoftBank in Gesprächen steht, eine Mehrheitsbeteiligung am humanoiden Robotik-Entwickler 1X Technologies zu übernehmen – zu einer Bewertung von rund 6 Milliarden Dollar. 1X ist ein OpenAI-nahes Unternehmen, was die Vernetzung von SoftBanks Wetten noch enger macht.

Ein Konglomerat, das alles auf eine Karte setzt

Wer die jüngsten Bausteine zusammensetzt, erkennt ein Muster: SoftBank tilgt am 15. September die ausstehenden 25,9 Milliarden Dollar aus der OpenAI-Brückenfinanzierung, sammelt parallel über eine Roadshow in New York zwischen 10 und 20 Milliarden Dollar frisches Fremdkapital ein und verhandelt gleichzeitig über eine Milliarden-Übernahme im Robotik-Sektor.

Dazu kommt die IPO-Anmeldung von SB Energy, einem SoftBank-nahen Unternehmen mit Verbindungen zur Stargate-Initiative, das im ersten Halbjahr 2026 ein Umsatzplus von 66,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auswies.

Für mich liest sich das nicht wie eine Ansammlung einzelner Deals, sondern wie eine durchgetaktete Wette auf die gesamte KI-Infrastruktur – von Sprachmodellen über Energieversorgung bis zu physischen Robotern.

Diese Konzentration hat einen Preis, und den zeigt der Aktienkurs unmissverständlich. Nach der fulminanten Rally der vergangenen Wochen – 28 Prozent auf Sieben-Tage-Sicht, 25 Prozent im 30-Tage-Vergleich – kommt es heute zu einer spürbaren Verschnaufpause. Von 37,58 Euro gestern rutschte das Papier auf aktuell 36,52 Euro ab, ein Minus von 2,8 Prozent.

Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 64 Prozent überrascht mich das kaum. Ein RSI von 68,2 signalisiert zudem, dass die Aktie technisch bereits recht heiß gelaufen war – ein Rücksetzer nach einem derartigen Lauf gehört für mich zum normalen Bild, nicht zum Alarmsignal.

Warum ich die Robotik-Ambitionen ernster nehme als die Anleihe-Nervosität

Reuters kommentierte bereits Anfang September, dass der geplante SB-Energy-Börsengang möglicherweise verfrüht sei, und verwies auf Risiken aus verflochtenen Beziehungen zwischen SoftBank und der Tochter.

Diese Kritik halte ich für berechtigt – sie trifft aber ein Randthema, während der eigentliche Kern der SoftBank-Strategie die direkte Beteiligung an KI-Wertschöpfungsketten bleibt. Die Verhandlungen um 1X Technologies passen exakt in dieses Bild: SoftBank will nicht nur Kapitalgeber für OpenAI sein, sondern über Robotik auch physische Anwendungsfälle kontrollieren.

Aus meiner Sicht spricht das dafür, den heutigen Kursrückgang eher als Atempause denn als Trendwende zu lesen. Die Schuldenlast wächst zwar sichtbar – die Tilgung der 25,9-Milliarden-Dollar-Linie am 15. September, der zuvor platzierte Retail-Bond mit 4,75 Prozent Kupon über 1 Billion Yen und die nun anvisierte Dollar-Anleihe zeigen, wie viel Fremdkapital SoftBank bewegt, um seine KI-Ambitionen zu finanzieren.

Doch diese Verschuldung ist Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck. Wer glaubt, dass generative KI und humanoide Robotik tatsächlich die nächste industrielle Welle werden, für den ergibt die Aggressivität, mit der SoftBank hier vorprescht, durchaus Sinn.

Die Kehrseite darf man dabei nicht verschweigen: Sollte die Roadshow in New York schwächer laufen als erhofft oder die Robotik-Wette sich als überteuert erweisen, würde die hohe Volatilität der Aktie jede Enttäuschung brutal verstärken.

Für mich überwiegen aktuell dennoch die Chancen einer konsequent verfolgten Strategie gegenüber den kurzfristigen Nervositäten des Anleihemarktes. Der heutige Rücksetzer ist für mich weniger ein Warnsignal als eine Erinnerung daran, wie eng SoftBanks Schicksal mittlerweile mit dem Erfolg der gesamten KI-Infrastruktur verknüpft ist.

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