SoftBank Group Aktie: Rekordanleihe über 1 Billion Yen

SoftBank emittiert Japans größte Anleihe zur Finanzierung der OpenAI-Wette. Analysten sehen Risiken durch fällige Verbindlichkeiten und hohe Zinslast.

Die Kernpunkte:
  • Größte Yen-Anleihe Japans
  • OpenAI-Wette treibt Finanzierungsbedarf
  • SoftBank Corp. meldet Rekordumsatz
  • Hohe Volatilität von 75 Prozent

SoftBank Group treibt seine gewaltige Anleihe über eine Billion Yen voran, um Investitionszusagen für OpenAI zu stemmen. Für mich ist das der eigentliche Stresstest für Masayoshi Sons Konzern – nicht die Quartalszahlen der Tochter SoftBank Corp., die vor gut drei Wochen veröffentlicht wurden und seither ohnehin für einen Kursrückgang von 10,4 Prozent gesorgt haben.

Eine Billion Yen für eine Wette auf die Zukunft

Die Konditionen sind bemerkenswert: Siebenjährige Anleihen sollen am 4. September gepreist werden, mit einer indikativen Kuponspanne von 4,3 bis 4,9 Prozent. Das ist kein Pappenstiel – und es zeigt, wie teuer sich SoftBank die Finanzierung seiner KI-Ambitionen erkaufen muss.

Gleichzeitig stehen im September Anleihen im Volumen von 497,9 Milliarden Yen zur Rückzahlung an, und eine Brückenfinanzierung über 40 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit OpenAI wird im März 2027 fällig. Unterm Strich sehe ich hier ein Unternehmen, das seine Bilanz auf Kante näht, um bei der größten technologischen Wette seiner Geschichte nicht zu kurz zu kommen.

Man kann das mutig nennen. Man kann es auch riskant nennen. Für mich überwiegt derzeit die zweite Lesart. Eine Billion Yen ist die größte Anleiheemission, die je ein Emittent in Japan aufgelegt hat – das allein sollte Anlegern zu denken geben.

Wenn ein Konzern in dieser Größenordnung an den Rentenmarkt geht, während gleichzeitig Milliardenbeträge aus früheren Verpflichtungen fällig werden, entsteht ein enges finanzielles Korsett. Die Frage, die sich mir stellt: Trägt die Wette auf OpenAI diese Last?

Operatives Geschäft liefert – aber reicht das?

Auf der positiven Seite steht, dass das operative Geschäft der Tochter SoftBank Corp. zuletzt durchaus überzeugte. Der Umsatz kletterte im ersten Fiskalquartal auf 1.814,7 Milliarden Yen, ein Plus von 9 Prozent zum Vorjahr und ein Rekordwert für ein erstes Quartal.

Auch das operative Ergebnis und der Nettogewinn legten jeweils um rund 7 bis 9 Prozent zu. Das zeigt: Das Kerngeschäft trägt sich selbst. Doch die Konzernmutter SoftBank Group verfolgt eine andere Logik – sie ist längst eine Investmentholding, deren Bewertung stark von Beteiligungen wie Intel und eben den KI-Wetten abhängt.

Die jüngsten Quartalszahlen der Gruppe fielen dabei besser aus als befürchtet, getragen von der Intel-Position – doch das ist Schnee von vorgestern und für die aktuelle Kursbewegung kaum mehr relevant.

Strategisch baut SoftBank parallel an neuer Infrastruktur: Mit der neu gegründeten Gesellschaft SB Neo soll das Neocloud-Geschäft in den USA aufgebaut werden, während in Japan bereits eine Betaversion der Software Infrinia AI Cloud OS läuft, deren regulärer Start für das Geschäftsjahr 2027 angepeilt wird.

Auch die Übernahme von DigitalBridge für 16,00 Dollar je Aktie in bar, im Dezember 2025 vereinbart, nähert sich der Vollzugsphase. All das fügt sich zu einem Bild: SoftBank baut aggressiv aus, auf mehreren Feldern gleichzeitig – Cloud-Infrastruktur, KI-Software, strategische Übernahmen und die milliardenschwere OpenAI-Beteiligung.

Mein Fazit

Der Aktienkurs spiegelt diese Ambivalenz wider: Nach einem Anstieg von 2,6 Prozent am Dienstag notiert das Papier bei 27,77 Euro, doch auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von 4,5 Prozent zu Buche. Die hohe annualisierte Volatilität von 75 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt die Gemengelage aus Rekordanleihe, fälligen Verbindlichkeiten und KI-Fantasie derzeit einpreist.

Für mich bleibt SoftBank ein Konzern der Extreme: enormes strategisches Potenzial auf der einen Seite, eine zunehmend angespannte Finanzierungsstruktur auf der anderen. Die Billionen-Yen-Anleihe ist kein Zeichen von Schwäche per se – aber sie ist ein Signal, dass Son bereit ist, erhebliche Risiken einzugehen, um bei OpenAI am Tisch zu sitzen.

Ob sich das auszahlt, entscheidet sich nicht am 4. September, sondern in den Jahren danach, wenn die KI-Wetten entweder Früchte tragen oder die Zinslast drückt. Die Chancen und Risiken liegen für mich derzeit ziemlich genau im Gleichgewicht – ein Urteil, das sich mit jeder neuen Nachricht aus Tokio verschieben kann.

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