SoftBank Group Aktie: Verhandlungen über 100-Milliarden-Fonds

SoftBank sucht Investoren für ein Übernahmevehikel, während hohe Finanzierungskosten und ausbleibende Zusagen den Spielraum belasten.

Die Kernpunkte:
  • Gespräche über bis zu 100 Milliarden Dollar
  • Hochzinsanleihen über 11,1 Milliarden Dollar platziert
  • Euro-Anleihe soll vorzeitig zurückgezahlt werden
  • SoftBank-Aktie verlor binnen sieben Tagen 12 Prozent

Wer geglaubt hat, Masayoshi Son würde nach den teuren Lektionen früherer Tech-Zyklen vorsichtiger agieren, sieht sich einmal mehr getäuscht. Der Chef der SoftBank Group treibt seine Vision einer allumfassenden Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz mit atemberaubender Geschwindigkeit voran.

Wie die Financial Times berichtete, verhandelt Son derzeit mit Investoren in der Golfregion über bis zu 100 Milliarden US-Dollar für ein neues Übernahmevehikel. Für mich ist dieses Vorhaben jedoch weniger ein Beweis visionärer Stärke als vielmehr ein riskanter Balanceakt auf einem zunehmend nervösen Kapitalmarkt.

Teure Schulden für gigantische Wetten

Der Plan hinter dem Vorstoß folgt Sons bekanntem Muster: Konzerne aufkaufen und mithilfe moderner KI-Systeme transformieren. Doch die Rahmenbedingungen für solche Megaprojekte haben sich dramatisch gewandelt. Im Vormonat platzierte die SoftBank Group bereits Hochzinsanleihen im Volumen von 11,1 Milliarden US-Dollar.

Bei Renditen von bis zu 9,75 Prozent für die siebenjährige Tranche bewegt sich der Konzern in Regionen, die unmissverständlich signalisieren, wie hoch die Risikoprämien an den Anleihemärkten mittlerweile sind.

Gleichzeitig kündigte SoftBank gestern an, eine ausstehende Euro-Anleihe über 405,1 Millionen Euro mit Fälligkeit 2027 vorzeitig am 22. Oktober zu 100 Prozent des Nennwerts zurückzuzahlen.

Eine solche Bereinigung alter Verbindlichkeiten ändert jedoch nichts am Kernproblem: Die Refinanzierungskosten für neue Vorhaben explodieren. Wer Milliardensummen zu fast zweistelligen Zinsen aufnimmt, um gigantische Anteile wie die Beteiligung an OpenAI zu stemmen, setzt alles auf eine Karte.

Zweifel an den Renditen der Branche

Dass die Märkte diesen Schuldenberg mit wachsender Skepsis betrachten, liegt auf der Hand. Hinzu kommt, dass der Glaube an ein endloses, reibungsloses Umsatzwachstum im KI-Sektor erste Risse zeigt.

Berichte der Financial Times über eine schwächer als erhofft ausgefallene Umsatzdynamik bei OpenAI versetzten Tech-Werten zuletzt spürbare Dämpfer. Wenn die Erlöse der Vorzeigeunternehmen den optimistischen Erwartungen hinterherhinken, gerät das gesamte Bewertungsgerüst ins Wanken.

Für Anleger stellt sich deshalb eine unbequeme Frage: Wie lange kann SoftBank noch als Vorreiter gefeiert werden, wenn die Monetarisierung der KI-Technologie langsamer vorankommt als die Anhäufung der Verbindlichkeiten?

Zwar wies der Konzern per Ende Juni einen Nettoinventarwert von 72,3 Billionen Yen aus. Doch der Spielraum für Fehltritte schrumpft zusehends, wenn institutionelle Partner im Nahen Osten zögern und feste Zusagen bislang ausbleiben.

Das Pendel schlägt gegen die Wagemutigen aus

An der Börse hinterlässt dieser Spagat bereits deutliche Spuren. Zwar schloss die SoftBank-Aktie am Freitag bei 32,27 Euro mit einem leichten Tagesplus von 1,0 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht jedoch ein deutliches Minus von 12 Prozent zu Buche. Dieser Rücksetzer verdeutlicht, dass die Anleger Sons wachsende Hebelwirkung nicht mehr bedingungslos mit Kursaufschlägen belohnen.

Unterm Strich spricht das aktuelle Marktumfeld gegen überstürzten Optimismus. Die Zeiten, in denen billiges Kapital riskante Übernahmefantasien fast zum Nulltarif anheizte, sind endgültig vorbei.

Solange Masayoshi Son für seine 100-Milliarden-Dollar-Idee keine belastbaren Partner präsentieren kann und teure Hochzinsanleihen die Bilanz belasten, überwiegen für mich die Gefahren. SoftBank manövriert in schwerer See, und die nächste Welle könnte das Portfolio empfindlich treffen.

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