Solarworld: Vorsicht Falle?

Über 115 % Gewinn nur drei Handelstagen – das ist die überraschende Bilanz bei Solarworld. Überraschend vor allem auch deshalb, weil das Unternehmen bislang eher als Pleitekandidat gehandelt wird. Schuld daran ist ein Rechtsstreit in den USA.

© SolarWorld

Mitte letzten Jahres hatte Solarworld, das Solarmodule herstellt, in Amerika in erster Instanz gegen den US-Silizium-Lieferanten Hemlock Semiconductors verloren. Bei dem Rechtsstreit geht es um nicht eingehaltene Verträge zur Abnahme von Silizium. Insgesamt wurde Solarworld in erster Instanz zur Zahlung von 800 Millionen Dollar verurteilt. Geld, welches das Unternehmen unter keinen Umständen aufbringen könnte. Zum Vergleich: Trotz der mehr als Kursverdoppelung beträgt die Marktkapitalisierung des Unternehmens derzeit nur knapp 79 Millionen Euro.

Operative Risiken

Doch nicht nur dieses Damokles-Schwert aus dem Rechtsstreit schwebt drohend über der Aktie, sondern auch der nach wie vor schwierige Markt für Solarmodule. Dieser ist weiterhin von hohem Wettbewerbsdruck und Überkapazitäten, insbesondere auch aus Asien, gekennzeichnet. Entsprechend hält der Preisverfall für Solarmodule grundsätzlich weiter an.

Neue Gerüchte treiben Aktie nach oben

Warum also diese unglaubliche Rallye? Grund hierfür könnten aktuelle Gerüchte sein, dass sich Solarworld möglicherweise außergerichtlich mit Hemlock einigen könnte. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Denn auch den Amerikanern dürfte klar sein, dass sie über eine Verurteilung von Solarworld wohl niemals an die 800 Millionen Dollar kommen, weil dann das deutsche Unternehmen wohl in die Insolvenz gehen müsste.

Andererseits dürfte der deutsche Modul-Hersteller kaum viel Verhandlungsmacht haben, um die Schadensersatzforderungen extrem abzusenken. Gebe es tatsächlich eine außergerichtliche Einigung, würde wohl auch diese sehr teuer für Solarworld werden. Dennoch:

Solarworld profitiert von Short Squeeze

Die Gerüchte scheinen gereicht zu haben, um bei Solarworld eine Short Squeeze auszulösen. Das heißt, dass sich Anleger, die über Leerverkäufe auf weiter fallende Kurse gesetzt haben, unbedingt eindecken müssen, um nicht Verluste erleiden zu müssen, weil die Kurse wieder nach oben gehen.

So wurden nach Angaben der Internetseite shortsqueeze.com die Leerverkäufe in Solarworld heute um über 80 % zurückgefahren. Damit wurden die meisten Leerverkaufs-Positionen in der Aktie geschlossen, was natürlich nun auch Einfluss auf die weiteren Kursperspektiven hat.

Denn es ist kaum vorstellbar, dass sich hier jetzt echte Anschlusskäufe finden, da das Anlagerisiko weiterhin extrem hoch ist. Insofern können wir an dieser Stelle nur warnen, jetzt auf den vermeintlichen Turnaround-Zug aufzuspringen, denn dieser dürfte den Großteil seiner Strecke schon hinter sich haben.

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