Solarworld: Warnt hier jemand vor der Pleite?

Die Aktie des Solarmodul-Herstellers Solarworld startet mit positivem Vorzeichen in die neue Woche. Allerdings könnte sich dies bald ändern. Denn das Unternehmen selbst schätzt seine Risikosituation als sehr hoch ein.

© SolarWorld
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Wobei hier zwei Themen eine besondere Rolle spielen. Zum einen läuft es bei Solarworld operativ nicht gut. So hatte das Unternehmen für das dritte Quartal einen Verlust vor Zinsen und Steuern in Höhe von 24,5 Millionen € gemeldet. Netto ergab sich daraus ein Verlust von fast 39 Millionen €, weshalb der Konzern auch seine Prognose für das Gesamtjahr einkassierte. Bislang hatte man hier ein Umsatzziel von bis zu 1 Milliarde € und ein operatives Ergebnis zwischen minus 10 Millionen € und plus 10 Millionen € in Aussicht gestellt.

Überkapazitäten machen Solarworld zu schaffen

Als Grund für die schwachen Perspektiven nannte Konzernchef Frank Asbeck vor allem den Wettbewerbsdruck aus China. Hier gebe es unerwartet hohe Überkapazitäten, nachdem das Installationsziel 2016 für Solaranlagen in China selbst bereits im ersten Halbjahr erreicht worden war. Als Folge hätten viele chinesische Hersteller ihre Module nun zu Dumping-Preisen auf den Markt geworfen.

Weitaus risikoträchtiger bleibt allerdings ein Verfahren in den USA. Hier hatte bereits im Juli ein Richter entschieden, dass Solarworld mindestens 793 Millionen Dollar an den Siliziumlieferanten Hemlock zahlen müsse. Diese stammen aus nicht eingehaltenen Abnahmeverpflichtungen. Dagegen hat das Unternehmen natürlich Berufung eingelegt. Doch deren Ausgang ist mehr als ungewiss.

US-Verfahren bedroht weiterhin Existenz

Wobei Solarworld mehr oder weniger die Wahl zwischen Pest und Cholera hat. Denn eigentlich kann sich das Unternehmen nur dann wirklich aus der Affäre ziehen, wenn man mit der Berufung Erfolg hat. Wenn nicht, könnte man vielleicht noch darauf hoffen, dass das Urteil in Deutschland selbst nicht vollstreckt werden kann.

Was aber letztlich wohl hieße, dass man sich nicht nur den amerikanischen Markt verbrennen würde, sondern dass dies wohl auch Einfluss auf andere internationale Aktivitäten hätte. Würde das Urteil Bestand haben und in Deutschland durchgesetzt werden, stünde ganz klar eine Insolvenz von Solarworld im Raum, weil man schlichtweg nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügt.

Aktie ein Spielball der Zocker?

Dass unter solchen Voraussetzungen die Aktie heute sehr ordentlich im Plus ist, lässt sich eigentlich nur daraus erklären, dass hier echte Zocker am Werk sind, die darauf setzen, dass die Rechtsstreitigkeiten zugunsten von Solarworld ausgehen.

Würde dies geschehen, wäre sicherlich eine kräftige Rallye bis in den Bereich von 5 € vorstellbar. Grundsätzlich würde das aber nichts daran ändern, dass das Unternehmen operativ weiterhin schweren Zeiten gegenübersteht.

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