S&P 500: 8.000-Punkte-Ziele treffen auf Nahost-Risiko

Trotz geopolitischer Spannungen und steigender Ölpreise erhöhen Großbanken ihre S&P-500-Kursziele auf bis zu 8.250 Punkte.

Die Kernpunkte:
  • Index verliert trotz optimistischer Prognosen
  • JPMorgan hebt Ziel auf 8.000 Punkte
  • Rekordwachstum bei Cloud-Diensten
  • Negative Cashflows bei Hyperscalern erwartet

Während Wall-Street-Banken den S&P 500 in immer neue Höhen rechnen, sorgt der Nahe Osten für Ernüchterung. Der Index schloss am Montag bei 7.745,06 Punkten, ein Minus von 0,52 Prozent. Auslöser war der Ablauf der 60-tägigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran, verbunden mit steigenden Ölpreisen und Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs.

Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe kletterte auf ein Zwei-Jahrzehnte-Hoch von 5,321 Prozent, die zehnjährige Anleihe notierte bei 4,724 Prozent. Präsident Trump bekräftigte, an einer Verlängerung der Waffenruhe kein Interesse zu haben, und drohte zudem dem Oman im Zusammenhang mit der Straße von Hormus. Die Ölpreise reagierten prompt: Brent-Rohöl zog auf 91,20 Dollar je Barrel an, das dritte Tagesplus in Folge.

Optimismus der Analysten trotz geopolitischer Spannungen

Ausgerechnet in dieser angespannten Phase überbieten sich große Häuser mit Kurszielen für den Index. JPMorgan hob sein Jahresendziel binnen fünf Monaten bereits zum zweiten Mal an, aktuell auf 8.000 Punkte – nach 7.600 im April und 7.800 im Juni.

Begründet wird der Optimismus mit einer außergewöhnlich starken Berichtssaison: Von 436 S&P-500-Unternehmen, die bis Anfang August ihre Zahlen vorgelegt hatten, übertrafen 85,1 Prozent die Erwartungen, deutlich über dem langjährigen Schnitt von 68 Prozent.

Goldman Sachs zog mit einer Anhebung auf 8.000 Punkte bereits im Mai nach und verweist auf die Kapitalausgaben der Hyperscaler, die 2026 auf schätzungsweise 754 Milliarden Dollar steigen sollen.

Citigroup soll bei 8.100 Punkten liegen, Yardeni Research rechne sogar mit bis zu 8.250 Punkten. Der von Bloomberg erhobene Konsens von 20 Strategen liegt bei 7.845 Punkten – JPMorgan positioniert sich damit über dem Marktdurchschnitt.

Kein Wunder, dass Anleger bei solchen Diskrepanzen zwischen Kurszielen und aktueller Marktlage nervös reagieren. Eine Auswertung historischer JPMorgan-Prognosen zeigt zudem: In den vergangenen zwölf abgeschlossenen Prognosejahren traf die Bank kein einziges Mal den tatsächlichen Jahresendstand innerhalb einer Abweichung von drei Prozent.

Cloud-Wachstum als Rechtfertigung für KI-Ausgaben

Die Kurszielanhebungen stützen sich maßgeblich auf die Cloud-Sparten der großen Tech-Konzerne. Das Wachstum bei Amazon Web Services beschleunigte sich auf 37 Prozent im Jahresvergleich, bei Microsofts Azure auf 43 Prozent, während Google Cloud mit 82 Prozent ein Rekordwachstum verzeichnete. Der Auftragsbestand von Google Cloud stieg quartalsweise um 52 Milliarden auf 514 Milliarden Dollar.

Ein Risiko bleibt allerdings bestehen: Der freie Cashflow der Hyperscaler dürfte laut JPMorgan bis 2027 negativ bleiben. Auf Zwölfmonatsbasis stehen einem Nettogewinn von 599 Milliarden Dollar nur 169 Milliarden Dollar an freiem Cashflow gegenüber – eine Lücke, die sich seit Ende 2025 deutlich ausgeweitet hat.

Ob sich die optimistischen Jahresendziele gegen die geopolitische Unsicherheit durchsetzen, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen. Die abgelaufene Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran und die drohende Eskalation um die Straße von Hormus bleiben der entscheidende Unsicherheitsfaktor für die kurzfristige Kursentwicklung des Index.

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