S&P 500 auf Rekord, aber 2.465 Aktien fallen — die Rally der Wenigen

Trotz neuer Höchststände fallen im S&P 500 mehr Aktien als steigen. Die Konzentration auf wenige Werte prägt die aktuelle Marktbewegung.

Die Kernpunkte:
  • S&P 500 erreicht neuen Rekord
  • Mehrheit der Aktien fällt
  • Trump und Xi treffen sich
  • Ölpreis treibt Zinsdebatte

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern fragte ich, ob aus dem aktuellen Gleichgewicht an den Märkten Stabilität wird oder nur eine Pause vor dem nächsten Preisschub. Die Antwort dieses Donnerstags: weder noch. Die Indizes steigen weiter — S&P 500 bei 7.513 Punkten, Dow Jones über 50.000, DAX bei 24.456. Aber im S&P 500 standen am Donnerstag 1.618 Gewinnern 2.465 Verlierer gegenüber. Eine Advance-Decline-Ratio von 0,66. Der Index klettert, die Mehrheit seiner Mitglieder nicht. Das ist keine Rally. Das ist Konzentration.

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DAX legt zu — bei dünnem Volumen

Der DAX eröffnete am Donnerstag mit plus 0,95 Prozent bei 24.366 Punkten und schloss 1,32 Prozent höher bei 24.456 Zählern — ein Plus von gut 300 Punkten gegenüber dem Mittwochsschluss bei 24.137. Der Handel war feiertagsbedingt dünn, die Spanne eng: Tageshoch bei 24.493, Tagestief bei 24.330. Der Gesamtbörsenwert der DAX-Mitglieder lag bei 1,992 Billionen Euro.

Die Impulse kamen aus Technologie und Industrie. Infineon führte den Index mit plus 4,32 Prozent auf 67,14 Euro an, bei 2,29 Millionen gehandelten Aktien das höchste Volumen im DAX. Daimler Truck gewann 2,30 Prozent auf 40,91 Euro, Siemens 2,19 Prozent auf 272,65 Euro. Siemens bleibt mit 201,7 Milliarden Euro Marktkapitalisierung der schwerste DAX-Wert; die angekündigte Übernahme des Bahntechnologie-Spezialisten Mermec stützte zusätzlich. Auf der Verliererseite: BMW mit minus 4,78 Prozent auf 76,84 Euro und Scout24 mit minus 3,57 Prozent auf 74,35 Euro.

Bemerkenswert im Nebenwerte-Segment: thyssenkrupp legte 3,94 Prozent auf 10,82 Euro zu, nachdem Citigroup-Analyst Ephrem Ravi sein Kursziel von 13 auf 15 Euro angehoben hatte. Begründung: bessere Gewinnentwicklung im zweiten Geschäftsquartal als erwartet.

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Trump und Xi in Peking — Diplomatie ja, Substanz offen

Der politische Fixpunkt des Tages war das Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Peking. Beide Seiten sprachen von einer konstruktiven, strategisch stabilen Beziehung. Xi betonte, die Länder sollten Partner und nicht Rivalen sein — warnte aber zugleich, ein schlechter Umgang mit der Taiwan-Frage könne zu Konflikten führen.

Die Zahlen dahinter: Der bilaterale Handel zwischen den USA und China lag 2025 bei 414,7 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 40 Prozent gegenüber den 690,4 Milliarden Dollar aus 2022. Das US-Handelsdefizit mit China betrug zuletzt über 200 Milliarden Dollar. Trump fordert mehr chinesische Käufe von US-Agrarprodukten; China will niedrigere US-Zölle und signalisiert Interesse an US-Ölimporten.

Für die Aktienmärkte unmittelbar relevant: Chinesische Unternehmen erhielten Genehmigungen zum Kauf von Nvidias H200-Chips. Nvidia legte zeitweise um 3 bis 4,2 Prozent zu; der Börsenwert liegt laut Reuters bei rund 5,6 Billionen Dollar. Gleichzeitig bleibt die juristische Basis des Handelskonflikts brüchig: Ein US-Gericht für Internationalen Handel erklärte Trumps Ersatz-Grenzzölle für illegal. Trump hatte sich auf Section 122 des Trade Act von 1974 berufen, die Zölle bis 15 Prozent für 150 Tage erlaubt — vorausgesetzt, es liegen große und ernste US-Zahlungsbilanzdefizite vor. Das Gericht sah diese Voraussetzung nicht erfüllt.

Wall Street: Rekorde oben, Schwäche in der Breite

An der Wall Street erreichten S&P 500 und Nasdaq am Donnerstag neue Höchststände. Der S&P 500 notierte bei 7.513 Punkten (plus 0,92 Prozent), der Nasdaq Composite bei 26.693 Punkten (plus 1,10 Prozent), der Dow Jones bei 50.153 Punkten (plus 0,92 Prozent).

Getragen wurde die Bewegung von wenigen Einzelwerten. Cisco sprang nach Quartalszahlen und angehobener Jahresprognose um 13 bis 15,5 Prozent — und kündigte gleichzeitig den Abbau von rund 4.000 Stellen an. Auch Nvidia zog mit. Doch die Breite fehlte: 2.465 Verlierer gegenüber 1.618 Gewinnern im S&P 500.

Die Konjunkturdaten bestätigten das gemischte Bild. US-Einzelhandelsumsätze stiegen im April um 0,5 Prozent, ohne Autos um 0,7 Prozent. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe kletterten in der Woche bis 9. Mai um 12.000 auf 211.000 — über der Erwartung von 205.000. US-Importpreise legten im April um 1,9 Prozent zu; bei Treibstoffimporten betrug der Anstieg 16,3 Prozent.

Drei Notenbanken, ein Problem: Öl treibt die Zinserwartungen

Der Energieschock verschiebt die Zinsdebatte auf drei Kontinenten gleichzeitig. In der Eurozone stieg die Inflation im April auf 3,0 Prozent; die Energiekomponente legte um 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel bezeichnete EZB-Zinserhöhungen als „zunehmend wahrscheinlich“. EZB-Chefökonom Philip Lane verwies auf den globalen Energieschock durch den Iran-Krieg. Eine Reuters-Umfrage im Mai sah mehrheitlich eine EZB-Zinserhöhung am 11. Juni.

In den USA bestätigte der Senat Kevin Warsh als neuen Fed-Vorsitzenden. Boston-Fed-Präsidentin Susan Collins hält eine Zinserhöhung bei anhaltendem Inflationsdruck für möglich, aber nicht für ihr wahrscheinlichstes Szenario. Das US-Finanzministerium platzierte 30-jährige Staatsanleihen mit einer Rendite von 5,058 Prozent. Die 30-jährige Rendite lag bei 5,02 Prozent, die zehnjährige bei rund 4,44 bis 4,45 Prozent. In Deutschland stieg der Euro-Bund-Future um 0,30 Prozent auf 125,23 Punkte; die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag bei 3,06 Prozent.

In Japan steht die Bank of Japan nach Aussagen von Ratsmitglied Kazuyuki Masu vor möglichen früheren Zinserhöhungen, falls höhere Ölpreise die Inflation weiter antreiben. Der Nikkei 225 markierte zunächst ein Rekordhoch, fiel dann aber um rund 1 Prozent auf 62.654 Punkte.

Öl, Gold, Bitcoin: Knappheit, Stabilität, Abflüsse

Brent-Öl notierte am Donnerstag um 105 Dollar je Barrel. Die IEA berichtete, dass die globalen Ölbestände im März und April um 4 Millionen Barrel pro Tag gefallen seien und der Markt bis Oktober unterversorgt bleiben könnte.

Gold-Futures blieben nahezu unverändert auf hohem Niveau: Comex-Gold für Juni bei 4.705,92 Dollar je Unze. Silber für Juli fiel in New York um 2 Prozent auf 87,82 Dollar je Unze.

Bitcoin bewegte sich am Donnerstag im Bereich von 79.246 bis 81.456 Dollar. Belastend wirkten Abflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs: Am 14. Mai wurden 635 Millionen Dollar an einem einzigen Tag abgezogen; die gesamten Nettoabflüsse der Woche lagen bei 1,26 Milliarden Dollar. Gegenläufig: Charles Schwab öffnete am 13. Mai den direkten Handel mit Bitcoin und Ethereum für US-Privatkunden — ein Broker mit 11,77 Billionen Dollar Kundenvermögen.

Was jetzt zählt

Die kommenden Tage werden an drei Fragen entschieden: Münden die diplomatischen Signale aus Peking in konkrete Handels- und Energieabsprachen? Heizen Ölpreise über 105 Dollar die Zinserwartungen bei EZB, Fed und Bank of Japan weiter an? Und wird die Aktienrally breiter — oder bleibt sie das Produkt einer Handvoll Mega-Caps? Für Anleger ist weniger entscheidend, ob der nächste Indexrekord fällt. Entscheidend ist, ob er von 500 Aktien getragen wird oder von 50.

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Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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