S&P 500: Cashflow-Loch?

Goldman Sachs sieht schwächeren Gewinnzuwachs und anhaltend negativen Cashflow bei fünf großen Technologiekonzernen.

Die Kernpunkte:
  • Wilson hält 7.100 Punkte für möglich
  • Erholung auf 8.000 Punkte erwartet
  • Fünf Tech-Konzerne mit negativem Cashflow
  • Technologie und Kommunikation treiben Gewinne

Für den S&P 500 rückt die Finanzierung des KI-Ausbaus stärker in den Mittelpunkt. Trotz der Belastungen bleibt Morgan Stanleys Mike Wilson grundsätzlich optimistisch.

Wie CNBC TV18 heute berichtet, hält er bei anhaltendem Stress durch Wahlen, KI und Liquidität zunächst einen Rückgang auf 7.100 Punkte für möglich. Anschließend erwartet er eine Erholung auf 8.000 Punkte. Sein Szenario verbindet damit kurzfristige Vorsicht mit einer positiven längerfristigen Einschätzung.

Wachstum allein reicht nicht mehr

Der entscheidende Prüfstein ist nicht mehr allein das Wachstum der KI-Geschäfte. Ebenso wichtig wird die Frage, wie viel Geld nach den hohen Investitionen übrig bleibt. Medienberichten von heute zufolge belasten neben schwachen Ergebnissen großer US-Technologieunternehmen auch die Finanzierungslasten des KI-Ausbaus die US-Indizes.

Wie groß diese Belastung bereits ist, verdeutlichen Berechnungen von Goldman Sachs. Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle verzeichneten zusammen einen negativen freien Cashflow von rund 31 Milliarden US-Dollar. Für 2027 erwartet die Bank eine weitere Verschlechterung und erst für 2028 wieder positive Werte.

Damit verschiebt sich der Bewertungsmaßstab. Stark steigende Umsätze können die Investitionen zwar wirtschaftlich begründen. Für Anleger zählt aber zunehmend, wann daraus auch verfügbare Mittel entstehen. Die Aussicht auf weiteres Wachstum beseitigt den Finanzierungsbedarf nicht.

Gewinnmotor dürfte langsamer laufen

Goldman Sachs erwartet beim S&P 500 weiterhin kräftige Gewinnzuwächse. Das Wachstum dürfte allerdings von knapp 30 Prozent im Jahr 2026 auf etwa 18 Prozent im Jahr 2027 zurückgehen. Für die KI-Infrastruktur prognostiziert die Bank ebenfalls eine deutliche Verlangsamung.

Das ist kein Szenario einbrechender Gewinne. Es bedeutet vielmehr, dass ein wichtiger Wachstumstreiber an Tempo verlieren könnte. Für die Beurteilung des Index ist dieser Unterschied wesentlich: Gute Unternehmensergebnisse und eine enttäuschende Börsenentwicklung schließen einander nicht aus.

Die bislang veröffentlichten Ergebnisse unterstreichen zugleich die Bedeutung weniger Sektoren. Nach Angaben von Goldman Sachs trugen Technologie und Kommunikation mehr als 60 Prozent zum Gewinnwachstum des S&P 500 bei. Der Median des Gewinnwachstums lag dagegen bei 12 Prozent. Die kräftige Gesamtentwicklung verteilt sich somit nicht gleichmäßig auf die Unternehmen.

Ereignisreiche Woche als Belastungsprobe

Zusätzliche Unsicherheit bringen die anstehenden US-Zwischenwahlen und der Arbeitsmarktbericht. Auch Apple und weitere Unternehmen legen Zahlen vor. Diese Termine treffen auf einen Markt, der die Ertragskraft hoher KI-Ausgaben kritischer beurteilt.

Wilsons positives Szenario ist deshalb nicht mit einer Entwarnung für die nächsten Handelstage gleichzusetzen. Seine Einschätzung lässt ausdrücklich weitere Verluste zu. Für Anleger liegt die zentrale Unterscheidung zwischen einer vorübergehenden Stressphase und einer dauerhaften Verschlechterung der Gewinnperspektiven. Entscheidend dafür werden neben den Ergebnissen vor allem die Investitionspläne und die Entwicklung des freien Cashflows sein.

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