S&P 500: Diplomatie schlägt Anleihesorgen

Ein iranischer Vorschlag belebt die Diplomatie und drückt die Ölpreise, während hohe Renditen den Aktienmarkt weiter belasten.

Die Kernpunkte:
  • S&P 500 gewinnt am Freitag 0,3 Prozent
  • Nasdaq 100 steuert auf Wochenplus von 3,2 Prozent
  • Iranischer Vorschlag sieht Hormus-Öffnung unter Bedingungen vor
  • Zehnjahresrendite erreicht höchsten Stand seit 2007

Nach einer Woche im Zeichen explodierender Anleiherenditen richtet sich der Blick der Wall Street plötzlich wieder auf den Nahen Osten. Der S&P 500 legte am Freitag um 0,3 Prozent auf 7.727 Punkte zu, der Dow Jones stieg um 0,4 Prozent auf 51.552 Zähler.

Der Nasdaq 100 gewann ebenfalls 0,4 Prozent und steuert damit auf ein Wochenplus von rund 3,2 Prozent zu — ein deutlicher Kontrast zum breiteren Markt, der nach dem jüngsten Ausverkauf lediglich einen leichten Wochenverlust auszugleichen versucht.

Auslöser der Erleichterung ist ein neuer iranischer Vorschlag zur Wiederaufnahme der Verhandlungen. Laut Berichten könnte die für den Ölhandel entscheidende Straße von Hormus nach sieben Tagen wieder geöffnet werden, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Aus dem Weißen Haus hieß es, über Vermittler liefen positive und konstruktive Gespräche. Die Ölpreise gaben daraufhin nach, bewegen sich aber weiterhin auf erhöhtem Niveau.

Anleihemarkt bleibt der eigentliche Belastungsfaktor

Die Erholung am Aktienmarkt kaschiert nur teilweise, was in dieser Woche wirklich für Nervosität gesorgt hat. Der Zehnjahres-Treasury-Zins kletterte am Donnerstag auf ein Post-2007-Hoch, der Dreißigjahres-Zins erreichte sein höchstes Niveau seit 2004. Der Zehnjahres-Zins verzeichnete damit den größten Zweitageanstieg seit dem „Liberation Day“ im vergangenen Jahr.

Der Mechanismus dahinter ist ungewöhnlich direkt: Steigende Ölpreise nähren Inflationssorgen, treiben die Anleiherenditen nach oben und belasten darüber die Aktienbewertungen — höhere Diskontsätze schmälern den Barwert künftiger Gewinne. Ob Öl tatsächlich derart stark auf langfristige Zinsen wirken sollte, wird unter Marktbeobachtern durchaus diskutiert.

Fest steht: Ein Angriff mit ballistischen Raketen auf saudische Ölinfrastruktur hatte die Ölpreise am Donnerstag zeitweise um bis zu 5 Prozent nach oben schnellen lassen, bevor Berichte über die US-Iran-Gespräche einen Teil der Gewinne wieder auffraßen.

Fragiles Gleichgewicht

Die Ruhe an den Märkten bleibt damit an eine einzige Bedingung geknüpft: Hält die diplomatische Annäherung, könnte die Straße von Hormus binnen der genannten sieben Tage wieder geöffnet werden und damit den Öldruck auf die Anleiherenditen nehmen. Bricht die Vermittlung dagegen ab, dürfte der Markt schnell zu seiner Verwundbarkeit gegenüber Öl- und Zinsschocks zurückkehren, die noch am Donnerstag sichtbar wurde.

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