S&P 500: Drei Banken, ein Kursziel-Wettstreit
Drei Banken begründen ihre positiven S&P-500-Ausblicke mit starkem Gewinnwachstum, verweisen aber auf saisonale Schwankungen und steigende Renditen.

- Gewinn je Aktie steigt deutlich
- Goldman erwartet 8.700 Punkte
- Jefferies prognostiziert bis zu 9.000
- Herbst könnte vorübergehend schwächer verlaufen
Während sich Anleger noch fragen, wie lange die Rekordjagd an der Wall Street weitergeht, liefern gleich drei große Häuser eine klare Antwort: nach oben. Goldman Sachs, Jefferies und UBS zeichnen in ihren aktuellen Ausblicken ein Bild, das trotz hoher Bewertungen wenig Raum für Pessimismus lässt.
Gewinne wachsen schneller als die Bewertung
Goldman Sachs hat sich die Gewinnentwicklung im S&P 500 genau angesehen und kommt zu einem bemerkenswerten Befund: Der Gewinn je Aktie legte im zweiten Quartal um 51 Prozent zu, über die vergangenen vier Quartale waren es 26 Prozent.
Zum Vergleich: Im Schnitt der letzten 30 Jahre lag dieser Wert bei gerade einmal 7 Prozent. Schneller wuchsen die Gewinne nur in den Erholungsphasen 2010 und 2021.
Trotz der Dynamik sieht Goldman keine Blase. Das KGV auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei 19 – exakt auf dem Zehnjahresschnitt, nach 23 vor einem Jahr. Für 2027 rechnen die Strategen mit einem Gewinnplus von 11 Prozent auf 415 Dollar je Aktie, ihr Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei 8.700 Punkten.
Drei Sondereffekte treiben die aktuellen Zahlen: KI-Investitionen erklären fast die Hälfte des diesjährigen Gewinnwachstums, hohe Chip-Margen von rund 70 Prozent stützen die Ergebnisse zusätzlich, und Buchgewinne aus Beteiligungen der Tech-Schwergewichte trugen im zweiten Quartal über 150 Milliarden Dollar bei.
Goldman warnt allerdings, dass dieser dritte Effekt 2027 weitgehend verschwinden dürfte – ohne ihn läge das Wachstum im kommenden Jahr bei 18 statt höheren Werten.
Jefferies traut sich noch weiter nach oben
Noch optimistischer positioniert sich Jefferies. Die Bank sieht den Index bis Ende 2026 bei 8.000 Punkten und rechnet bis Ende 2027 sogar mit 9.000 Zählern. Basis dafür ist eine erwartete Gewinnsteigerung von 35 Prozent für 2026 – deutlich über dem Marktkonsens von 29 Prozent.
Bemerkenswert: Die Erholung beschränkt sich nicht mehr nur auf die großen Technologiewerte. Auch abseits der sogenannten Magnificent 7 rechnet Jefferies für den Rest des Index mit einem Gewinnwachstum von rund 24 Prozent im laufenden Jahr.
Als Risiko benennt die Bank steigende Anleiherenditen – der Zehnjahres-Zins in den USA ist bereits um mehr als 60 Basispunkte gestiegen, und historisch haben Anstiege über 100 Basispunkte binnen zwölf Monaten die Bewertungen an den Aktienmärkten belastet.
Die Spanne der Jefferies-Szenarien für 2027 reicht von einem Bärenfall bei 6.900 Punkten bis zu einem Bullenfall bei 10.500 Zählern – ein Hinweis darauf, wie stark der Ausblick von der weiteren KI-Gewinndynamik abhängt.
Saisonales Muster spricht für Herbstschwankungen
UBS ergänzt die fundamentale Sicht um ein saisonales Argument. Seit 1950 verzeichnete der S&P 500 in den Monaten nach Zwischenwahljahren im Schnitt Kursgewinne von 14,5 Prozent zwischen Ende August und Ende März. Der Weg dorthin verlief allerdings selten geradlinig: Zwischen Ende August und Anfang Oktober kam es historisch zu einem medianen Rückgang von 1,4 Prozent, bevor sich die Kurse bis Jahresende erholten.
Die politische Unsicherheit spielt dabei eine Rolle. Aktuelle Wettmärkte sehen eine Wahrscheinlichkeit von über 85 Prozent, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobern, während das Rennen um den Senat als nahezu ausgeglichen gilt. UBS betont jedoch, dass der kurzfristige Kursverlauf stärker von der Unternehmenspolitik und dem Gewinnwachstum der kommenden sechs bis zwölf Monate abhängen dürfte als vom Wahlausgang selbst.
Zwischen den optimistischen Kurszielen von Goldman, Jefferies und UBS und den saisonal typischen Schwankungen im September und Oktober zeichnet sich ein Muster ab: Die Gewinndynamik der US-Konzerne bleibt der zentrale Treiber, während politische und saisonale Faktoren eher für zwischenzeitliche Nervosität sorgen dürften.
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