S&P 500: Lee und Yardeni streiten über Kurs
Lee erwartet eine spätere Erholung, während Yardeni wegen hoher Renditen und Konjunkturrisiken seine Prognose zurücknimmt.

- Lee erwartet zunächst einen Rückgang
- Anschließend prognostiziert Lee über 8.200 Punkte
- Yardeni senkt Jahresendziel auf 7.900 Punkte
- Hohe Renditen belasten breite Aktienmärkte
Zwei prominente Strategen zeichnen für den Herbst gegensätzliche Bilder. Tom Lee von Fundstrat hält an seiner Rally-These fest, Ed Yardeni von Yardeni Research stutzt dagegen sein Kursziel. Dazwischen steht ein Anleihemarkt, der die Hoffnung auf Entlastung binnen Stunden wieder kassierte.
Lee sieht verschobene Rally
Lee räumt ein, dass die erwartete Aufwärtsbewegung bislang ausgeblieben ist. Sie komme nur später, sagt er. Die restriktive Pressekonferenz von Fed-Chef Kevin Warsh nach der September-Zinsentscheidung nennt er „Peak Hawkish Fed“. Er rechnet damit, dass weitere Notenbanker den scharfen Ton in den nächsten Wochen abschwächen.
Charttechnisch verweist er auf einen steilen Rückgang bei steigendem Relative-Stärke-Index. Ein ähnliches Muster habe im August kurz vor einer Rally gestanden. Sein Fahrplan: zunächst ein Rücksetzer von rund 7 Prozent im Oktober oder Anfang November, danach ein Anstieg über 8.200 Punkte. Als Stützen nennt er geparkte Barmittel, bereits eingepreisten Pessimismus und anhaltende KI-Investitionen.
Sein Zeitplan hat allerdings bisher nicht gehalten. Das gilt auch für das frühere Ziel von 7.900 bis 8.000 Punkten bis Ende September.
Yardeni wird vorsichtiger
Yardeni senkte sein Jahresendziel von 8.400 auf 7.900 Punkte. Die 8.400 Punkte schiebt er auf Mitte 2027. Die Wahrscheinlichkeit eines bärischen Szenarios hob er von 20 auf 30 Prozent. Er begründet das mit höheren Anleiherenditen und größeren Konjunkturrisiken in den kommenden drei bis sechs Monaten.
Dazu passt der Blick auf den Anleihemarkt. Schwächere Arbeitsmarktdaten nährten zuletzt die Hoffnung auf eine Fed-Pause, doch die Rendite-Entlastung verpuffte rasch. Hohe US-Renditen belasten weite Teile des Aktienmarkts. Getragen werden S&P 500 und Nasdaq 100 derzeit von wenigen KI-Schwergewichten.
Wer vom Boom profitiert
Der Börsenboom hat zudem eine gesellschaftliche Kehrseite. Die reichsten 0,1 Prozent der US-Haushalte besitzen rund 28 Billionen Dollar, etwa 15 Prozent des gesamten Vermögens. Seit Ende 2019 hat sich das mehr als verdoppelt. Gut zwei Drittel des Zuwachses stammen aus Kursgewinnen bei Aktien und Fonds.
Die untere Hälfte der Haushalte hält dagegen nur rund 370 Milliarden Dollar in Aktien und Fonds. Die Fed meldete für das zweite Quartal 2026 einen Anstieg des Haushaltsnettovermögens um 12,8 Billionen auf 195,9 Billionen Dollar, vor allem wegen Bewertungsgewinnen bei Aktien.
Konkret zu beobachten sind nun die Warsh-Nachfolgekommentare anderer Fed-Vertreter und die Renditen am Anleihemarkt. Tritt Lees Rücksetzer um 7 Prozent im Oktober oder Anfang November ein, wäre das ein Teil seines Szenarios. Bleiben die Renditen hoch, bekommt Yardenis vorsichtigere Linie Gewicht.
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