S&P 500: Ölpreis bremst Rekordjagd

Steigendes Öl und höhere US-Renditen belasten die Wall Street, während Anleger eine Fed-Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte einpreisen.

Die Kernpunkte:
  • S&P 500 verliert 0,45 Prozent
  • WTI verteuert sich auf 105,76 Dollar
  • Zehnjährige US-Rendite erreicht Höchststand
  • Value-Fonds ohne Techaktien überzeugt

Steigende Ölpreise und eine bevorstehende Fed-Entscheidung setzen den amerikanischen Aktienmarkt unter Druck. Der S&P 500 gab zuletzt 34,25 Punkte beziehungsweise 0,45 Prozent nach und schloss bei 7.585,73 Punkten. Auslöser der Nervosität: eine abgeschaltete Pipeline in Saudi-Arabien und ein Anleihemarkt, der so hohe Renditen zeigt wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Pipeline-Ausfall treibt Ölpreis

Saudi-Arabien hatte seine wichtige Ost-West-Pipeline nach Drohnenangriffen vorsorglich abgeschaltet. Die Leitung transportiert normalerweise bis zu sieben Millionen Barrel Öl täglich vom Persischen Golf zum Roten Meer und dient als Umgehung der blockierten Straße von Hormus.

US-Energieminister Chris Wright rechnet mit einer Wiederinbetriebnahme binnen weniger Tage, doch die Unsicherheit reichte, um den Ölpreis kräftig anzuheizen. West Texas Intermediate legte um 4,31 Prozent auf 105,76 Dollar je Barrel zu.

Die Lage bleibt fragil. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben nach Angaben jemenitischer Regierungsquellen die gesamte Küste des Roten Meers im Jemen samt strategisch wichtiger Inseln eingenommen. Damit gerät auch die zweite zentrale Ausweichroute für saudische Ölexporte zunehmend unter Druck — ein Umstand, der die Nervosität an den Rohstoffmärkten zusätzlich befeuert.

Zinsen und Öl belasten gemeinsam

Parallel zur Ölpreis-Rally kletterte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf den höchsten Intraday-Stand seit Juli 2007. Beide Entwicklungen zusammen erklären den breiten Rückgang an der Wall Street: Der Dow verlor 328,09 Punkte oder 0,63 Prozent auf 62.093,11 Zähler, die Nasdaq gab 204,84 Punkte beziehungsweise 0,78 Prozent auf 25.981,57 Punkte ab.

Der Markt richtet den Blick nun auf die Fed-Zinsentscheidung. Laut CME-FedWatch-Tool preisen Investoren eine Wahrscheinlichkeit von 94,5 Prozent für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt ein — eine Erwartungshaltung, die Anleihe- und Aktienmärkte gleichermaßen unter Spannung hält.

Nicht jeder Investor setzt in diesem Umfeld auf die üblichen Verdächtigen. Der Fondsmanager Cole Smead erzielte mit seinem Smead International Value Fund in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von rund 48 Prozent — komplett ohne Technologieaktien im Portfolio.

Sein Ansatz setzt stattdessen auf günstig bewertete Bank- und Energiewerte, etwa kanadische Ölsandproduzenten und europäische Bankaktien im Umfeld einer erwarteten Fusionswelle. Damit schlug er den S&P 500 über drei Jahre deutlich — ein Beispiel dafür, dass abseits der dominierenden Technologiekonzerne durchaus Renditepotenzial liegt, solange Öl- und Zinsumfeld mitspielen.

Für die kommenden Handelstage bleibt die Gemengelage aus Ölpreis-Unsicherheit und Zinsentscheidung bestimmend. Löst sich die Lage an der saudischen Pipeline wie von Wright angekündigt binnen Tagen, dürfte das die Rohstoffmärkte beruhigen — die Fed-Entscheidung bleibt davon unberührt der nächste unmittelbare Belastungstest für die Aktienmärkte.

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