S&P 500: Zahlen schlagen Sorgen
Positive Unternehmenszahlen treiben den S&P 500, während geopolitische Risiken und die anstehende Fed-Entscheidung die Märkte belasten.

- Rekordhohe positive Gewinnüberraschungen
- Breiter Aufschwung in allen Sektoren
- Charttechnische Unterstützung bei 7.413 Punkten
- Fokus auf Tech-Schwergewichte und Fed
Steigende Ölpreise, ein eskalierender Nahost-Konflikt und eine Woche vor der nächsten Fed-Entscheidung — eigentlich beste Zutaten für Nervosität an der Wall Street. Stattdessen liefert die laufende Berichtssaison so viele positive Überraschungen wie seit Jahren nicht mehr. Der S&P 500 steht damit vor einer Woche, in der zwei gegensätzliche Kräfte aufeinandertreffen.
Gewinnsaison liefert Rückenwind
Rund 90 Prozent der bislang berichtenden Unternehmen im S&P 500 haben die Erwartungen übertroffen — ein Rekordwert seit 2013, sollte er sich in den kommenden Wochen bestätigen. Der von Bloomberg Intelligence erhobene Profit-Guidance-Momentum-Indikator, der misst, wie viele Firmen ihre Prognosen anheben statt senken, erreicht den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung 2011.
Für das zweite Quartal wird ein Gewinnwachstum von 26 Prozent erwartet, die Deutsche Bank rechnet sogar mit 29 Prozent. Bemerkenswert: Erstmals seit 2021 erwarten Analysten für das dritte Quartal steigende Gewinne in sämtlichen Sektoren des Index — der Aufschwung stützt sich also nicht mehr nur auf die großen KI-Namen. Hinzu kommt, dass viele institutionelle Anleger ihre Aktienquote zuletzt untergewichtet hatten. Fallen die Zahlen weiter stark aus, könnte das zusätzliche Nachkäufe auslösen.
Chartbild bleibt intakt, Fed-Woche steht bevor
Technisch hat der Index seinen Ausbruch über die vorherige Konsolidierungszone bislang verteidigt. Nach dem Rekordhoch bei 7.620 Punkten Anfang Juni und einem kurzen Rücksetzer im Zuge der Nahost-Eskalation fanden sich am Widerstandsbereich um 7.533 bis 7.581 Punkte genügend Käufer, um die Erholung fortzusetzen. Der 50-Tage-Durchschnitt bei rund 7.413 Punkten bleibt die wichtigste Unterstützung nach unten — fällt der Index darunter, dürfte sich die Stimmung eintrüben.
Am Mittwoch schloss der S&P 500 bei 7.498,96 Punkten, ein Minus von 0,14 Prozent, während der Ölpreis wegen der andauernden Spannungen zwischen den USA und dem Iran auf Monatshochs kletterte. Genau diese Gemengelage aus geopolitischem Risiko und robusten Unternehmenszahlen dürfte die Handelstage bis zur Fed-Sitzung prägen.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus: Nach Alphabet folgen in den kommenden Tagen mit Intel, Microsoft, Meta und Apple weitere Schwergewichte der Technologiebranche. Ihre Aussagen zu den milliardenschweren KI-Investitionen dürften maßgeblich darüber entscheiden, ob der Optimismus der Berichtssaison bis zum Fed-Entscheid in der kommenden Woche trägt.
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