S&P 500: Zinsangst kehrt zurück

Gewinnmitnahmen und neue Zinsängste beenden die Rekordjagd an den US-Börsen. Tech-Aktien brechen ein, Ölpreis steigt.

Die Kernpunkte:
  • Wall Street beendet Rekordserie
  • Tech-Werte stürzen zweistellig ab
  • Fed-Vertreter signalisieren Zinserhöhungen
  • Ölpreis steigt nach Golf-Einigung

Der Rekordlauf an der Wall Street ist erst einmal gestoppt. Nach frischen Höchstständen zur Wochenmitte zogen Anleger am Donnerstag Kasse — und einzelne Tech-Werte rissen den Nasdaq mit teils zweistelligen Verlusten regelrecht auseinander.

Der S&P 500 gab um 0,18 Prozent auf 7.709,96 Punkte nach, der Dow Jones verlor deutlicher, 0,85 Prozent auf 53.885,10 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 0,39 Prozent auf 29.373,33 Punkte. Nach den jüngsten Bestmarken werten Marktbeobachter die Verluste als überfällige Gewinnmitnahmen — die Börsen seien schlicht „heiß gelaufen“.

Enttäuschende Zahlen reißen Löcher in den Nasdaq

Die Schwäche im Technologiesegment hatte klare Auslöser. Honeywell Aerospace sackte um rund 23 Prozent ab, nachdem der erst kürzlich verselbstständigte Luftfahrt- und Rüstungszulieferer überraschend seine Prognose kappte. AppLovin verlor fast 20 Prozent, weil Umsatz und Margenausblick hinter den Erwartungen zurückblieben.

Auch Datadog traf es hart: Nach der jüngsten Kursrally büßten die Papiere 19 Prozent ein, Analysten verwiesen auf die hohen Vorschusslorbeeren und eine verhaltene Jahresprognose. Western Digital fiel um 13 Prozent, nachdem der Speicherhersteller mit seinem Quartalsausblick enttäuschte. Gegen den Trend legte Motorola Solutions um gut acht Prozent zu — der Kamerahersteller hatte seine Jahresziele angehoben. SpaceX stabilisierte sich nach dem Kursrutsch vom Vortag und stieg um rund sechs Prozent, nachdem eine erste Tranche gesperrter Insider-Aktien freigegeben wurde, ohne den Markt zu überschwemmen.

Fed-Rhetorik verschärft die Zinssorgen

Der zweite Belastungsfaktor kam von der Notenbank. Fed-Gouverneurin Lisa Cook signalisierte in einer Rede ihre Bereitschaft, die Leitzinsen anzuheben, sollte sich die Inflation nicht abschwächen — höhere Zinsen machen Aktien im Vergleich zu Anleihen unattraktiver. Bank-of-America-Chef Brian Moynihan rechnet für den weiteren Jahresverlauf sogar mit drei Erhöhungen, Minneapolis-Fed-Chef Neel Kashkari plädiert für einen schrittweisen Beginn bereits im September. Der Terminmarkt preist laut CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von 56,7 Prozent für eine Septembererhöhung ein.

Parallel dazu sorgte die Geopolitik für Bewegung am Ölmarkt. Nach einer Einigung zwischen Iran und Oman über eine neue Route durch die Straße von Hormus zog der Brent-Preis um 4,1 Prozent auf 82,69 US-Dollar an — Teheran könnte damit dauerhaft mehr Kontrolle über die wichtige Meerenge gewinnen. Außerhalb der Techwerte profitierten ConocoPhillips und Ralph Lauren von starken Quartalszahlen und legten jeweils moderat zu.

Am Freitag rückt nun der monatliche US-Arbeitsmarktbericht in den Blick. Er dürfte zeigen, wie belastbar die Wirtschaft angesichts der aufkeimenden Zinsdebatte tatsächlich ist — und damit mitentscheiden, ob die Fed im September tatsächlich zur Tat schreitet.

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