S&P 500: Zinserhöhung rückt näher

Mehrere Fed-Vertreter fordern Zinsanhebung, Ölpreis steigt. Der S&P 500 verliert, während Rekordmargen der Unternehmen einen Kontrapunkt setzen.

Die Kernpunkte:
  • Drei Falken stimmen gegen Zinspause
  • Wahrscheinlichkeit für September-Erhöhung steigt
  • Ölpreis steigt nach Eskalation im Nahen Osten
  • S&P 500 schließt mit 1,5 Prozent im Minus

Die US-Notenbank lässt die Zinsen unverändert – und trotzdem preist der Markt jetzt eine Kehrtwende ein. Genau dieser Widerspruch schickte den S&P 500 am Mittwoch auf Talfahrt und zeigt, wie nervös Wall Street auf die Geldpolitik unter dem neuen Fed-Chef reagiert.

Drei Falken drehen die Stimmung

Die Fed beließ den Leitzins zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent – Chairman Kevin Warsh leitete damit erst seine zweite Sitzung. Bemerkenswert war der Dissens: Drei Notenbanker, darunter die Fed-Präsidenten von Cleveland und Dallas, plädierten stattdessen für eine sofortige Anhebung. So viele Abweichler gab es zuletzt im September 2016.

Die Terminmärkte reagierten prompt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September kletterte an den Fed-Funds-Futures auf über 57 Prozent, bei der Prognoseplattform Kalshi sehen 53 Prozent der Trader eine Anhebung kommen, nur 43 Prozent rechnen mit einer weiteren Pause. BMO-Stratege Ian Lygen brachte es auf den Punkt: Das Komitee habe zwar lautstarke Falken, die Mehrheit stehe aber hinter Warsh. DoubleLine-Chef Jeffrey Gundlach sieht das ähnlich pragmatisch – wer wirklich auf zwei Prozent Inflation zusteuere, komme an höheren Zinsen kaum vorbei.

Ölschock verschärft die Lage

Parallel zur Zinsdebatte sorgte eine Eskalation zwischen den USA und dem Iran für zusätzlichen Druck. Nach einem abgefangenen Raketenangriff auf US-Streitkräfte im Nahen Osten und anschließenden US-saudischen Luftschlägen im Irak schoss der Ölpreis nach oben. Brent verteuerte sich auf 90,74 US-Dollar je Barrel, ein Plus von 7,9 Prozent – nachdem der Preis in den drei Tagen zuvor um 14 Prozent eingebrochen war.

Die Kombination aus Zinssorgen und Ölschock trieb die Anleiherenditen auf mehrjährige Hochs. Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentierte erstmals seit Wochen über 4,6 Prozent, die dreißigjährige erreichte ihr höchstes Niveau seit Juli 2007. Am Aktienmarkt traf es Halbleiterwerte und Netzwerktitel besonders hart, beide Sektoren verloren im Tagesverlauf mehr als vier Prozent.

Unter dem Strich schloss der S&P 500 bei 7.316,15 Punkten, ein Minus von 1,5 Prozent. Der Dow gab noch deutlicher nach und fiel um 2,2 Prozent auf 51.594,14 Zähler, während der Nasdaq Composite auf ein Dreimonatstief rutschte.

Rekordmargen als Kontrapunkt

Während die Kurse nachgeben, liefern die Unternehmenszahlen ein anderes Bild. Für das zweite Quartal 2026 steuert der S&P 500 auf eine durchschnittliche Nettomarge von 15,7 Prozent zu – der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung 2009, verglichen mit dem bisherigen Rekord von 14,8 Prozent. Ohne Alphabet, den größten Einzeltreiber der Entwicklung, läge die Marge bei 14,4 Prozent.

Kommunikationsdienstleister verdoppelten ihre Marge nahezu, von 15,2 auf 28 Prozent, während das Gesundheitswesen von 8,1 auf 6,3 Prozent zurückfiel. JPMorgan-Stratege Phil Camporeale hält die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung von rund 30 Prozent für übertrieben und setzt stattdessen auf Finanzwerte, die von steigenden Gewinnen und Aktienrückkäufen profitieren.

Die nächste Fed-Sitzung im September dürfte zur eigentlichen Weichenstellung werden. Bis dahin werden die Inflationsdaten der kommenden Wochen genau darüber entscheiden, ob aus der vorsichtigen Pause tatsächlich eine Kehrtwende wird.

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