SpaceX Aktie: 116 Milliarden Dollar Lock-up-Freigabe am 6. August

SpaceX veröffentlicht erstmals seit dem Börsengang Quartalszahlen, während die größte Lock-up-Freigabe der Finanzgeschichte bevorsteht. Shortseller positionieren sich massiv.

Die Kernpunkte:
  • Erste Quartalszahlen seit Börsengang
  • Größte Lock-up-Freigabe der Geschichte
  • Rekordhohe Short-Positionen gegen SpaceX
  • Analysten uneins über Kursziele

Zwei Termine verschmelzen zu einem einzigen Stresstest. Am Dienstagabend legt SpaceX zum ersten Mal seit dem Börsengang Quartalszahlen vor. Nur zwei Tage später, am 6. August, laufen Verkaufssperren für bis zu 911,5 Millionen Insider-Aktien aus — die größte Lock-up-Freigabe der Finanzgeschichte, mit einem Wert von rund 116 Milliarden Dollar.

Die Aktie notiert aktuell bei 101,50 Euro, ein Plus von 2,22 Prozent. Der Kurs bleibt trotzdem 47,8 Prozent unter seinem Rekordhoch von 194,46 Euro aus dem Juni. Der Blick der Anleger richtet sich weniger auf den Tagesgewinn als auf das, was in den kommenden 48 Stunden passiert.

Leerverkäufer setzen größer als bei Tesla

Vor dem Zahlenwerk hat sich eine ungewöhnlich große Wette gegen SpaceX aufgebaut. Das Short-Interest ist auf 219,3 Millionen Aktien gestiegen, umgerechnet etwa 24,6 Milliarden Dollar. Damit übersteigt die Short-Position gegen SpaceX inzwischen jene gegen Tesla — die andere große Elon-Musk-Aktie an der Börse.

Sam Pierson, Research Director bei S3 Partners, bringt die Logik der Shortseller auf den Punkt: Die eigentliche Wette gilt gar nicht den Quartalszahlen, sondern der Lock-up-Freigabe. Niemand rechnet demnach mit Nachrichten, die stark genug wären, das Volumen der freigegebenen Aktien aufzufangen.

Der Optionsmarkt preist nach den Zahlen eine Kursbewegung von etwa 14 Prozent ein. Das entspricht einer Spanne von rund 94 bis 126 Dollar, ausgehend vom aktuellen Kursniveau.

Die Analysteneinschätzungen laufen weit auseinander. Phillip Securities-Analyst Glenn Thum startet die Coverage mit „Sell“ und einem Kursziel von 75 Dollar. Sein Argument: Die Bewertung stützt sich auf das KI-Geschäft, nicht auf dessen Zahlen. 2025 erzielte die KI-Sparte 3,2 Milliarden Dollar Umsatz, verbuchte dabei aber einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar.

Bernstein sieht das anders. Die Analysten halten an ihrer Kaufempfehlung fest und nennen ein Kursziel von 239 Dollar. Ihr Argument: Starship bleibt der entscheidende Faktor für die Bewertung — zusammen mit Halbleiterzugang, regulatorischen Freigaben und Rechenkapazität.

Drei Geschäftsbereiche, drei unterschiedliche Geschichten

SpaceX berichtet inzwischen über drei getrennte Segmente: Space, Connectivity und AI. Connectivity, angeführt von Starlink, ist der einzige Bereich, der durchgehend profitabel arbeitet. Die KI-Sparte wächst rasant, verschlingt dabei aber enorme Summen an Kapital.

Der Zacks-Konsensus erwartet für das zweite Quartal einen Umsatz von 6,72 Milliarden Dollar. Das wäre ein deutlicher Sprung gegenüber den 4,69 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2026. Analysten rechnen zudem mit einem Verlust von 26 Cent pro Aktie.

Starlink dürfte besonders genau unter die Lupe genommen werden. Zum Ende des ersten Quartals zählte der Dienst rund 10,3 Millionen Abonnenten — mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor mit 5 Millionen. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer ist im Jahresvergleich allerdings von 86 auf 66 Dollar pro Monat gefallen.

Die Investitionsausgaben liefern einen weiteren Spannungspunkt. Wall Street erwartet für das zweite Quartal Investitionen von etwa 12,94 Milliarden Dollar, nach 10,1 Milliarden Dollar im ersten Quartal. Das bereinigte EBITDA soll bei rund 2,10 Milliarden Dollar liegen — die geplanten Investitionen wären damit mehr als sechsmal so hoch wie das operative Ergebnis.

Die Freigabe am Donnerstag als eigentlicher Prüfstein

Pierson weist auf eine Besonderheit des Short-Handels hin: Wer die Position über die kommende Woche halten will, zahlt derzeit noch etwas höhere Kosten für die Aktienleihe. Danach dürfte sich das Leihgeschäft wieder deutlich vereinfachen.

Der starke Anstieg bei den Short-Wetten zeigt, dass viele Marktteilnehmer mit Kursdruck rechnen, sobald die Sperrfrist ausläuft. Mit einer annualisierten Volatilität von aktuell 58 Prozent bleibt die Aktie ohnehin ein Papier für Anleger mit starken Nerven.

Der Quartalsbericht am Dienstag und die Lock-up-Freigabe am Donnerstag bilden zusammen den ersten echten Test für die Bewertung von SpaceX als börsennotiertes Unternehmen. Shortseller, Optionshändler und langfristige Optimisten verfolgen beide Termine mit größter Aufmerksamkeit.

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