SpaceX Aktie: 13. Testflug abgebrochen

Erneuter Starship-Fehlstart und bevorstehende Aktienfreigabe setzen SpaceX-Kurs massiv unter Druck. Analysten uneins über die zukünftige Bewertung.

Die Kernpunkte:
  • Zweiter Starship-Testflug in letzter Minute abgebrochen
  • Kurs fällt um über fünf Prozent auf 108 Euro
  • IPO-Sperrfrist läuft bald aus
  • Analystenziele schwanken zwischen 75 und 800 Dollar

Am Freitag schloss das Papier bei 108,40 Euro, ein Minus von 5,39 Prozent gegenüber dem Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch, das die Aktie Mitte Juni erreichte, trennen sie inzwischen 44,26 Prozent. Der jüngste Kursrutsch reiht sich in eine Serie von Belastungsfaktoren ein: ein misslungener Raketenstart, eine bevorstehende Lockup-Wand und eine Analystenschar, die sich uneiniger kaum sein könnte.

Zweiter Fehlstart binnen einer Woche

Der 13. Testflug der Starship-Rakete wurde am 16. Juli in letzter Sekunde abgebrochen, weil laut Reuters vier von 33 Triebwerken nicht zündeten. Der Vorfall löschte nach übereinstimmenden Reuters-Berichten binnen kurzer Zeit rund 100 Milliarden US-Dollar Marktwert. SpaceX modifizierte daraufhin das Antriebssystem und tauschte zwei Raptor-Triebwerke aus. Als neuer Termin wurde der 23. Juli genannt, Firmenchef Elon Musk sprach in einem Tweet dagegen vom 24. Juli – ein Widerspruch, den Reuters ausdrücklich vermerkte. Der Flug soll suborbital verlaufen und 20 Starlink-V3-Satelliten mitführen, es wäre der zweite Starship-Test des Jahres. SpaceX peilt bis Jahresende den ersten orbitalen Starlink-Start mit dem neuen Trägersystem an. Ein Analyst von Wolfe Research bezeichnete einen erfolgreichen Flug als entscheidend, um vor den anstehenden Quartalszahlen Vertrauen zurückzugewinnen.

Analysten zwischen Kursvervielfachung und Kollapsszenario

Die Bandbreite der Kurserwartungen für die Aktie ist ungewöhnlich groß. Raymond James initiierte die Coverage mit einer Strong-Buy-Einstufung und einem Kursziel von 800 US-Dollar. Needham und Evercore ISI sehen 225 beziehungsweise 230 US-Dollar, Canaccord Genuity 246 US-Dollar – im Schnitt kommen die Analysten auf ein Ziel von 236 US-Dollar. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas nennt als Basisszenario 300 US-Dollar, im Bull Case hält er 600 US-Dollar für möglich, im Bear Case nur 75 US-Dollar. Jonas begründet seine Einschätzung mit einem erwarteten Umsatzsprung von 18,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 319 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 und 3,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2040, getrieben vor allem durch das KI-Geschäft. Gegenposition bezieht Gary Black von Future Fund: Er verweist auf ein Bewertungsniveau von rund dem 40-Fachen des Umsatzes, für ein Unternehmen dieser Größenordnung historisch beispiellos – selbst Nvidia handle nur mit dem 10- bis 25-Fachen. Black erklärte, er würde die Aktie erst unterhalb von 100 US-Dollar kaufen.

Lockup-Wand und erste Bilanz als nächster Prüfstein

Für zusätzlichen Druck sorgt der bevorstehende Ablauf der IPO-Sperrfrist. Nach dem ersten Quartalsbericht als Publikumsgesellschaft werden laut Berichten bis zu 911,5 Millionen Aktien im Wert von rund 115 Milliarden US-Dollar handelbar. Eine weitere Tranche von 455,8 Millionen Aktien greift, sobald der Kurs die Marke von 175,50 US-Dollar überschreitet – aktuell liegt die Aktie weit darunter. Musks eigene Anteile bleiben dagegen bis Juni 2027 gesperrt. Operativ zeigt SpaceX ein gespaltenes Bild: Das Starlink-Geschäft erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 11,4 Milliarden US-Dollar und einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar, während das KI-Segment im selben Jahr einen Verlust von 6,4 Milliarden US-Dollar auswies. Im ersten Quartal 2026 erzielte SpaceX einen Umsatz von 4,6 Milliarden US-Dollar bei einem Nettoverlust von mehr als 4 Milliarden US-Dollar. Das Raketengeschäft lieferte 2025 immerhin 165 erfolgreiche Falcon-9-Starts. Die ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen werden für August erwartet und dürften zusammen mit dem Auslaufen der Lockup-Frist zum nächsten großen Test für die Aktie werden.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die geopolitische Lage: Iran erklärte Mitte Juli Starlink-Infrastruktur und eine Bodenstation im Nahen Osten offiziell zu militärischen Zielen. Gleichzeitig unterhält SpaceX über die Tochter Starshield milliardenschwere Verträge mit dem US-Militär, etwa für das Golden-Dome-Programm. Die Kombination aus technischem Rückschlag, drohender Aktienflut und geopolitischem Risiko hält den Druck auf die Aktie vorerst hoch.

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