SpaceX Aktie: 327 Milliarden Wertzuwachs nach Lockup-Ablauf

Nach Ablauf der Haltefrist steigt SpaceX um 16 Prozent. Analysten-Upgrades und starke Quartalszahlen stützen die Erholungsrally.

Die Kernpunkte:
  • Lockup-Ende löst Erholungsrally aus
  • Quartalszahlen übertreffen Erwartungen deutlich
  • SpaceX und Tesla planen Chipfabrik
  • KI-Umsatz wächst um 247 Prozent

Die SpaceX-Aktie hat einen turbulenten Handelstag hinter sich. An der Nasdaq schloss das Papier am Freitag bei 133,11 Dollar, ein Plus von rund 16 Prozent und der höchste Stand seit Wochen. Im deutschen Handel notierte die Aktie zum Freitagsschluss bei 115,14 Euro, ebenfalls ein Tagesgewinn von 15,66 Prozent. Trotz der Rally bleibt der Titel 40,79 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt – ein Hinweis darauf, wie tief der Kurs seit dem Börsengang im Juni gefallen war.

Lockup-Ablauf löst Erleichterungsrally aus

Auslöser der Bewegung war der Ablauf einer Haltefrist für Altaktionäre. Am Donnerstag wurden 911,5 Millionen zusätzliche Aktien handelbar, wodurch sich der frei verfügbare Streubesitz von 639 Millionen auf 1,55 Milliarden Stück mehr als verdoppelte. Viele Anleger hatten im Vorfeld einen massiven Verkaufsdruck befürchtet, der jedoch weitgehend ausblieb. Der Anteil leerverkaufter Aktien am Streubesitz sank von zuvor über 36 Prozent auf 16 Prozent, was die Kaufwelle zusätzlich befeuerte. Über zwei Handelstage summierte sich der Kursgewinn auf rund 23 Prozent, was einem Wertzuwachs von etwa 327 Milliarden Dollar entspricht.

Verstärkt wurde die Bewegung durch ein Rating-Upgrade von Argus Research, das die Aktie von Verkaufen auf Kaufen hochstufte und ein Kursziel von 160 Dollar ausgab. Auch das Analysehaus Wall Street Zen hob seine Einstufung heute von „Sell“ auf „Hold“ an. Insgesamt bewerten 40 von der Investmentbranche verfolgte Analysten den Titel mehrheitlich positiv, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 227,31 Dollar. Die Einschätzungen gehen jedoch weit auseinander: Während einzelne Häuser Kursziele von rund 800 Dollar ausgerufen haben, sehen andere den fairen Wert nur bei etwa 63 Dollar. Der TV-Investor Jim Cramer bezeichnete SpaceX kürzlich als „generationelles Asset“ vergleichbar mit historischen Eisenbahn-Anleihen, riet Anlegern aber zu Geduld und einem besseren Einstiegszeitpunkt.

Quartalszahlen übertreffen die Erwartungen

Fundamentale Unterstützung lieferte der jüngste Quartalsbericht. SpaceX steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 91,9 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar. Der Verlust je Aktie fiel mit 0,09 Dollar deutlich geringer aus als die erwarteten 0,26 Dollar, der Nettoverlust schrumpfte auf 541 Millionen Dollar von zuvor rund einer Milliarde Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das KI-Geschäft: Die Erlöse aus diesem Segment kletterten um 247 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, gestützt durch neue Cloud-Verträge im Volumen von bis zu 14,1 Milliarden Dollar. Starlink verdoppelte seine Abonnentenzahl binnen Jahresfrist auf 12 Millionen Nutzer, während der durchschnittliche Umsatz je Kunde von 85 auf 66 Dollar monatlich sank.

Firmenchef Elon Musk zog auf dem Earnings-Call sein Umsatzziel von einer Billion Dollar von 2031 auf 2030 vor und sprach von einer „nicht verschwindenden“ Chance, dieses Niveau bereits 2029 zu erreichen. Zugleich warnte er vor einer anhaltenden Speicherknappheit: Das Angebot an Speicherchips wachse jährlich nur um etwa 20 Prozent, während die Nachfrage um rund 200 Prozent zulege – ein Faktor, der die Kosten für den KI-Ausbau weiter nach oben treiben dürfte. Als unterschätzten Geschäftsbereich nannte Musk zudem die Robotik, mit Visionen von Satelliten als autonomen Robotern und künftiger Fertigung auf dem Mond.

Milliardeninvestition in eigene Chipfabrik

Parallel zu den Zahlen sorgte ein Großprojekt für Aufsehen: SpaceX und Tesla kündigten den Bau einer gemeinsamen Halbleiterfabrik namens „Terafab“ in Grimes County, Texas, an. Die erste Ausbaustufe soll 16,8 Milliarden Dollar kosten, bei einer möglichen Gesamtinvestition von bis zu 119 Milliarden Dollar. Die Anlage soll auf einer Fläche von rund 100 Millionen Quadratfuß entstehen und mehr als 3.000 Arbeitsplätze schaffen. Gefertigt werden soll mit der Intel-14A-Prozesstechnologie, die Stromversorgung erfolgt über eigene Erdgaskraftwerke statt über Solarenergie. Im zweiten Quartal kaufte SpaceX zudem Tesla-Batteriespeicher im Wert von 295 Millionen Dollar für das Projekt. Die massiven Investitionen in KI-Infrastruktur – allein 15,8 der insgesamt 18,4 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben im zweiten Quartal flossen in diesen Bereich – erklären auch, warum die Aktie nach den Vorquartalen zeitweise deutlich unter Druck geraten war, bevor die jüngste Erholung einsetzte.

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