SpaceX Aktie: 35 Prozent Leerverkäufe trotz 22% Wochengewinn

SpaceX-Papiere erholen sich kräftig, während Shortseller auf fallende Kurse wetten. Analysten senken Kursziele, weitere Aktienfreigaben und regulatorische Fragen belasten.

Die Kernpunkte:
  • 35 Prozent des Streubesitzes leerverkauft
  • Piper Sandler senkt Kursziel auf 140 Dollar
  • Erste Sperrfrist-Abläufe erhöhen Handelsvolumen
  • FAA-Regelung könnte Umweltauflagen umgehen

Während die SpaceX-Aktie eine kräftige Erholung hinlegt, wächst am Markt gleichzeitig die Zahl der Wetten auf fallende Kurse. Nach Daten von S3 Partners sind aktuell 35 Prozent des verfügbaren Streubesitzes leerverkauft – ein außergewöhnlich hoher Wert für einen erst im Juni an die Nasdaq gegangenen Titel. Die Papiere schlossen am Freitag bei 115,14 Euro, nach einem Wochengewinn von 22,53 Prozent. Die Erholung fällt in eine Phase extremer Schwankungen: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 90 Prozent, deutlich über dem, was Anleger von einem Standardwert erwarten würden.

Piper Sandler kappt Kursziel trotz starker Zahlen

Nicht alle Analysten lassen sich von der jüngsten Erholung überzeugen. Piper Sandler senkte am Mittwoch das Kursziel für SpaceX von 156 auf 140 US-Dollar. Analyst Alex Potter begründete den Schritt damit, dass die operative Entwicklung des Unternehmens zwar besser ausfalle als vom Markt eingepreist, die Aktie aber trotzdem unter Druck geraten sei. Der Widerspruch zwischen robusten Geschäftszahlen und schwacher Kursreaktion beschäftigt seither Investoren, die nach einer Erklärung für die Diskrepanz suchen.

Ein Teil der Antwort liegt in der Marktstruktur: Mit dem India Ablauf der ersten Sperrfrist am Donnerstag kamen bis zu 911,5 Millionen Aktien im Wert von rund 101 Milliarden US-Dollar zusätzlich in den Handel. Eine weitere Tranche von bis zu 455,8 Millionen Aktien blieb dagegen gesperrt, weil die Aktie unterhalb ihres Ausgabepreises von 135 US-Dollar notierte – eine Klausel, die eigentlich vorzeitige Verkäufe hätte ermöglichen sollen, aber durch den Kursverlauf nicht griff.

Prominente Kleinanleger steigen aus

Die Freigabe rief auch außergewöhnliche Verkäufer auf den Plan. Jessie Bates III, Safety der Atlanta Falcons, hatte 2022 rund 150.000 US-Dollar in SpaceX-Aktien investiert, damals bei einer Unternehmensbewertung von 127 Milliarden US-Dollar. Über einen Sprecher ließ er verlauten, seine gesamte Position verkaufen zu wollen. Bei der inzwischen auf 1,43 Billionen US-Dollar gestiegenen Bewertung könnte sein Anteil nach eigenen Angaben mehr als 1,5 Millionen US-Dollar wert sein – ein Vielfaches des ursprünglichen Einsatzes.

Der Verkaufsdruck dürfte sich in den kommenden Wochen fortsetzen. Am 12. August steht die nächste Freigabetranche an: Dann können weitere 319 Millionen Aktien gehandelt werden. Im September und Oktober folgen zusätzliche Tranchen, sodass bis zum Jahresende mehr als vier Milliarden Aktien handelbar sein sollen. Die 6,4 Milliarden Aktien von Elon Musk bleiben davon unberührt – sie sind bis Juni 2027 gesperrt und stellen damit weiterhin den größten Ankerbesitz im Unternehmen dar.

Streit um Umweltauflagen für Starbase

Neben der Aktienstruktur beschäftigt Investoren auch eine regulatorische Baustelle. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat unter dem Aktenzeichen FAA-2026-8614 eine Kommentierungsfrist eröffnet, die bis etwa zum 27. August läuft. Die vorgeschlagene Regel würde der Behörde erlauben, bei jeder Genehmigung für kommerzielle Raketenstarts 13 Bundesumweltgesetze zu umgehen, darunter den Endangered Species Act und den National Historic Preservation Act. Die Regelung ist direkt für den Starbase-Standort relevant. Umweltverbände reichten bereits im Juli einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung ein und argumentieren, Flächen eines nahegelegenen Schutzgebiets könnten ohne gerichtliches Eingreifen dauerhaft übertragen werden, bevor das Verfahren entschieden ist.

Operativ läuft das Geschäft unterdessen weiter im gewohnten Takt: Am Dienstag brachte eine Falcon 9 drei BlueBird-Satelliten von AST SpaceMobile ins All, die Erststufe absolvierte dabei ihre 30. Landung auf einem Drohnenschiff. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus hohem Short-Interesse, gestaffelten Lockup-Freigaben und offenen Regulierungsfragen der entscheidende Faktor für die weitere Kursentwicklung – deutlich mehr als das operative Tagesgeschäft.

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