SpaceX Aktie: 546 Milliarden für Raketen

Trotz 52-Wochen-Tief treiben Rekordflug und eine verdoppelte Bewertung des Raketengeschäfts die SpaceX-Aktie an.

Die Kernpunkte:
  • Falcon 9 bricht Wiederverwendungsrekord
  • Analyst verdoppelt Raketenbewertung
  • Cathie Wood kauft weiter Aktien
  • Quartalszahlen im August erwartet

Ein 52-Wochen-Tief am Mittwoch, ein Raketenrekord am Donnerstag. Bei SpaceX prallen gerade zwei Welten aufeinander: schwache Kursdaten und operative Bestwerte. Die Aktie schloss bei 145,30 Dollar so tief wie nie seit dem Börsengang im Juni. Nur Stunden später sorgte eine Falcon-9-Rakete für Aufsehen — und Analysten von der Wall Street schrieben ihre Bewertung für das Raketengeschäft drastisch nach oben.

Rekordflug und Starlink-Wachstum

Die Falcon-9-Rakete mit der Kennung B1067 hob am Donnerstagmorgen zum 36. Mal ab. An Bord: 29 Starlink-Satelliten für den Ausbau des Breitbandnetzes. Die Booster-Stufe flog erstmals im Juni 2021 für eine NASA-Fracht­mission, später brachte sie die Astronauten-Crews von Crew-3 und Crew-4 ins All.

Den absoluten Wiederverwendungsrekord hält weiterhin das NASA-Spaceshuttle Discovery mit 39 Flügen. SpaceX kommt B1067 aber immer näher.

Der Start war zugleich die 80. Falcon-9-Mission des Jahres. Rund 80 Prozent aller SpaceX-Flüge 2026 dienen dem Ausbau von Starlink, bereits jetzt das größte Satellitennetz der Geschichte. Die Zahlen untermauern das Tempo: Im ersten Halbjahr 2026 brachte SpaceX 1.589 Starlink-Satelliten ins All, nach 1.489 im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Startdaten des Astronomen Jonathan McDowell hervor.

Analyst verdoppelt Bewertung des Raketengeschäfts

Die operativen Erfolge fielen mit einer bemerkenswerten Neubewertung von der Wall Street zusammen. Auslöser war ausgerechnet die Konkurrenz: Jeff Bezos‘ Raketenfirma Blue Origin holte sich in ihrer ersten externen Finanzierungsrunde zehn Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 130 Milliarden Dollar.

William-Blair-Analyst Louie DiPalma nahm das zum Anlass, seine SpaceX-Schätzung anzupassen. Unter Berücksichtigung der neuen Blue-Origin-Bewertung taxiert er das SpaceX-Raketengeschäft nun auf 546 Milliarden Dollar — zuvor lag seine Schätzung bei 300 Milliarden Dollar. Sein Rating „Outperform“ bestätigte DiPalma. Ein offizielles Kursziel führt William Blair nicht, die „Basis“-Bewertung des Hauses impliziert aber einen Wert von 220 Dollar je Aktie.

Die Aufwertung wirkt umso bemerkenswerter, weil Blue Origins New-Glenn-Rakete derzeit am Boden bleibt. Eine Explosion bei einem Triebwerkstest zerstörte in diesem Jahr die einzige Startrampe des Unternehmens. Der Vorfall zeigt, wie groß der Vorsprung von SpaceX bei Raketentechnik und Startkapazität aktuell ist.

Cathie Wood kauft weiter nach

Die operativen Nachrichten folgten auf eine Woche mit heftigen Kursschwankungen. Genau die zog prominente Käufer an. Cathie Wood investierte 27 Millionen Dollar über vier ARK-ETFs in SpaceX-Aktien.

Die Position stieg damit auf Platz vier der größten Positionen in Woods Fonds, mit einem Anteil von rund 4,5 Prozent am Gesamtvermögen. Zum Kaufzeitpunkt lag die Aktie bereits 34 Prozent unter ihrem Nach-IPO-Hoch von 225 Dollar. Es war bereits der dritte Nachkauf von ARK seit dem Börsengang Mitte Juni.

Am Montag legte Wood nach: Der ARK Space & Defense Innovation ETF kaufte 5.711 weitere SpaceX-Aktien, ein Investment von rund 917.000 Dollar zum damaligen Schlusskurs von 160,42 Dollar.

Kursverlauf zwischen Indexeffekt und Sperrfrist

Seit der Aufnahme in den Nasdaq-100 schwankt die Aktie stark. Am 7. Juli sprang das Papier zum Indexeintritt zwar um rund ein Prozent auf 158,77 Dollar. Der Großteil der Indexfonds-Käufe war zu diesem Zeitpunkt aber bereits erfolgt — ein klassisches „Buy the rumor, sell the news“-Muster.

Zuletzt hielt eine Unterstützungszone zwischen 149,92 und 155,93 Dollar. Das Geschäft von SpaceX deckt inzwischen drei Bereiche ab: Starlink, Startdienstleistungen und KI-Infrastruktur — Letzteres seit der Fusion mit xAI im Februar 2026.

Der nächste große Test kommt in fünf Wochen. Am 6. August meldet SpaceX zum ersten Mal Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen. Am selben Tag endet die Sperrfrist für Insider-Aktien. Rund 20 Prozent der Insider-Anteile können dann verkauft werden, bei Erfüllung bestimmter Kursbedingungen kommen weitere 10 Prozent hinzu. Sowohl die Zahlen als auch die zusätzliche Aktienmenge am Markt dürften Investoren genau im Blick behalten.

Fürs Erste liefern der Wiederverwendungsrekord, das beschleunigte Starlink-Wachstum und die deutlich höhere Bewertung des Raketengeschäfts frischen Rückenwind für die Optimisten — auch wenn die Aktie weiterhin klar unter ihrem Nach-IPO-Hoch notiert.

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