SpaceX Aktie: 60 Milliarden Dollar für Cursor-Übernahme

Trotz Rekordumsatz und 92 Prozent Wachstum belasten hohe Investitionen und die Aktienflut den Kurs. Analysten bleiben gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzsprung um 92 Prozent
  • KI-Investitionen mehr als verdoppelt
  • Erste Lockup-Tranche freigegeben
  • Analysten uneins über Kursziele

Noch am Mittwoch schien SpaceX auf dem Weg zu einem neuen Tiefstand. Nach eigentlich starken Quartalszahlen brach die Aktie in New York um 13 Prozent auf rund 109 Dollar ein und näherte sich damit dem bisherigen Rekordtief von 104 Dollar. Am Donnerstag drehte das Bild: Im deutschen Handel legte das Papier um 6,55 Prozent zu und schloss bei 99,55 Euro – ausgerechnet an dem Tag, an dem mehr als 900 Millionen Aktien aus der ersten Sperrfrist des Börsengangs frei wurden.

Auf Monatssicht bleibt die Bilanz dennoch schwach: Binnen 30 Tagen hat die Aktie 23,26 Prozent verloren. Die Gemengelage aus Rekordumsatz, explodierenden Investitionen und einer historischen Aktienflut sorgt derzeit für die stärksten Kursschwankungen seit dem Börsendebüt im Juni.

Umsatzsprung, höherer Kapitalbedarf

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar und übertraf damit die Konsensschätzung von rund 6,9 Milliarden Dollar deutlich. Es war der erste Quartalsbericht seit dem Nasdaq-Debüt im Juni.

Der Nettoverlust verringerte sich auf 541 Millionen Dollar beziehungsweise 9 Cent je Aktie, nach einem Fehlbetrag von rund 1 Milliarde Dollar im Vorjahresquartal. Der Ergebnisfortschritt reichte den Anlegern zunächst nicht, um die Sorgen über den Kapitalbedarf des Unternehmens zu zerstreuen.

Die KI-bezogenen Investitionen sprangen von 7,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf 15,8 Milliarden Dollar, der gesamte Investitionsaufwand im zweiten Quartal erreichte 18,37 Milliarden Dollar. Dem stehen ein Kassenbestand von 93,52 Milliarden Dollar und ein Auftragsbestand von 47,5 Milliarden Dollar gegenüber – ein Polster, das die Wachstumsstrategie vorerst absichert, aber die Frage nach dem künftigen freien Cashflow nicht beantwortet.

Starlink treibt das Geschäft, KI-Sparte legt zu

Der Konnektivitätsbereich blieb mit 4,291 Milliarden Dollar Umsatz – einem Plus von 66 Prozent – größter Umsatztreiber. Die Zahl der Starlink-Abonnenten verdoppelte sich binnen Jahresfrist auf 12 Millionen. Der durchschnittliche Umsatz je Nutzer sank jedoch von 85 auf 66 Dollar pro Monat, Ausdruck der Strategie, Satelliteninternet global günstiger zu positionieren.

Das KI-Geschäft steuerte 2,194 Milliarden Dollar bei, gestützt auf Cloud-Verträge im Volumen von 14,1 Milliarden Dollar. Medienberichten zufolge zählen Google und Anthropic zu den Partnern dieser Vereinbarungen. Zusätzlich kündigte SpaceX laut einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht die Übernahme des KI-Unternehmens Cursor für 60 Milliarden Dollar an; der Deal soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.

Staatsaufträge und ambitionierte Ziele

Für das Starshield-Programm sicherte sich SpaceX laut Unternehmensangaben zudem mehrjährige Regierungsaufträge im Volumen von über 6 Milliarden Dollar. Hinzu kommt ein Pentagon-Auftrag über 1,6 Milliarden Dollar, der laut Medienberichten allein die gesamte Umsatzhöhe der Raumfahrtsparte im ersten Halbjahr 2026 übertrifft.

Vorstandschef Elon Musk zog auf der Bilanzkonferenz sein Ziel von 1 Billion Dollar Jahresumsatz von 2031 auf 2030 vor. Das Management stellte zudem in Aussicht, das laufende Jahr mit einer annualisierten Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar abzuschließen – deutlich über der bisherigen Prognose von 75 Milliarden Dollar für 2027.

Lockup-Welle setzt Kurs unter Druck

Am Donnerstag lief die erste von neun geplanten Sperrfristen aus: 911,5 Millionen Aktien von Mitarbeitern und frühen Investoren wurden handelbar, rund 43 Prozent mehr als die 638,9 Millionen Aktien, die beim Börsengang ausgegeben wurden. Der frei handelbare Anteil sprang dadurch von 4,9 auf 11,8 Prozent der ausstehenden Aktien; die freigegebenen Papiere sind nach jüngsten Kursen rund 101 Milliarden Dollar wert.

Weitere Tranchen folgen am 20. August und Ende September. Eine an die Geschäftszahlen gekoppelte zweite Freigabe könnte bis zu 1,3 Milliarden weitere Aktien freisetzen; bis Mitte 2027 sollen insgesamt rund 12,9 Milliarden zusätzliche Aktien handelbar werden. Dass die Aktie ausgerechnet am Tag der ersten Freigabe zulegte, wertet der Markt als Zeichen dafür, dass Käufer die zusätzliche Liquidität bislang absorbieren.

Analysten uneins über die KI-Wette

JPMorgan-Analyst Doug Anmuth erhöhte sein Kursziel am Mittwoch auf 240 von 225 Dollar und bestätigte sein Overweight-Rating. Er verwies auf die „extrem vertikale Integration“ des Unternehmens, das Start, Satelliten und Rechenzentren aus einer Hand betreibt.

Vorsichtiger äußerte sich Wells-Fargo-Analyst Ken Gawrelski, der sein Kursziel von 230 auf 215 Dollar senkte, die Kaufempfehlung aber beibehielt: Der ambitionierte KI-Ausbau berge höhere Vorlaufrisiken und einen größeren Kapitalbedarf.

Über das gesamte Analystenfeld reichen die Kursziele derzeit von 140 bis 300 Dollar. Die meisten Häuser bestätigten nach den Zahlen ihre Kaufempfehlungen, Piper Sandler stach mit einer Abstufung auf Neutral heraus – begründet mit Bewertungsfragen, höheren geplanten Investitionen für 2027 und der bevorstehenden Aktienflut aus dem Lockup.

Laut Reuters kündigte Musk auf der Bilanzkonferenz zudem an, noch im laufenden Monat den nächsten Starship-Testflug zu starten und dabei erstmals die obere Raketenstufe zur Landung zurückzuführen. Nach einer präzisen Wasserung des Testflugs Ende Juli gilt ein Fangversuch durch die Startturm-Arme als technisch möglich, ein offizieller Termin steht bislang nicht fest.

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