SpaceX Aktie: 60-Milliarden-Übernahme von Cursor

SpaceX-Chef Musk kündigt KI als dominante Umsatzquelle an. Die Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen unter den IPO-Preis, während Analysten uneinheitliche Kursziele nennen.

Die Kernpunkte:
  • Musk: KI dominiert bald Geschäft
  • Aktie rutscht unter IPO-Preis
  • Cursor-Übernahme für 60 Mrd. Dollar
  • Umsatz wächst um 92 Prozent

SpaceX steckt mitten im größten Strategiewechsel seiner Unternehmensgeschichte. Konzernchef Elon Musk erklärte am Dienstag bei einer Mitarbeiterversammlung, der KI-Umsatz werde bereits im September sämtliche anderen Geschäftsbereiche des Unternehmens übertreffen. Innerhalb von fünf Jahren solle künstliche Intelligenz sogar 99 Prozent des Unternehmenswerts ausmachen. Bis 2028 peilt Musk einen Jahresumsatz von 500 Milliarden Dollar an.

Die Ankündigung kam nur wenige Tage nach starken Quartalszahlen, sorgte an der Börse aber zunächst für Ernüchterung. Die Aktie fiel am Dienstag um 3,9 Prozent auf 133,29 Dollar und rutschte damit unter den IPO-Ausgabepreis von 135 Dollar.

Im deutschen Handel notiert das Papier aktuell bei 116,42 Euro, ein Plus von 0,80 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 115,50 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein Anstieg von 24,57 Prozent, ein Beleg für die extreme Schwankungsbreite, mit der Anleger bei SpaceX derzeit rechnen müssen.

Cursor-Übernahme als Kern der KI-Strategie

Im Zentrum der Neuausrichtung steht die für 60 Milliarden Dollar in Aktien vereinbarte Übernahme des KI-Codierungs-Startups Cursor (Anysphere), deren Abschluss für das dritte Quartal 2026 erwartet wird. Cursor wird nach dem Zusammenschluss unter der Marke SpaceXAI weitergeführt, einzelne Tools sollen künftig unter dem Namen „Grok“ laufen.

Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mehr als eine Million tägliche Nutzer und wird von über der Hälfte der Fortune-500-Konzerne eingesetzt, bei einem annualisierten Umsatz von über einer Milliarde Dollar.

Bereits am Dienstag startete SpaceXAI in Kooperation mit Cursor den KI-Agenten „Grok Bot“ in der Beta-Version – als „24/7 digitalen Kollegen“, der Aufgaben in Software und E-Mail eigenständig erledigt, auch wenn der Laptop des Nutzers ausgeschaltet ist. Der Zugang ist zunächst zahlenden Abonnenten der Stufen SuperGrok Heavy, Cursor Ultra und Cursor Teams Premium vorbehalten, mit Preisen von 120 bis 200 Dollar pro Monat und Nutzer.

Quartalszahlen zeigen rasantes Wachstum

Die zugrunde liegenden Geschäftszahlen liefern reichlich Munition für die ambitionierten Ziele. Im zweiten Quartal 2026 steigerte SpaceX den Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar, das bereinigte EBITDA legte um 191 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zu. Der Nettoverlust verringerte sich um 467 Millionen Dollar auf noch 541 Millionen Dollar.

Der KI-Bereich allein wuchs um 247 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, während die Investitionen in diesem Segment sich von 7,7 auf 15,8 Milliarden Dollar mehr als verdoppelten. Die KI-Rechenkapazität kletterte von 0,4 auf 1,4 Gigawatt – bis Ende 2027 soll sie auf 10 Gigawatt steigen, was nach Unternehmensangaben Jahresumsätze zwischen 300 und 500 Milliarden Dollar ermöglichen könnte.

Auch das angestammte Geschäft läuft rund: Starlink zählt inzwischen zwölf Millionen Abonnenten, ein Netto-Zuwachs von 1,7 Millionen im Quartal, bei einem durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer von 66 Dollar.

Analysten uneinig über den fairen Wert

Die Bandbreite der Kursziele am Markt ist außergewöhnlich groß. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas nennt ein Basisszenario von 300 Dollar und ein Bullen-Szenario von 600 Dollar, was einer Marktbewertung von acht Billionen Dollar entspräche – vorausgesetzt, Starship halbiert die Kosten orbitaler Rechenzentren und Starlink versorgt bis 2040 hunderte Millionen KI-Roboter.

Der Analystendurchschnitt von 32 Häusern liegt bei 227 Dollar, die Spanne reicht von 75 bis 800 Dollar. Morningstar hält dagegen: Das Kerngeschäft sei nur 40 Dollar pro Aktie wert, ein „Moonshot“-Szenario von 154 Dollar habe lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 7 Prozent.

Belastend wirkt der enorme Kapitalbedarf: Allein im ersten Halbjahr 2026 verbrannte SpaceX 25 Milliarden Dollar an Cash. Zudem lief am 6. August eine Lock-up-Frist für 911,5 Millionen Aktien aus, ohne dass es zu größeren Insider-Verkäufen kam. Mit einer Volatilität von annualisiert 87,77 Prozent bleibt die Aktie, die aktuell 40,13 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro notiert, ein Papier für risikobereite Anleger.

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