SpaceX Aktie: 6,4 Milliarden Dollar KI-Verlust

SpaceX veröffentlicht erste Quartalszahlen seit dem Börsengang. Analysten uneins über Kursziele, während Lockup-Ablauf und hohe Shortquote den Aktienkurs belasten.

Die Kernpunkte:
  • Erste Quartalszahlen seit Börsendebüt
  • Starlink-Gewinn soll KI-Verluste ausgleichen
  • Uneinigkeit bei Analysten zu Kurszielen
  • Lockup-Ablauf erhöht Angebotsdruck

Rund sieben Wochen nach seinem Börsengang öffnet SpaceX am Dienstag erstmals die Bücher. Der Raumfahrt- und Satellitenkonzern legt seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 nach US-Börsenschluss vor, ein Webcast ist für 16:30 Uhr Ostküstenzeit angesetzt. Es ist der erste Quartalsbericht seit dem Debüt am 12. Juni an der Nasdaq unter dem Kürzel SPCX – und er kommt zu einem denkbar schwierigen Zeitpunkt für die Aktie.

Starlink soll das KI-Geschäft finanzieren

Im Zentrum des Berichts steht die Frage, ob das profitable Satelliteninternet-Geschäft Starlink das verlustreiche KI-Segment tragen kann. Starlink erzielte im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden US-Dollar, während die im Februar übernommene KI-Sparte SpaceXAI, vormals xAI, einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden US-Dollar verbuchte. Im ersten Quartal 2026 fiel bei SpaceX insgesamt ein Nettoverlust von 4,2 Milliarden Dollar an, nach nur 528 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Umsatz pro Starlink-Nutzer ist von 99 Dollar im Jahr 2023 auf 66 Dollar im ersten Quartal 2026 gesunken, während die Abonnentenzahl von 10,3 Millionen auf erwartete 12 Millionen im zweiten Quartal steigen soll. Auf der KI-Seite soll der Umsatz laut Konsensschätzungen von 818 Millionen auf 2,18 Milliarden Dollar zulegen, getragen unter anderem von einem Cloud-Vertrag mit Google im Volumen von 920 Millionen Dollar pro Monat. SpaceX selbst hat einen adressierbaren Markt von 28,5 Billionen Dollar ausgemacht, wovon laut Reuters 26,5 Billionen auf künstliche Intelligenz entfallen sollen. Firmenchef Elon Musk hat zudem angedeutet, dass SpaceX binnen zwölf bis 24 Monaten einen Umsatzzuwachs in der Größenordnung von Tesla – zwischen 95 und 104 Milliarden Dollar – erreichen könnte.

Analysten zwischen Kurszielen und Governance-Sorgen

An der Wall Street gehen die Einschätzungen weit auseinander. Bernstein startete die Coverage mit einem Kursziel von 239 Dollar und einem Outperform-Rating, gestützt auf vier Faktoren: die vollständige Wiederverwendbarkeit der Starship-Rakete, für die bis 2031 rund 3.600 Starts nötig wären, eine Halbleiterkapazität für 170.000 Satelliten mit 2,8 Millionen Wafern pro Jahr aus fünf Fabriken im Wert von über 160 Milliarden Dollar, ausstehende regulatorische Genehmigungen der US-Luftfahrtbehörde sowie das von Musk angepeilte Ziel von einem Terawatt Rechenleistung im Orbit. Morgan Stanley bestätigte sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 300 Dollar und bewertet allein das KI-Geschäft mit 152 Dollar pro Aktie. Jefferies-Analyst Aniket Shah wiederum konzentrierte sich auf die Governance-Debatte um die Doppelklassen-Aktienstruktur, über die Musk mehr als 80 Prozent der Stimmrechte hält und als Vorstandschef ohne seine Zustimmung nicht abgesetzt werden kann. Shah hält die Kritik für übertrieben und macht stattdessen eine Neubewertung der KI-Branche für den Kursverfall verantwortlich.

Lockup-Ablauf erhöht den Druck

Zusätzliche Unsicherheit bringt der 6. August, an dem die erste Haltefrist nach dem Börsengang endet. Bis zu 911,5 Millionen Aktien im Wert von schätzungsweise 100 Milliarden Dollar – rund ein Fünftel des ausgegebenen Kapitals – werden dann für Mitarbeiter und frühe Investoren handelbar, zwei Handelstage nach den Quartalszahlen. Weitere Freigaben folgen am 20. August und am 9. September. Verschärft wird die Lage durch eine bereits hohe Shortquote: Zum 29. Juli hielten Leerverkäufer rund 219,3 Millionen Aktien, umgerechnet 24,6 Milliarden Dollar oder 34 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes. Am Freitag markierte die Aktie an der Nasdaq mit 108,37 Dollar ein neues Rekordtief, nach einem Rückgang von rund 30 Prozent seit dem ersten Handelstag und von der Hälfte gegenüber dem bisherigen Höchststand von 225,64 Dollar. Parallel wächst der Kapitalbedarf: Die Investitionsausgaben sollen von 48,7 Milliarden Dollar im laufenden Jahr auf 118,4 Milliarden Dollar im Jahr 2028 steigen, die Verschuldung im selben Zeitraum von 41,7 Milliarden auf 218 Milliarden Dollar.

Im deutschen Handel spiegelt sich die angespannte Stimmung deutlich wider: Das Papier notiert bei 93,50 Euro und gibt am heutigen Montag um 0,49 Prozent nach. Innerhalb der vergangenen 30 Tage hat die Aktie mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren, der Relative-Stärke-Index von 30,7 signalisiert eine deutlich überverkaufte Lage. Für Anleger dürfte der Quartalsbericht am Dienstag zeigen, ob sich die hohe Bewertung des Konzerns von 1,4 Billionen Dollar an harten Zahlen festmachen lässt – oder ob der Lockup-Ablauf am Donnerstag den Ausschlag für die weitere Kursrichtung gibt.

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